Richard Wagner, der «begnadete Parasit»

Der Jahrhundertkomponist Richard Wagner war nicht nur ein Meister im Setzen von Tönen, sondern auch im Leben auf Pump. Praktisch alle, die auch nur flüchtig mit ihm zu tun hatten, bat er um Geld. Mit der Loyalität nahm er es dabei nicht sehr genau.

Porträt (halbnah) von Richard Wagner. Zum Hemd trägt er ein gebundenes seidenes Tuch.

Bildlegende: Kleidete sich trotz seines Lebens auf Kosten anderer gerne edel und luxuriös: Richard Wagner. Wikimedia

Richard Wagner war begabt, innovativ und voller Visionen. Doch mit Geld umgehen, das konnte er nicht. Wenn er welches hatte, war es meist schnell wieder weg, wie die Dirigentin Graziella Contratto erzählt: «Selbst wenn Wagner nur schon in Aussicht gestellt wurde, dass eine seiner Opern zur Aufführung gelangen könnte, gab er schon im Vorfeld gleich alles Geld aus.» Schulden wurden so zu einem ständigen Begleiter. Oder wie es Graziella Contratto ausdrückt: Zu einem Leitmotiv in Wagners Leben.

Die Rechte doppelt verkauft

Der Komponist von «Der fliegende Holländer», «Lohengrin» und «Tristan und Isolde» war von Beginn weg auf Zuwendungen angewiesen. Im 19. Jahrhundert – also vor der Erfindung der Schallplatte – konnte ein Komponist nur an den Aufführungen seiner Werke verdienen. Und natürlich an den Honoraren für den Abdruck seiner Partituren. So versuchte Wagner bereits als 17-Jähriger dem Verlag B. Schott‘s Söhne in Mainz einen von ihm verfertigten Klavierauszug aus der neunten Symphonie von Beethoven zu verkaufen. Der Verlag lehnte jedoch ab; der Preis erschien zu hoch.

Später konnten sich Wagner und Schott’s Söhne dann doch einigen: Im Jahr 1861 erhielt der Komponist 13‘000 Francs – das wären heute rund 100‘000 Schweizer Franken – für die Rechte seines ganzen vollendeten wie zukünftigen Schaffens. Wagner unterschlug bei den Verhandlungen allerdings, dass er die Rechte am damals neu geschaffenen «Ring des Nibelungen» bereits an Otto Wesendonck verkauft hatte.

Das Pump-Genie

An jenen Herrn also, der ihm nach seiner Flucht aus Sachsen finanziell unter die Arme griff und ihn unter seinem Dach in Zürich logieren liess. «Wagner war eben ein begnadeter Parasit», schreibt Hanjo Kesting in seinem Buch «Das Pump-Genie. Richard Wagner und das Geld». Dass er nicht mit Geld umgehen konnte, war Wagner durchaus bewusst. In einem Brief an Franz Liszt hielt er fest: «Ich bin ein grosser Verschwender; aber wahrlich, es kommt etwas dabei heraus.»

Alle hat Wagner angepumpt: Schneidermeister, Ärzte, Kollegen, seinen Schwiegervater und immer wieder König Ludwig II. von Bayern, der Wagner ebenfalls grosszügig unterstützte. Dass er so den «Ring des Nibelungen» auch noch ein drittes Mal verkaufen konnte, versteht sich von selbst.

Buchhinweis

Hanjo Kesting: «Das Pump- Genie. Richard Wagner und das Geld». Eichborn 1997.

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