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Schweizer Musikpreis 2017 Patricia Kopatchinskaja gewinnt den Grand Prix Musik

Eine Schweizer Geigerin mit moldawischen Wurzeln erhält den wichtigsten Musikpreis des Landes: Die 100'000 Franken für den Grand Prix Musik gehen an Patricia Kopatchinskaja.

Das Wichtigste in Kürze

  • 15 Musikerinnen und Musiker waren für den Grand Prix Musik nominiert – die Jury hat sich für Patricia Kopatchinskaja entschieden.
  • Kopatchinskaja ist für ihre Interpretationen klassischer sowie zeitgenössischer Komponisten bekannt.
  • Die Schweizer Geigerin stammt ursprünglich aus Moldawien.

Sendehinweis

«Ich kenne dich, ich habe dich spielen gehört»: Anlässlich der Verleihung des Schweizer Musikpreises an Patricia Kopatchinskaja wiederholt Sternstunde Musik das preisgekrönte
Filmporträt von Béla Batthyany aus dem Jahr 2012.
Am Sonntag, 24.9. um 23.50 Uhr auf SRF 1 – und danach 7 Tage online.

«Je gefährlicher, desto besser»

Ein bisschen ist Patricia Kopatchinskaja schon selber schuld, wenn die Presse mit Schlagzeilen wie «Die entfesselte Geigerin» titelt. Das klingt reisserisch.

Oder «The wild child of classical music». Oder «Je gefährlicher, desto besser». Letzteres ist sogar ein Zitat der 40-jährigen Geigerin selbst.

Je gefährlicher ein Komponist sei, erzählte sie einer Musikzeitschrift, desto besser. Wobei sie in dem Interview offen liess, ob sie dieses «besser» auf den Komponisten bezog. Oder ob eine komponierende Gefahrenquelle besser sei für sie, die Interpretin. Oder auch für uns.

Musik mit Zornesfalten

Das Publikum, das Kopatchinskajas Interpretationen schätzt, weil sie anders daherkommen als gewohnt. Das kann Beethovens Violinkonzert sein, ein Klassiker.

Wer das Konzert kennt, merkt in Kopatchinskajas Version zum Beispiel gleich, dass die erste Melodie der Sologeige auf brüchigem Boden steht. Dieses D-Dur kann jederzeit einbrechen. Fahl werden. Zornesfalten bekommen. Ins Existenzielle abtauchen.

Genau das ist es, was Patricia Kopatchinskaja will. «Die grossen Komponisten haben nicht schönen Kitsch gemacht, sondern wirklich existenzielle Fragen in Tönen verarbeitet», sagt sie.

Patricia Kopatchinskaja
Legende: Egal ob Beethoven oder Bartók: Kopatchinskaja interpretiert anders als gewohnt. Getty Images

Hoffen auf Schweizer Komponisten

Grosse Komponisten, das sind für sie nicht nur die Klassiker wie Beethoven oder Schumann. Sondern ganz selbstverständlich auch solche des 20. und 21. Jahrhunderts. Uraufführungen sind das, fast jedes Jahr, von für sie geschriebenen Werken. Oder etwa die Konzerte von Bartók, Ligeti, Eötvös.

Gleich drei ungarische Komponisten reichern die umfangreiche Diskografie dieser Geigerin an – Kopatchinskaja, die mit zwölf Jahren aus Moldawien nach Wien und später in die Schweiz gezogen ist.

In Luzern hat sie diesen Sommer das Violinkonzert «Hommage à Louis Soutter» (geschrieben 1993) von Heinz Holliger gespielt. Patricia Kopatchinskaja hatte schon als junge Studentin gehofft, der Schweizer Komponist würde etwas für sie schreiben. Nun ist sie, neben Widmungsträger Thomas Zehetmair, eine der seltenen Interpretinnen dieses Konzerts.

Die Gefahr in sicheren Händen

Die Presse schrieb nach dem umjubelten Auftritt, das Geheimnis von Patricia Kopatchinskajas Kunst sei bei aller Künstlichkeit, Musik «zutiefst menschlich» zu machen. Das gelingt ihr sowohl mit Klassikern wie mit Werken unserer Zeit. Musik ist Musik bei Kopatchinskaja. Gefährlich zwar, aber auch in sicheren Händen.

Am Freitagabend hat Patricia Kopatchinskaja in Basel den mit 100’000 Franken dotierten Grand Prix Musik des Schweizer Musikpreises erhalten. Sie sei ein «Glücksfall für die Klassikszene», liessen die Juroren verlauten.

Sendung: Radio SRF 4, News, 22.9.2017, 22:00 Uhr.

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