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Musikerin Nadja Zela blickt zurück auf ein schwieriges Jahr
Aus Kulturplatz vom 18.11.2020.
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Rückkehr und Neuanfang Musikerin Nadja Zela: «Die Band war mein Trauer-Ritual»

Vier Jahre nach ihrem letzten Album ist «Greetings To Andromeda» erschienen, Nadja Zela bislang ambitioniertestes Werk. Virtuos und berührend verarbeitet die Zürcher Musikerin damit den Verlust ihres langjährigen Lebenspartners. Der Cartoonist Christophe Badoux starb 2016 an plötzlichem Herzversagen.

Nadja Zela

Nadja Zela

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Nadja Zela ist Sängerin, Songwriterin und Gitarristin aus Zürich. Jahrzehntelang hat sie mit verschiedenen Bands die Schweizer Indie-Rock-Szene geprägt. Seit 2008 ist sie als Solo-Künstlerin unterwegs.

SRF: Das neue Album bezeichnen Sie als «Rock-Requiem». Warum?

Nadja Zela: Nach dem Tod meines Mannes konnte ich überhaupt keine Musik mehr hören. Sie hat mir absolut nichts mehr bedeutet. Eineinhalb Jahre lang.

Dann fand ich den Zugang wieder über klassische Requiems. Ich empfand zwar immer noch nicht viel dabei, mein Herz war dermassen geschädigt, aber es gelang eine analytische Auseinandersetzung.

Diese Songs haben etwas sehr Erzählerisches, beinahe Märchenhaftes, auch Unangestrengtes.

Mir wurde klar: Ich will auch ein Requiem schreiben. Das war mehr Intuition, eine Art Selbsthilfe in Not, um mich in der Musik in eine neue Ära zu retten.

Ist es heute immer noch eine Überlebenshilfe, diese Lieder zu singen?

Mittlerweile weniger. Es ist auch Spass. Diese Songs haben etwas sehr Erzählerisches, beinahe Märchenhaftes, auch Unangestrengtes. Sie sind zwar schwierig zu spielen, aber genau das macht uns Musikern ja Spass – wenn etwas nicht durch ständige Wiederholung langweilig wird.

Drei Männer stehen im Hintergrund. Es ist sehr dunkel. Eine Frau steht vorne und streckt ihre Arme nach oben.
Legende: Nadja Zelas Stimme kehrte zurück, um in finster-märchenhafter Weise die Trauer in Musik zu packen. Nik Spoerri

Können Sie etwas über den Entstehungsprozess des Albums erzählen?

Wir probten oft als Band, spielten offene Sessions, amüsierten uns im freien Zusammenspiel. Ich nahm aber alles auf. Dazu forderte ich die Musiker auf, nicht immer ihre gewohnten Instrumente in die Hand zu nehmen, sondern solche, die sie nicht kennen, die sie auch mal überfordern. Das hatte den Effekt, dass wir uns selbst auch neu entdeckten, was für die Kreativität beim Erarbeiten dieses Albums sehr gut war.

Album-Hinweis und Infos zur Live-Show

Auf der Bühne spielen Nadja Zela und Band alle 18 Songs des Konzeptalbums «Greetings To Andromeda» am Stück. Nächste Auftritte sind allerdings erst Anfang 2021 geplant.

Nadja Zela: «Greetings To Andromeda. Requiem», Patient Records.

Wo haben Sie selbst musikalisch Neues ausprobiert?

Ich fand irgendwann ein Harmonium. Das quietscht und atmet und ist eine Art Körper. Zuvor hatte ich nie ein Tasteninstrument berührt. Das ist vielleicht eine Eigenart von uns Künstlern: Wir können uns mit solchen «Talisman-Instrumenten» umgeben.

Vieles muss dann wie vorbestimmt ablaufen – auch das ist heilsam. Anhand dieser Sessions habe ich dann die Lieder komponiert und arrangiert. Allein das dauerte ungefähr ein Jahr, bis wir dann ins Studio gingen. Nach einem solchen Todesfall ist es heilsam, wenn man sich nach einer gewissen Zeit aus der eigenen Starre hinausbewegen kann.

Ich will mein Publikum ja auch nicht mit zu viel Schwermut überfordern.

Inwiefern hat dieser kreative Prozess Ihnen bei der Bewältigung des Verlusts geholfen?

Das Schreiben am Album hat mir enorm geholfen. Als Mensch habe ich immer so funktioniert, dass ich mich über den Kreativprozess im Leben weiterbewege. Nach einem solchen Todesfall ist es heilsam, wenn man sich nach einer gewissen Zeit aus der eigenen Starre hinausbewegen kann.

Ich habe zum Glück einen recht grossen Freiraum, veröffentliche auf meinem eigenen Label, ohne Plattenfirma, die mich stresst. Ich konnte mir also Zeit nehmen, abtauchen, die Freude suchen und wiederfinden, mich wegträumen in diese kreative Parallelwelt.

Es fehlt ja an Ritualen für ein solches Ereignis. Ich glaube, die Band hat dies zum Teil ersetzt.

Sie singen erstmals auch auf Schweizerdeutsch, worum geht es bei «Au Nüm Da»?

Für trauernde Menschen sind viele Orte schmerzhaft gekoppelt an Erinnerungen mit dem Menschen, den sie verloren haben. Rundum sind alle fröhlich, geniessen den kommenden Frühling, den Sommer, sind leicht bekleidet, gut drauf. Man selbst ist nicht mehr Teil davon und fühlt sich wie ein Alien.

Oft sagen die Leute: «Jetzt kommt der Frühling, dann wird’s sicher besser.» Ich dachte aber immer, jetzt wirds noch schlimmer, wäre doch bloss wieder Winter – dann kann man wenigstens traurig durch die Welt gehen. Im Song versuche ich das mit einer Prise Ironie zu beschreiben. Ich will mein Publikum ja nicht mit zu viel Schwermut überfordern.

Das Gespräch führte Richard Herold.

SRF 1 Kulturplatz, 18.11.2020, 22:25 Uhr.;

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