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Weltklasse – Sommerkonzerte Best of Crossover: Alte Musik, neu vertont

Lange stand der Begriff Crossover für den platten Versuch von Musikern, neben dem eigenen noch rasch ein anderes Feld abzugrasen. Doch Crossover kann mehr sein – auf dem Gebiet der Alten Musik gibt es gelungene Versuche, ein «fremdes» Repertoire in der eigenen musikalischen Sprache zu gestalten.

Eine  fausthohe Mozartfigur auf einer Mauer platziert.
Legende: Alt mit Neu kombiniert: Crossover-Stücke als echte Hinhörer. Matthias Willi

  • Engelsstimmen mit Elektronik verfeinert

    Das Alte-Musik-Ensemble Boston Camerata (im Bild: Anne Azema und Joel Cohen) unternahm 1997 einen Rundflug durch die Welt der Engel, mit Musik vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert, vom gregorianischen Choral bis zu den Shaker Hymns. Der US-amerikanische Komponist Tod Machover – diesen Sommer zu Gast am Lucerne Festival – bettete die Reise in eine elektronische «Flugspur» ein, manchmal diskret, manchmal volltönig. (Boston Camerata mit Tod Machover: «Angels – Voices from Eternity», Erato 0630-14773-2.)

  • Das Ensemble steht in einem Garten, alle rot-schwarz gekleidet.
    Legende: «Dolce Canti» lassen mit historischen Instrumenten längst verklungene Melodien aus dem Mittelalter aufleben. Dolci Canti

    Süsse Gesänge aus dem spätmittelalterlichen Italien

    Ein lila Marzipanherz, ein kleiner Amor – es geht um italienische Liebeslieder aus dem Spätmittelalter und der Renaissance: Laude, Madrigale, Frottole. Das Ensemble Cordatum macht mit dem Gastensemble Rayuela keinen Versuch, diese historisch «korrekt» aufzuführen – trotz alten Instrumenten. Im Gegenteil: Es stellt die alten Canzone unverblümt in die Nachbarschaft der heutigen Canzoni – mit einer grosszügigen Portion Marzipan im Klang. (Dolci Canti – Vol. I und II, Cordatum & Rayuela, 100 Sounds TS 001 und TS 003)

  • Zugvögel zwischen dem Meer und der Musik

    Zwar ist Arianna Savall die Tochter von Jordi Savall, einem Spezialisten für Alte Musik. Doch bei ihren Projekten geht sie eigene Wege. Mit ihrem Lebensgefährten Petter Udland Johansen interpretiert sie als Ensemble Hirundo maris interpretiert sie Alte Musik aus dem mediterranen und skandinavischen Raum, eingebettet in eine Klangmischung aus Alt und Neu zwischen gotischer Harfe und modernem Dobro. (Arianna Savall, Petter Udland Johansen: «Hirundo maris – Chants du Sud et du Nord», ECM New Series 2227.)

  • Eros und Thanatos – Liebe und Tod

    So kontrastierend wie der Titel, so gegensätzlich sind die Musiken: Liebeslieder der spanischen Renaissance einerseits, Improvisationen auf der indischen Sarod andererseits. Dazwischen über Zeiten und Räume hinweg mittelalterliche Gesänge mit Sarod-Begleitung. Chant 1450 (Gesang), Ken Zuckerman (Sarod): «Eros&Thanatos», Christophorus 77 397.

  • Monteverdi mit Saxofon

    Bei Gelegenheit kann Claudio Monteverdis Musik ganz schön swingen – ein guter Grund für das Ensemble La Venexiana, zu einem Rezital ein Jazz-Quartett einzuladen. Es schmückt die Strukturen der Alten Musik soigniert mit klassischen Jazzelementen aus. (La Venexiana und Gastmusiker: «Round M – Monteverdi meets Jazz», Glossa GCD P 30 917.)

  • Purcell, Trovesi, Muthspiel

    Henry Purcells Musik hat keine modernen Zutaten nötig, sie kann problemlos für sich selbst stehen. Doch wenn hochmusikalische Jazzer wie Klarinettist Gianluigi Trovesi (Bild) und Gitarrist Wolfgang Muthspiel ihre Improvisationen in Purcells Musik einbringen, entsteht Neues, das beglückt. (L’Arpeggiata mit Gianluigi Trovesi und Wolfgang Muthspiel: «Music for a While – Improvisations on Purcell», Warner Classics 463375 0.)

  • Das Trio Bach um Jacques Loussier (Mitte, sitzend).
    Legende: Jacques Loussier (Mitte) spielt mit seinem Trio verjazzten Bach. Yves Veron

    Barockmusik verjazzt

    Einst machten sie Furore, provozierten Ärger und Entrüstung: die Bach-Interpretationen des französischen Jazzers Jacques Loussier. Heute kann man unbefangener hinhören: Bei Loussiers Jazztrio-Version der «Goldberg-Variationen» blüht Bachs Musik elegant in neuem Licht auf. (Jacques Loussier Trio: «Goldberg-Variationen» von J.S. Bach, Telarc 230 9394.)

  • Schubertlieder

    Franui nannte sich ein Tiroler Ensemble, nach der Alp, in deren Nähe die meisten seiner Mitglieder aufgewachsen waren. Als alpenländische Musik interpretiert Franui rein instrumental Lieder von Franz Schubert – eine Verfremdung, könnte man meinen. Nein, Franui bringt die Musik dorthin zurück, wo sie einst herkam. (Franui, Col legno 20301)

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