Sein Jazz reist von Südafrika um die Welt

Der Jazzpianist Abdullah Ibrahim schöpft aus vielen Quellen, spirituellen wie weltlichen. Damit erreicht er ein breites Publikum. Gerade in der Schweiz hat er viele treue Verehrer. Jetzt wird der grosse südafrikanische Jazzer 80 Jahre alt.

Abdullah Ibrahim mit gefalteten Händen vor dem Gesicht.

Bildlegende: Seine Mutter und Grossmutter spielten Klavier, später hörte er Jazz und Township-Jive: Abdullah Ibrahim. Wikimedia

Abdullah Ibrahim wurde als Adolph Johannes Brand am 9. Oktober 1934 in Kapstadt geboren. Er wuchs in Kensington, einem Ghetto in Kapstadt auf. Das Gesetz der Strasse lernte er früh. Gewalt gehörte für ihn zum Alltag.

Zu seinem Alltag gehörte aber auch die Zeit in der Kirche, in der seine Mutter und Grossmutter Klavier spielten. Das war der Soundtrack seines Lebens. Diese Klänge mischten sich mit Jazz, mit Township-Jive und vielen anderen Klängen aus seiner Umgebung.

Eine Hymne gegen die Apartheid

Dollar Brand – so nannte er sich damals noch – machte daraus seine eigene Musik. Musik, die bis heute die Kraft hat, Menschen zum Hinhören zu bringen, zum Lachen und zum Tanzen.

Wie sehr er den Nerv der Leute traf, zeigt sich in seinem bekanntesten Stück «Mannenberg – Is Where It’s Happening», der nach dem Township Manenberg in Kapstadt benannt ist. Der Song mit einem grandiosen Solo seines aus Manenberg stammenden Saxofonisten Basil Coetzee wurde 1974 zu einer Art inoffiziellen Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika.

Mit Duke Ellington in Zürich

Zu dieser Zeit lebte Abdullah Ibrahim aber bereits nicht mehr in seiner Heimat. Er ging während einer Tournee mit einer Musical-Truppe 1962 ins Exil. Wie für viele Schwarze wurde das Leben in Südafrika für ihn unerträglich. Dollar Brand machte Station in Zürich, wo er im legendären «Africana» spielte. Dort gewann er viele Freunde, darunter den Trompeter Hans Kennel oder den Saxofonisten Bruno Spoerri.

Den internationalen Durchbruch schaffte Dollar Brand durch eine folgenreiche Begegnung 1963 in Zürich. Die Sängerin Sathima Bea Benjamin, die später seine Frau wurde, bat Jazzlegende Duke Ellington nach einem Konzert im Kongresshaus ins «Africana», um Dollar Brand zu hören.

Ellington kam – und war begeistert. Er verschaffte dem Pianisten eine Aufnahme-Session («Duke Ellington Presents The Dollar Brand Trio», Reprise, 1963), und auch immer wieder Engagements. Damit war der Grundstein für eine weltweite Karriere gelegt.

Die lange Reise nach Hause

Nach Zürich kam Abdullah Ibrahim, wie er sich nach seiner Konvertierung zum Islam 1968 nannte, immer wieder zurück. Hier hatte er nicht nur eine treue Fan-Gemeinde, sondern auch Leute, die ihn von Anfang unterstützen. So wurde ihm eines Tages ein Klavier nach Hause geliefert, dessen Spender bis heute unerkannt bleibt.

Abdullah Ibrahim ist seit seinen Jahren im Exil ein Weltenbürger, der auch immer wieder Aufträge in den USA und Europa erhält. Sinfonie-Orchester und Big Bands wollen mit ihm zusammenarbeiten, und als Solo-Pianist wird er überall mit offenen Armen empfangen.

Nach der Ablösung des Apartheid-Regimes in den 90er-Jahren wurde es für ihn wieder möglich, nach Kapstadt zurückzukehren. Abdullah Ibrahim wollte in dieser Zeit etwas bewegen, und initiierte Projekte für die junge südafrikanische Jazzszene. 1994 spielte er bei Nelson Mandelas Amtseinsetzung – ein weiterer Meilenstein in Abdullah Ibrahims Leben.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Der Vorabend, 9.10.14, 16 Uhr