Sarah Büchi stürzt sich in jedes musikalische Abenteuer

Abseits von 4/4-Takt und westlichen Hörgewohnheiten erschliesst sich eine faszinierende und immense musikalische Welt. Die Sängerin Sarah Büchi hat sich aufgemacht, diese Welt zu entdecken – und reiste dafür nach Indien und Ghana. Ihre Karriere ist noch jung, ihr Wissensdurst unbändig.

Eine junge Karriere, aber bereits ein immenses Wissen: Sängerin Sarah Büchi.

Bildlegende: Eine junge Karriere, aber bereits ein immenses Wissen: Sängerin Sarah Büchi. Laura Pannack

Sarah Büchis musikalische Entwicklung verlief sehr organisch: Sie wird in eine musikalische Familie hineingeboren, ihre Mutter ist Organistin und Chorleiterin, der Vater Komponist und Klavierlehrer. Schon als Fünfjährige beginnt Sarah Büchi mit dem Geigenunterricht. Später kommen Klavier und Gitarre dazu, und schliesslich beginnt sie als Teenagerin in einer Rockband zu singen. Zudem schreibt sie schon während dieser Zeit ein eigenes Musical. Die Anerkennung dafür ist so gross, dass für Sarah Büchi klar ist: Musik soll nicht nur ein Hobby bleiben, sondern ihr Beruf werden.

Hier, hör’ da mal rein!

Während ihres Studiums an der Musikhochschule Luzern, wo sie Jazzgesang bei Lauren Newton und Susanne Abbuehl studiert, bekommt sie vom renommierten Gitarristen Christy Doran eine indische CD in die Hand gedrückt. Diese kleine Geste sollte eine Weiche in Sarah Büchis musikalischem Leben stellen.

Sie ist von dieser Musik so fasziniert und inspiriert, dass sie nach ihrem Studium die Koffer packt und für 18 Monate nach Bangalore, in Südindien reist. Dort lernt sie am Karnataka College of Percussion die rhythmischen Bausteine der südindischen Musik und die Feinheiten des indischen Gesangs. Mit unserer westlichen Hörgewohnheit kommt man dabei nicht weit.

Aus einer Schwäche wird eine Stärke

Sarah Büchi ist unter anderem nach Indien gereist, weil sie früher Mühe mit anspruchsvollen Rhythmen hatte. Das hat sich massiv geändert. Die indische Rhythmusschule hat ihr eine weitere musikalische Weiche gestellt. Polyrhythmik und Polymetrik sind zu Sarah Büchis Stärken geworden. Also alles, was ausserhalb von 3/4- und 4/4-Takten rhythmisch sonst noch möglich ist – und das ist eine unendliche Welt.

Doch ihr Durst nach mehr Wissen ist unbändig, deshalb reist sie zum Rhythmus-Guru Steve Coleman nach New York, einem amerikanischen Jazzsaxofonisten. Mit ihm studiert sie einen Monat und lernt, dass diese faszinierende Welt der überlagernden Rhythmen ihren Ursprung in Ghana hat. Was also macht Sarah Büchi als nächstes? Sie reist für längere Zeit nach Ghana.

Der Rucksack füllt sich

Sarah Büchi hat sich bereits in ihrer jungen Karriere ein immenses musikalisches Wissen angeeignet. Nebenbei fand sie auch noch Zeit, zwei CDs unter eigenem Namen herauszugeben: «Vidya Mani» (2010) und «Flying Letters» (2013). Als Leadsängerin ist sie aber noch lange nicht ausgelastet, sondern stürzt sich als Sidewoman in etliche, oft sehr unkonventionelle Projekte.

Sie liebt die Herausforderung und die Einsicht in andere musikalische Welten. Und weil sie Musik auf so einem hohen Level verinnerlicht und ihr Gehör geschult hat, kann sie dort auch immer wieder über sich hinauswachsen. Schön, dass sich Kreise im Leben manchmal wieder schliessen: Denn eines ihrer Projekte ist «New Bag», die Band von Christy Doran. Jener Musiker, der sie ja gewissermassen auf ihre musikalische Reise geschickt hat.

Sendehinweis

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Radio SRF 2 Kultur sendet das Konzert vom Jazzfestival Schaffhausen von vergangenem Mai.

Christy Doran's New Bag feat. Sarah Büchi: Freitag, 5. September, 22:35 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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