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Bei Anruf Popförderung
Aus Kultur-Aktualität vom 20.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
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Pop als Warteschleifenmusik Bei der Basler Verwaltung geht bald Baschi ans Telefon

Lokaler Pop statt seelenloses Gedudel: Der Kanton Basel-Stadt peppt seine Warteschlaufenmusik auf.

Telefonwarteschleifen haben mir «Für Elise» und «Die vier Jahreszeiten» wohl für immer vermiest. Das nichtssagende Standardgedudel irgendeines grossen Telekommunikationsunternehmens soll mir die ewige Warterei versüssen.

Die blechernen Klänge in Endlosschleife werden nur unterbrochen von der Ansage «Bitte haben Sie einen Moment Geduld. Wir sind gleich für Sie da.» Schon reisst mir der Geduldsfaden.

Warteschleifenmusik nervt meist nur statt zu entspannen. Bei der Verwaltung des Kantons Basel-Stadt könnte das Warten aber bald angenehmer werden. Ab Januar 2021 setzt man dort auf lokale Bands und Musiker: Baschi, die Lovebugs, Amoa oder Les Touristes zum Beispiel.

Warteschleife als kuratierte Plattform

Das Pilotprojekt setze ein wichtiges Zeichen, sagt Alain Schnetz. Er ist Geschäftsführer des RFV Basel, der in der Region für die Förderung populärer Musik zuständig ist.

«Diese Stärkung der Szene ist ein wichtiges politische Zeichen. Und während der Covid-19-Pandemie hat das noch grösseres Gewicht.» Denn neben der Wertschätzung gebe es da noch den interessanten Aspekt der Urheberrechtsgebühren, die anfallen.

Die Basler Pop-Förderer werden die Warteschleifenmusik zusammen mit dem städtischen Kulturdepartement kuratieren. Grundsätzlich möchten sie die Diversität der Basler Musikszene abbilden: Pop, Rock, Hip-Hop, Techno und Neoklassik, grosse Namen und Newcomer.

Die Auswahl müsse fair ablaufen, sagt Alain Schnetz. Deshalb könnten zum Beispiel Bands und Musikerinnen gespielt werden, die aktuell vom RFV Basel gefördert werden. «Das würde gewährleisten, dass die Musik divers ausfällt und dass es eine Rotation innerhalb der Liste gibt.»

Frust ist vorprogrammiert

Popförderung am Telefon? An sich eine tolle Idee, sagt auch die Musikwissenschaftlerin Britta Sweers von der Universität Bern. Sie gibt aber zu bedenken: «Wenn man bei einer Institution anruft, hat man ein bestimmtes Anliegen. Je länger man wartet, desto grösser wird das Frustgefühl.» Alles, was in dieses Warten reinkomme, habe dann eine negative Konnotation.

Die Musik könne unser Frustgefühl unter Umständen sogar verstärken, sagt Britta Sweers. Lautstärke und Klangqualität spielten dabei eine ebenso grosse Rolle wie der individuelle Musikgeschmack.

«Darum wird häufig diese nichtssagende Musik verwendet. Aber Klang ist auch eine Art Visitenkarte. Es gibt Unternehmen, die darum erkennbare Melodien haben.» Für gute, wiedererkennbare Musik fehle uns in der Warteschleife in der Regel die Aufmerksamkeit, ergänzt Britta Sweers. Für sie ist das Projekt des Kantons Basel-Stadt darum ein grosses Experiment.

Überraschungseffekt garantiert

Täglich melden sich dort hunderte bis tausende Personen mit einem Anliegen. Wenn ihnen die regionale Musik in der Warteschleife gefällt, soll das Vorhaben per 2022 definitiv umgesetzt werden.

Alain Schnetz vom Musiknetzwerk RFV Basel ist vom Potenzial der Warteschleife überzeugt: «Ich glaube, dass da viele schmunzeln müssen. Vielleicht wäre es auch spannend zu messen, ob mehr Anrufe eingehen, weil die Leute in die lokale Musik reinhören möchten.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 21.10.2020

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