«Who Is Who» bei Wagner – Lohengrin

Schön, rein, ungestüm, tugendlich, gottgesandt: Die positiven Beschreibungen des Protagonisten überbieten sich förmlich im Libretto der Wagner-Oper «Lohengrin». Kein Wunder war König Ludwig II. von Bayern besonders von dieser Titelfigur äusserst beeindruckt. Er sah in Lohengrin den idealen Helden.

Lohengrin.

Bildlegende: Lohengrin in Silberrüstung vor Brabant: «Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!» SRF/Sylvan Steenbrink

Und vor allem diese Begeisterung trug massgeblich dazu bei, dass König Ludwig den Komponisten Richard Wagner später nach München berief und sein lebenslanger Mäzen wurde. Uraufgeführt wurde «Lohengrin» 1850 in Weimar, die Geschichte geht zurück auf die Dichtung «Parzival» von Wolfram von Eschenbach, formal ist das Werk Wagners erste wirkliche Oper ohne eine klar trennbare Abfolge von Einzelnummern. Die Leitmotive verbinden alles zu einer Einheit.

Ein geheimnisvoller Ritter eilt zur Rettung

Schon die bekannte Einleitungsmusik mit dem Gralsmotiv verströmt eine lichtdurchflutete Wärme. Ganz zum Schluss der Oper erfahren die Zuhörenden, dass es eine himmlische, spirituelle Wärme ist: Lohengrin ist ein Gralsritter, eine Lichtgestalt. Er hat den Hilferuf Elsas vernommen, verlässt die Gralsburg um sie zu beschützen – und entwickelt prompt weltliche Gefühle für sie.

Auch Elsa verliebt sich in ihn, sie träumt sogar schon vor seiner Ankunft. Das Lohengrin-Motiv erscheint zum ersten Mal in «Elsas Traum». Dieses Motiv charakterisiert den Protagonisten mit Staccati und der neckischen Schlussfloskel also jugendlich frisch und stolz, Wagner verwendet die Bezeichnung «animato». Die absteigenden Synkopen zeigen die schwärmerische und feurige Ader des jungen Mannes.

Der nicht mehr ganz so geheimnisvolle Ritter muss wieder gehen

Lohengrin.

Bildlegende: Lohengrin mit Schwan. SRF/Sylvan Steenbrink

Der feurige junge Ritter kam nun (mit Boot und Schwan) nach Brabant, um die unschuldige Elsa vor den üblen Anschuldigungen der Ortrud zu retten – erzählt diese doch, Elsa habe ihren Bruder Gottfried getötet (dabei hat Ortrud ihn in einen Schwan verwandelt). Lohengrin, der als Gralsritter die Unschuldigen beschützt, darf  jedoch nichts von dem geheimen Bund rund um den heiligen Gral erzählen.

Deshalb erteilt Lohengrin seiner geliebten Elsa auch ein Frageverbot: «Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam’ und Art».

Aber – man ahnt – es kommt, wie es kommen muss: Elsas blindes Vertrauen wird von der heidnischen Ortrud erschüttert. Elsa kann sich die nur menschliche Frage irgendwann nicht mehr verkneifen. Das bedeutet aber, dass Lohengrin dem Ruf des Grals folgen und in die Gralsburg zurückkehren muss – die Oper hat also alles andere als ein «Happy End»: Der Kahn, in dem Lohengrin «unendlich traurig» (Regieanweisung) scheidet, entfernt sich. Ortrud sinkt mit einem Schrei tot zu Boden, Elsa stirbt an psychischer Erschöpfung, das Volk (Chor) gibt sein Entsetzen («Weh! Ach!») kund.

Ursprünge der Geschichte

Grundlage von «Lohengrin» ist das Versepos «Parzifal» von Wolfram von Eschenbach, einzelne Züge des Werks entnahm Wagner auch anderen Quellen. So ist der Konflikt zwischen Elsa und Ortrud vor dem Münster dem Streit der beiden Königinnen im Nibelungenlied nachgebildet und das Frageverbot der griechischen Mythologie entliehen (Zeus und Semele).

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