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Musik «Viva Verdi» - Oper zum Kennenlernen

Die Opernshow «Viva Verdi» feiert im Hallenstadion Weltpremiere. Einblicke ins Getriebe einer Produktion, die von Begeisterung getrieben ist, Tausende ins Hallenstadion lockt und Kritiker auf die Palme bringt.

Legende: Video Viva Verdi - ein Blick in die Show abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Vom 23.12.2012.

Als Auftakt zu Guiseppe Verdis 200. Geburtsjahr feiert die Opernshow «Viva Verdi» im Hallenstadion Weltpremiere. Das internationale Opernprojekt ist eine Revue von Guiseppe Verdis grössten Opernmomenten: «Va, pensiero» (Nabucco), «Ritorna vincitor» (Aida), «La donna è mobile» (Rigoletto). Die Liste der Hits ist länger als bei anderen Komponisten.

Gefühle in Musik verwandeln

«Verdi ist einer der grössten Opernkomponisten aller Zeiten», erklärt der künstlerische Leiter Lotfi Mansouri. «Mit ‹Viva Verdi› feiern wir Verdi und die Oper als Kunstform.» Auf Verdis ungebrochene Popularität angesprochen, meint Chefdirigent Edoardo Müller: «Verdi ist mehr als jeder andere Komponist direkt in die Seele des Menschen vorgedrungen. Er hatte den Mut und die Gabe, Gefühle direkt in Musik zu verwandeln – ohne Rücksicht auf Moden und musikalische Gesetze».

Legende: Video Giuseppe Verdi - seine Musik ist überall abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Vom 23.12.2012.

«Oper ist die spannendste Kunstform überhaupt», sinniert Mansouri im Gespräch bei den Ablaufproben in der Montagehalle der Firma Nüssli im thurgauischen Hüttwilen. «Die Oper vereint alles: Musik, Schauspiel, Bühne, Tanz, Erzählung – was immer die Vorstellungskraft zulässt.»

Mansouri, 1929 in Teheran geboren und dekorierter Grandseigneur der Opernwelt, will sich auch mit 83 Jahren nicht zur Ruhe setzen. Mit «Viva Verdi» hat er eine Mission: «Diese Show ist für Menschen gedacht, die Berührungsängste mit der Oper haben – nicht primär für Opernkenner. Ich wünsche mir, dass die eine oder andere Person den Saal mit einem kleinen Feuer der Begeisterung verlässt – und eine ganze Oper schauen geht.»

Keine Oper - aber die Musik ist im Zentrum

Während Solisten, Tänzer und der Akademische Chor Zürich in Hüttwilen proben, begrüsst Maestro Müller in Zürich das Sinfonieorchester Camerata zur ersten Orchesterprobe.

Er erklärt dem mehrheitlich jungen Orchester den Unterschied zwischen einem Konzert und einer Opernaufführung: «Im Konzert sind 2+2=4, in der Oper sind 2+2=5. In der Oper ist die Musik Teil eines grösseren Ganzen. Daher muss sie beweglich bleiben, sich einpassen.» Auch wenn «Viva Verdi» keine eigentliche Oper ist – die Musik bleibt im Mittelpunkt.

Legende: Video Ein Blick hinter die Kulissen abspielen. Laufzeit 4:01 Minuten.
Vom 23.12.2012.

Am Tag nach der letzten Aufführung begrüsst Sandra Studer in «Stars special» die Solistinnen Mardi Byers und Noëmi Nadelmann sowie den ausführenden Produzenten Heinrich J. Nüssli zum Gespräch. Dabei wird klar: Den Machern von «Viva Verdi» macht die Arbeit Spass – ein Big Business ist es nicht.

Für ein Publikum ausserhalb des Opernhauses

Nüssli hat 1,5 Millionen Franken aus der eigenen Tasche in diese Opernproduktion gesteckt und schon in der Planungsphase realisiert, dass er nach den Hallenstadion-Shows gerade mal die laufenden Kosten würde decken können.

Warum macht er das trotzdem? Weil er daran glaubt, dass Oper auch ausserhalb des Opernhauses ein Publikum finden kann. «Andere kaufen eine Yacht, ich produziere eine Opernshow», meint Nüssli mit einem Augenzwinkern. Das ist kein blinder Idealismus, sondern ernst gemeinte Überzeugung.

Gut? Schlecht?

Die Kritiken zu «Viva Verdi» sind gelinde gesagt verhalten bis vernichtend. Aber wie sagte Mansouri schon im Vorfeld? «Diese Show ist für Menschen gedacht, die Berührungsängste mit der Oper haben – nicht primär für Opernkenner... .»

Man kann Produktionen wie «Viva Verdi» gut finden oder nicht. Tatsache ist, dass 21'000 Menschen den Weg ins Hallenstadion gefunden haben, um sich die Show anzusehen.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Frau Meier, 8003
    Wenn man Oper zugängl. machen will, doch nicht zu diesen Preisen! (z.t sogar teurer als im Opernhaus) Bühnenbild, Kostüme und Maske - billig und schlecht, widersprachen total der heutigen Aufführungspraxis. Auch die Inszenierung liess zu wünschen übrig, (wenigstens aus musikalischer Hinsicht waren die Beiträge nicht so schlecht, wie ich erwartet hatte, aber der eigentliche Sinn des Opernbesuchs ist u.a. ja gerade, die Musik und das Stimmvolumen der Sänger mal live und nicht verstärkt zu...
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  • Kommentar von Claire Posse-Jucker, 1950
    Seien Sie nicht so streng! Diese Art von Auführungen gehört dazu vielen die Möglichkeit zu geben, die Oper zu endecken und Freude daran zu bekommen. Wir haben im Gegensatz zu dieser Produktion in Sion alle 2 Jahre eine Oper die in einer restaurierte Scheune mit Klavierbegleitung gespielt wird. Der Erfolg ist unglaublich, das Oper-Intreresse dehnt sich aus.und viele haben dann auch Lust mal ins Operhaus zu gehen. Verdi hätte Freude daran gehabt, da bin ich sicher
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    1. Antwort von Albert Bolliger, 8802 Kilchberg
      Sehr geehrte Frau Posse-Jucker Zwischen einer von Begeisterung getragenen Laienaufführung und diesem Spektakel gibt es doch einen grossen Unterschied, oder nicht? Und woher sind Sie so sicher, dass Verdi an einer solchen Show Freude gehabt hätte?Io sono uomo di teatro" soll er gesagt haben". Sollte man doch respektieren! Und man Verdi könnte ihn ja selbst im Hallenstadion anders aufführen.Wenn der Zweck andersowo nicht die Mittel heiligt, dann erst recht nicht in der Kunst.
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    2. Antwort von Claire Posse-Jucker, 1950 Sion
      Natürlich haben Sie recht Herr Bollger. Ich durfte als Kind immer in die Oper in Zürich, war aber eine Ausnahme und alle meine Schulkameraden hatten nicht das gleiche Privilegium. Ausser mit Erwachsesen war ich allein mit meiner Begeisterung. Aber dank solchen Aufführungen ändert sich das. Natürlich, dass ich ganz sicher bin, dass Verdi (ein Teil meines Lebens) es interessant finden würde, kann zur Diskution gestellt werden. Aber auf jedenfall : Danke für Ihre Antwort
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  • Kommentar von H.R.Balsiger, Schafisheim
    Als Klassikliebhaber und Chorsänger, sehe ich diesen Spektakel etwas anders. Ich war zu Beginn zwar auch etwas skeptisch und das Aneinanderreihen von Solisten und Verdi-Arien fand ich nicht so super.. Wichtig finde ich aber die Wirkung auf Nicht-Operngänger. Es hatte junge Zuhörer, von denen viele noch nie in diesen hochsubventionierten Operhäuser mit Stars waren. Wenn man von dieser Warte aus argumentiert und evtl. gar nicht am Konzert war, so habe ich eher Mühe mit den beiden Kommentaren...
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