Tüftler entwickeln das Saxofon weiter

Es war fast perfekt: Das Saxofon, das sein Namensgeber Adolphe Sax im vorletzten Jahrhundert erfand. Ein paar Dinge könnte man bei diesem Instrument aber noch verbessern. Und tatsächlich gibt es junge Instrumentenbauer, die mit kreativen Ideen aufwarten.

Ein Saxofon in der Dunkelheit leuchtet an verschiedenen Stellen in rosa, blauen und violetten Farben.

Bildlegende: Das Saxofon hat noch Entwicklungspotenzial – und bringt Instrumentenbauer auf neue Ideen. Flickr/ Martin Barland

Adolphe Sax hat das Saxofon erfunden. Er wusste sehr genau, was er suchte: Ein Bassinstrument, das beweglich, laut und wohlklingend ist, und das draussen bei Wind und Wetter gespielt werden kann. Denn er dachte an die Militärmusiken, was auch heisst: Er dachte ans Geschäft. Eine ganze Armee mit Instrumenten auszurüsten, bedeutet Arbeit und Verdienst.

Das Instrument, das er entwickelte, erfüllte alle Vorgaben – sogar mehr als das. Es hatte das Potenzial, nicht nur das tiefe Register abzudecken. Sax sah bald, dass nach dem gleichen Prinzip auch hohe Instrumente gebaut werden konnten. Diese wurden höchst erfolgreich, wenn auch erst nach Sax‘ Tod.

Verschiedene Firmen bauten Saxofone in riesigen Stückzahlen. Weiterentwickelt wurden aber nur die Baugrössen, die viel verwendet wurden: das Alt- und das Tenorsaxofon. Das tiefe Bass-Saxofon blieb auf dem technischen Stand des 19. Jahrhunderts.

Das «Tubax», eine Mischung aus Tuba und Saxofon

Ein Mann spielt auf einem grossen, fast mannshohen Blasinstrument.

Bildlegende: Der Musiker Simon Bull spielt auf einem Tubax. ZVG Benedikt Eppelsheim

Benedikt Eppelsheim in München wollte dies nicht so akzeptieren – und als gelernter Instrumentenbauer Neues schaffen. Gleich wie Adolphe Sax 160 Jahre vor ihm, überlegte er sich, was die musikalische Welt gebrauchen und er folglich verkaufen könnte. Er musste nicht lange suchen: Ein tiefes Saxofon in moderner Bauweise, leicht zu spielen, wohlklingend, vernünftig transportier- und zahlbar – das müsste sich verkaufen lassen!

Eppelsheim begann zu tüfteln. Anders allerdings als sein Vorgänger war er nicht ausschliesslich auf Experimente angewiesen. Ein holländischer Physiker hatte in seiner Dissertation Bohrungen und Tonlöcher an Saxofonen und Klarinetten untersucht. Eppelsheim vertiefte sich in diese Arbeit, stellte Berechnungen an, zeichnete, übertrug seine Pläne in den Computer, und begann zu bauen. Das Resultat seiner jahrelangen Arbeit präsentierte er auf der Frankfurter Musikmesse: Das «Tubax». So nannte er sein Instrument, ein Mischung aus Tuba und Saxofon.

Das Tubax ist zwar streng genommen ein Saxofon, gleichwohl würde es ein Laie nicht als solches erkennen. Denn die typische Tabakspfeifenform des Saxofons gibt es hier nicht, vielmehr wurde das gut vier Meter lange Rohr mehrfach gewickelt, einer Tuba eben nicht unähnlich. Mittlerweile hat Benedikt Eppelsheim über 60 Stück seiner Neuentwicklung verkauft. Das hat ihn dazu angespornt, andere tiefe Rohrblattinstrumente genauer unter die Lupe zu nehmen. Er baut heute auch traditionelle Bass- und Kontrabass-Saxofone, auch eine Kontrabass-Klarinette und ein neu entwickeltes Kontrafagott.

Schneller und leiser

Alle Instrumente, die Benedikt Eppelsheim baut, funktionieren traditionell mechanisch. Bei sehr grossen Instrumenten allerdings stösst man an Grenzen. Die Übertragungswege von der Klappe zum Tonloch sind lang und anfällig, grosse Lochdeckel sind schwerfällig, die Mechanik macht Lärm.

Der Zuger Instrumentenbauer Martin Suter und andere dachten deshalb über eine elektronisch gesteuerte und mit Kleinstmotoren angetriebene Mechanik nach. Der Spieler kann die herkömmlichen Griffe brauchen, er drückt allerdings nicht eine Klappe, sondern einen Sensor. Dieser löst den Befehl zum Schliessen der Löcher aus. Der Vorteil: Das geht schneller und leiser – und ist ein System, das auch für grosse Saxofone zukunftsweisend sein könnte.

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