Wie György Ligeti durch Kubrick zu Ruhm kam – aber nicht zu Geld

Seine Musik ist atonal, sphärisch und keineswegs leicht zugänglich. Trotzdem kennt fast jeder die Kompositionen von György Ligeti, denn sie sind Teil des Kult-Soundtracks von «2001: Odyssee im Weltraum». Nur: Regisseur Stanley Kubrick hatte Ligetis Musik geklaut.

Ein Mann in Raumanzug schreitet durch einen futuristischen Gang.

Bildlegende: Der Science Fiction-Klassiker «2001: A Space Odyssey» ist Kult – auch wegen seines Soundtracks. MGM / Warner Bros.

Die Filmmusik von «2001: Odyssee im Weltraum» ist fast so berühmt wie der Film selbst. Der Soundtrack, kompiliert aus Orchesterwerken von Richard Strauss, Walzerkönig Johann Strauss, Aram Khatschaturjan und György Ligeti, schrieb Filmmusikgeschichte.

Ligeti, mit dessen Stück «Atmosphères» der Film beginnt, mutierte dadurch quasi über Nacht vom unbekannten Avantgarde-Komponisten aus Rumänien zu einem gefeierten Musiker.

«Ich habe Kubrick nie getroffen»

Dass Kubrick den damals jungen und noch nicht arrivierten Komponisten Ligeti übergangen und ihn weder in Produktion noch in die Honorierung miteinbezogen hatte, ist eine wenig bekannte Facette dieses Filmkunstwerkes.

So hatte Kubrick Ligeti nie gefragt, ob er dessen Musik nutzen dürfe – geschweige denn überhaupt kontaktiert, erzählte der Komponist in einem Interview mit dem Journalisten Sven Ahnert im Jahr 2001: «Ich habe im Frühjahr 1968 einen Brief von einem New Yorker Bekannten bekommen. Darin stand, es gäbe einen unglaublichen Science Fiction-Film von Kubrick mit meiner Musik. Ich habe Kubrick nie persönlich getroffen, obwohl er meine Musik öfters verwendet hat (in ‹The Shinning› und ‹Eyes Wide Shut›; die Red.). Dafür bin ich dankbar, weil ich ihn für ein Genie halte.»

«Meine Musik passt ideal»

Ligeti war also durchaus begeistert, wie Kubrick seine Musik einsetzte. Sie sei «hervorragend» platziert gewesen: «Meine Musik passt ideal zu diesen Weltraum- und Geschwindigkeitsfantasien.»

Weniger begeistert zeigte sich Ligeti aber von Kubricks Umgang mit ihm. «Ich verehre Kubricks Kunst, nicht aber seinen Egoismus und die Missachtung von Menschen», so Ligeti merklich verbittert.

Denn Kubrick und das Studio MGM weigerten sich, Ligeti für seine Musik zu bezahlen. «Ich habe mit meinen Verlagen gegen MGM prozessiert. ‹Die antworteten: Ligeti soll froh sein, dass er durch diesen Film in den USA bekannt geworden ist›».

«Wollen Sie lieber jetzt 1000 Dollar?»

Das Ende der Geschichte war ernüchternd – zumindest für Ligeti. Obwohl eine klare Urheberrechtsverletzung vorlag, weigerte sich MGM den Musiker zu entlöhnen. Ligeti: «MGM hat geschrieben: ‹Sie werden ihren Prozess in Frankfurt, Wien und London gewinnen. In Los Angeles aber können wir ihn 20 Jahre dauern lassen. Wollen Sie lieber jetzt 1000 Dollar?›.» Schliesslich bekam Ligeti 3000 Dollar für seine Musik.

Und Ligeti war nicht der einzige Komponist gewesen, der bei dieser Geschichte unter Kubrick litt. Ursprünglich war der Komponist Alex North beauftragt worden, die Filmmusik von «2001» zu komponieren.

Kubrick verwarf jedoch die fertige Partitur von North und stellte die Musik selbst zusammen. North erfuhr von dieser für ihn schmerzhaften Entscheidung erst in aller letzter Minute, im Rahmen einer internen Studiovorführung, die kurz vor der Weltpremiere stattfand.

György Ligeti

Ligeti klatscht in die Hände.

Keystone

Geb. am 28. Mai 1923 in Rumänien, später ausgewandert nach Österreich und Deutschland. Ligeti gilt als einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts und als Erneuerer der Neuen Musik. In der internationalen Musikwelt bekannt wurde er mit seinen Orchesterwerken Apparitions (1958-59) und Atmosphères (1961). Ligeti verstarb 2006 in Wien.