«Suisse Diagonales Jazz»: jung, attraktiv, schweizerisch

Der Röstigraben ist breit für junge Schweizer Jazzbands. Ein Publikum im anderen Sprachgebiet zu finden, die Medien auf sich aufmerksam zu machen, seine Kunst bekannt zu machen, ist selbst eine Kunst. Das Festival Suisse Diagonales Jazz hilft dabei.

Portzrät der Band «Kamikaze» aus Bern.

Bildlegende: Fliegende Gitarrenriffs, dröhnende Bässe und explodierende Schlagzeugbomben: Die Band «Kamikaze» aus Bern. zvg

Wie schafft es eine junge Jazzmusikerin oder ein Jazzschulabgänger sich in die Ohren eines Publikums zu spielen? Wenn möglich nicht nur in der unmittelbaren Umgebung, sondern über die Region hinaus? Vielleicht gar in einem anderen Landesteil, in der Romandie, im Tessin, oder umgekehrt in der Deutschschweiz?

Rare Auftrittsmöglichkeiten in der Schweiz

Jedes Jahr verlassen Dutzende von gut ausgebildeten Instrumentalisten und Sängerinnen die Jazzschulen. Und weil Jazz eben nicht im Probekeller oder der Übungskabine stattfindet, sondern ein mithörendes und –denkendes Publikum braucht, tun sie sich in Bands zusammen und suchen Auftrittsmöglichkeiten. «Gigs» heisst das im Jazzerdeutsch, und diese sind rar. Erst recht anständig bezahlte Gigs, an einem freundlichen Ort, vor einem aufmerksamen Publikum. Selbsthilfe ist da gefragt, und so finden Konzerte an den abenteuerlichsten Orten statt - in Ateliers, Werkstätten, in WGs und sogar in gutbürgerlichen Stuben.

Zehn junge Bands auf Clubtour

Seit ein paar Jahren bietet eine Organisation Hilfe, die über das nötige Netzwerk, auch über Geld und die personellen Resourcen verfügt: der Verein «Suisse Jazz Diagonales». Die Idee ist einfach: 24 Jazzclubs tun sich für einen Monat zusammen, engagieren zehn junge Bands und schicken diese durch die Clubs - vor allem in den anderen Landesteilen. Westschweizer spielen in Zürich, Tessiner in Bern, Deutschschweizer in der Romandie. Und weil das Publikum bekanntlich das am liebsten sieht und hört, was es am besten kennt, wird den Newcomern aus der Fremde eine einheimische Band zur Seite gestellt, die für eine volle Bude sorgen soll.

Bewährtes Konzept

Das Konzept bewährt sich mittlerweile seit zehn Jahren. Jeweils in den ungeraden Jahren geht das Festival zwischen Mitte Januar und Mitte Februar in allen Landesteilen über die Bühnen. Stilistisch ist man offen, eine Band wie «Kamikaze», die auch ein wenig so klingt, wie sie heisst, steht neben dem Klaviertrio des St. Gallers Josquin Rosset, der ganz in der Tradition der grossen Trios musiziert. Das Niveau allerdings ist hoch, denn die Auftrittsplätze sind begehrt. Es bewerben sich viel mehr Gruppen, als für die Tour berücksichtigt werden können.

«Suisse Diagonales Jazz» ist also eine Win-win-Situation für alle: Die jungen Musikerinnen und Musiker bekommen Auftrittsmöglichkeiten, die Clubs profitieren vom Netzwerk und der konzertierten Werbung, und die Konzertbesucherinnen und –besucher können neue Entdeckungen machen. Was will man mehr?