João Bosco: Von der Copacabana ins Engadin

Am Festival da Jazz in St. Moritz brillierte einer der Stars der Musica Popular Brasileira: João Bosco bot im Dracula Club mit seinem Quintett einen mitreissenden Auftritt.

Portrait

Bildlegende: Der lockere Groove seines Gitarrenspiels kam in St. Moritz bestens zur Geltung: João Bosco. Festival da Jazz St. Moritz

Normalerweise bewegen sich die Helden der MPB, der Musica Popular Brasileira, auf Meereshöhe. Zum Beispiel an der Copacabana, dem berühmten Strand von Rio de Janeiro. Dort ist ihre Musik entstanden. Dort fühlen Musiker wie Publikum diese ganz spezielle Leichtigkeit des Seins. Im Engadin, auf 1800 Metern über dem Meeresspiegel, spielt der Wohlfühlfaktor ebenfalls eine ganz grosse Rolle. Auch wenn zum Beispiel die Beine nach einer Bergwanderung nicht mehr unbedingt von grosser Leichtigkeit künden. Die Schönheit der imposanten Kulisse ist auf jeden Fall nicht minder beeindruckend.

Schlagzeuger sitzt am Schlagzeug

Bildlegende: Herausragend: Der Schlagzeuger Kiko Freitas. Festival da Jazz St. Moritz

Dass hier so einiges anders ist als zu Hause, dürfte der Singer-Songwriter João Bosco bei seinem Auftritt im Dracula Club nicht nur an der deutlich dünneren Luft gespürt haben. Bosco ist sich dank seines Starstatus‘ seit den 70er Jahren die ganz grosse Bühne gewohnt. In Brasilien tritt er üblicherweise in Stadien und Arenen vor Tausenden von Menschen auf. Und diese vielen Leute zeigen ihre Begeisterung nicht nur beim tosenden Applaus, sondern auch, indem sie die nicht ganz einfachen Lieder von Bosco mal so eben locker im grossen Chor mitsingen. Im Dracula Club gab es für ihn weder viel Beinfreiheit, noch das spezielle Chor-Ambiente. Die 150 Leute am Festival da Jazz St. Moritz lauschten seiner Musik andächtig in einem kammermusikalischen Setting.

Raffinierte Phrasierung, lockerer Groove

Und hier zeigten sich denn auch die Performer-Qualitäten von João Bosco nochmals in einer neuen Deutlichkeit. Die Raffinesse seiner Phrasierung und nicht zuletzt der lockere Groove seines Gitarrenspiels kamen in dieser Umgebung wirklich bestens zur Geltung. Auch wenn die Intonation seiner Stimme nicht immer ganz lupenrein war, interpretierte er doch einen schönen Teil seiner Klassiker wie «Linha da Passe» oder «Bala com bala» mit grosser Lust an der Detailgestaltung.

Und nicht zu vergessen seine Band: Der Gitarrist Ricardo Silveira, der Bassist João Baptista, der Perkussionist Armando Marçal und vor allem der herausragende Schlagzeuger Kiko Freitas hoben den Meister quasi auf den fliegenden Teppich mit einem absolut unwiderstehlichen Drive. Da begannen dann auch diejenigen mit den Füssen mitzuwippen, denen die Beine noch eben schwer vom Wandern waren.

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