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Cellistin, Komponistin, «Königin der Dunkelheit»: Hildur Guðnadóttir
Aus Kultur-Aktualität vom 06.02.2020.
abspielen. Laufzeit 04:18 Minuten.
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Oscar-Gewinnerin Dunkel, düster, dramatisch: Diese Filmkomponistin bricht Rekorde

Von Golden Globe bis Oscar: Hildur Guðnadóttir bricht mit ihren Soundtracks zu «Joker» und «Chernobyl» alle Rekorde. Sie ist nicht nur darum eine Ausnahmeerscheinung im Business.

Hildur Guðnadóttirs Kompositionen sollen Joaquin Phoenix zu seinem bizarren «Joker» inspiriert haben. Phoenix erhielt den Oscar als bester Schauspieler – und Guðnadóttir für den Soundtrack dieses düsteren Psychothrillers den Oscar für die beste Filmmusik.

«Königin der Dunkelheit»

Düster klingt ihre Musik, melancholisch, roh und brutal. Schroffe, elektronische Klänge mischen sich mit dramatischer Percussion und Streicher-Klängen. Das ist der Sound von Hildur Guðnadóttir, dem neuen Star am Filmmusik-Himmel, der «Königin der Dunkelheit».

Diesen Beinamen hat ihr ein Journalist verpasst – dabei sei sie sehr offen und lache gerne, erzählt die Komponistin, Cellistin und Sängerin im Podcast «The Score»: «Ich bin ein fröhlicher Mensch. Aber ich glaube, ich brauche ein Ventil für meine dunkle Seite. Und mein Ventil ist die Musik.»

Ein Multitalent

Die 37-jährige Isländerin studierte Cello, Komposition und Neue Medien in Reykjavik und Berlin, wo sie seit 2003 lebt. Sie begann mit experimentellem Pop, doch schon bald schrieb sie die erste Filmmusik.

Daneben war sie weiterhin als Solokünstlerin unterwegs, dirigierte und komponierte, unter anderem für die Tate Modern. Sie spielte für diverse Soundtracks die Cello-Parts ein, unter anderem für den Filmmusikkomponisten Jóhann Jóhannsson oder für «The Revenant».

Hildur Guðnadóttir und ihre Musik

«Call me Joker, Link öffnet in einem neuen Fenster» aus dem Soundtrack zu «Joker»

«The Door, Link öffnet in einem neuen Fenster» aus dem Soundtrack zu «Chernobyl»

Hildur Guðnadóttir bei Spotify, Link öffnet in einem neuen Fenster (Login notwendig)

Hildur Guðnadóttir im Gespräch, Link öffnet in einem neuen Fenster im Podcast «The Score» (engl.)

Aber erst 2019 explodierte ihre Karriere so richtig. Zwei Soundtracks haben sie international bekannt gemacht: Die Filmmusik zu «Joker» von Todd Phillips. Und die Musik zur Fernseh-Miniserie «Chernobyl», die die Nuklearkatastrophe im ukrainischen Atomkraftwerk von 1986 zeigt.

Innovative Klangkünstlerin

«Chernobyl» ist ein gutes Beispiel dafür, wie innovativ die Komponistin arbeitet. Guðnadóttir besuchte dafür ein Atomkraftwerk in Litauen. Sie zog sich einen Strahlenschutzanzug an und sammelte in voller Montur Geräusche, die sie danach am Computer zu Klangcollagen zusammenfügte. Guðnadóttir wollte nichts erfinden. Was in ihrer Musik erklingt, ist das Atomkraftwerk selbst.

«Wichtig ist, dass ich Klänge, Geräusche und Umgebungen körperlich erlebe. Darum wollte ich unbedingt dorthin. Ich wollte wissen, wie ein Atomkraftwerk wirklich ist, wie es riecht, wie es klingt», erzählt Guðnadóttir. Denn um Musik zu einer Geschichte zu schreiben, müsse man vor allem eines: zuhören.

Eine Ausnahmeerscheinung

Nun ist sie es, der alle zuhören. Für ihre Soundtracks zu «Chernobyl» und «Joker» gewann Guðnadóttir zahlreiche Preise: Nicht nur den Oscar, auch den Grammy, BAFTA (Preis der British Academy of Film and Television Arts), den Golden Globe – und einige mehr.

Hildur Guðnadóttir im Abendkleid und Preis in der Hand an den Grammy-Awards.
Legende: Allen Grund zu jubeln: Der Oscar ist ein begehrter Preis mehr für Hildur Guðnadóttir. Getty Images / Timothy Norris

Alle Scheinwerfer sind derzeit auf Guðnadóttir gerichtet. Nicht nur wegen ihrer Musik. Bei den Oscars ist sie erst die dritte Frau, die für die beste Filmmusik geehrt wird. Bei anderen Preisen war sie die erste Frau überhaupt, die diese als Solo-Komponistin erhalten hat.

Auch 2019 und 2020 stehen Filmmusikkomponistinnen in der Branche noch immer im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Zwar boomt das Genre Filmmusik seit Jahrzehnten, die Stars – Hans Zimmer, Ennio Morricone oder John Williams etwa – sind aber alle Männer.

Nur 1,4 Prozent der Soundtracks für Filme stammen von Komponistinnen, besagt die Studie «Inequality in 1.200 Popular Films», Link öffnet in einem neuen Fenster. Ein ernüchterndes Ergebnis.

Guðnadóttir möchte darum auch ein Vorbild sein. «An alle Mädchen, Frauen, Mütter, an alle Töchter, die in sich drin die Musik sprudeln hören, bitte werdet laut. Wir müssen eure Stimmen hören», sagte sie in ihrer Oscar-Rede.

Sie steht dafür ein, dass die Scheu der Branche endlich nachlasse, auch Frauen zu engagieren. Denn sie sind da. Nur werden sie noch zu wenig gehört.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 6.2.2020, 17.20 Uhr

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