«Who Is Who» bei Wagner – Wotan

Im Opernzyklus der «Ring des Nibelungen» treten über 30 Figuren auf – aber einer ist aber klar der Chef im Ring, der Göttervater Wotan. Obwohl er der Mächtigste unter den Göttern ist, will er mehr: mehr Macht, mehr Geld. Trotzdem ist der gierige Göttervater sympathisch – weil er so menschlich ist.

Zeichnung von Wotan, der vor einem Schloss posiert.

Bildlegende: Göttervater Wotan baut sich zu Beginn des «Rings» seine Götterburg Walhall. SRF/Sylvan Steenbrink

Wagner, der in allen seinen Heldenfiguren immer auch sich selbst sah, fand sich vor allem in dem Schöpfergott Wotan wieder. Und Wotan ist sogar ein ganz gelungenes Selbstportrait: Wagner ist ebenfalls der Schöpfer seines eigenen Universums, so wie er sein Festspielhaus in Bayreuth errichtet, baut sich Wotan zu Beginn des «Rings» seine Götterburg Walhall.

Allerdings hat Wagner hier einen entscheidenden Vorteil: Während er sich den Bau von seinem Mäzen, dem Bayernkönig Ludwig finanzieren lässt, hat Wotan keinen Gönner. Und der Preis für seine Götterburg ist hoch – zu hoch. Wotan hat den Bauarbeitern, den Riesen Fafner und Fasold, die Göttin Freia als Lohn versprochen. Eine dumme Idee, wie der Chefgott feststellen muss, denn ohne Freia ist der Götter-Clan nicht mehr unsterblich: Sie ist die Hüterin der goldenen Äpfel, die den Göttern die ewige Jugend verleihen.

Drei gewaltige Musikdramen

Was macht also Wotan? Er klaut Rheingold, Tarnkappe und Ring von seinem Gegenspieler Alberich und bietet das den Riesen stattdessen als Lohn an. Dieser Deal ist alles andere als fair und hat schwerwiegende Folgen, nämlich drei gewaltige Musikdramen: Die Walküre, Siegfried und die Götterdämmerung, zusammen mit dem Vorabend, dem «Rheingold», sind das rund 15 Stunden Oper, in denen der Zuschauer dabei zuguckt, wie Wotan in fast schon göttlicher Verblendung gegen das Verhängnis kämpft.

Denn Wotan hat, wie wir Menschen auch, ein ganz grosses Problem: Er will Geld, er will Macht und auf die Liebe will er auch nicht verzichten. Das kann nicht gut gehen und so verwirrt sich der Göttervater im Geflecht seiner Schuld und Schulden – und sieht das irgendwann ein: «In eigner Fessel fing ich mich, ich Unfreiester aller!» singt er in der «Walküre» – dann ist es natürlich schon viel zu spät.

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