Paul Kuhn wird 85: Bierzelt-Schlager und Jazzmusik

Das Schunkellied «Es gibt kein Bier auf Hawaii» war ein Kassenschlager. Mit den Sendungen wie «Hallo Paulchen» und «Paul’s Party» schrieb Kuhn Fernsehgeschichte. Aber seine grosse Leidenschaft galt und gilt immer noch dem Jazz. Ein Rückblick auf das Leben von dem «Mann am Klavier».

Portrait des Pianisten Paul Kuhn, der unter einem Strohhut freundlich in die Kamera lächelt.

Bildlegende: Die deutsche Swing- und Jazzlegende Paul Kuhn, 1928 in Wiesbaden geboren. Keystone

Klavier spielt er noch immer. Jazz natürlich, seine grosse Leidenschaft. Und das, obwohl er fast nichts mehr sieht. Paul Kuhn will dranbleiben und sein Gedächtnis trainieren: Die aberhundert Jazz-Standards spielt er immer und immer wieder. Denn wer nicht übt, wird schlechter. Und Qualität ist bei allem, was Paul Kuhn macht, immer höchstes Gebot.

85 Jahre alt ist Paul Kuhn mittlerweile. Er lebt auf der Lenzerheide und ist längst ein älterer freundlicher Schweizer Bürger. Auch wenn seine Augen nicht mehr gut sehen, blitzt der Schalk nach wie vor aus ihnen heraus.

Der kürzlich verstorbene George Gruntz hat einen schönen Ausdruck geprägt für eine ernsthafte Arbeit mit Humor, wie sie auch für Paul Kuhn bezeichnend ist: «Serious Fun».   

Jazz als Gegenwelt

Geboren wird Paul Kuhn 1928 in Wiesbaden. Als Achtjähriger tritt er mit seinem Akkordeon auf und begeistert die Zuhörer mit seiner musikalischen Begabung. Irgendwann erwischt ihn der Jazzvirus. Wahrscheinlich als er spürt, dass der Jazz eine Gegenwelt zur herrschenden Ideologie in Deutschland darstellt. Am Ende des Krieges ist Paul 17 Jahre alt und ein anständiger, vor allem aber lernbegieriger Pianist, dem die Welt offen steht.

Die Geschichten, die deutsche Jazzmusiker seiner Generation erzählen, haben so gut wie alle eins gemeinsam: Sie spielen in den so genannten «Ami-Clubs», den Unterhaltungslokalen der amerikanischen Stützpunkte. Hier lernen sie die neusten Schlager, bekommen Zigaretten und Nylonstrümpfe für die Freundin. Hier lassen Musiker es sich gut gehen, während andere in den Trümmern hungern.

Die «German All Stars»

1953 findet in Frankfurt das erste deutsche Jazzfestival statt. Die Zeitschrift «Die Gondel» stellt hierfür die beliebtesten deutschen Musiker zu den «German All Stars» zusammen: Hansi Last, aus dem später James wird, spielt Bass, Max Greger Saxophon und am Klavier sitzt der 25jährige Paul Kuhn. Nach diesem Festival ist er bekannt, man bietet ihm einen Schallplattenvertrag an, Kuhn greift zu und bringt schon ein Jahr später einen Hit raus: «Der Mann am Klavier».

Mit 250‘000 verkauften Platten ist Paul Kuhn ein Star. Jetzt kommt auch das Fernsehen, denn er kann nicht nur Klavier spielen und singen, er verkörpert auch gekonnt den Kumpel von nebenan.

Blick in ein Studio des Schweizer Ferneshens: Paul Kuhn dirigiert eine Big-Band.

Bildlegende: Paola del Medico singt und Paul Kuhn (rechts) dirigiert im Schweizer Fernsehen, Dezember 1974. Keystone

Kuhn der Schlagerstar

Paul Kuhn albert mit Harald Juhnke herum und Bill Ramsey, singt mit Caterina Valente und Greetje Kauffeld. Seine Leichtigkeit im Umgang mit dem Medium haben nur wenige. Zwischen 1960 und 1963 hat er seine erste Show in der ARD, «Hallo Paulchen», später dann «Paul’s Party», wo er mit seinem Orchester des Senders Freies Berlin auftritt. Paul Kuhn ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Der Absturz ist schnell und hart. 1980 schafft man sein Orchester ab, sein Plattenvertrag wird gekündigt und seine Ehe zerbricht. Paul Kuhn ist am Boden. Dass er sich schnell wieder aufrappelt, ist der Verdienst von Peter Alexander.

Der braucht zu diesem Zeitpunkt ein neues Orchester. Er engagiert Paul Kuhn und sie touren zusammen. Nur: Jazz machen sie nicht! Jazz-Musik wird für Kuhn erst wieder aktuell, als er sich aus dem Geschäft zurückzieht.

Als er sich auf das besinnt, was er am liebsten tut und am besten kann: Jazz spielen, die wunderbaren Songs von George Gershwin, Cole Porter und Kollegen singen und mit seiner guten Laune sein Publikum erfreuen – und dies in höchster Qualität.

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