Die ausgezeichnete Webdoku über «Bär 71»

Jedes Jahr wird von der Stiftung World Press Photo das Bild des Jahres geehrt. Doch mittlerweile geht es hier nicht mehr nur um Fotos: Diese Jahr wurden zum dritten Mal auch Preise für multimediale Projekte verliehen.

Die Oberfläche der Webdoku «Bear 71».

Bildlegende: Interaktiv, aber auch verwirrend: die Oberfläche der Webdoku «Bear 71». NFB

Der erste Platz des «Multimedia Contest 2013» ging an die Arte-Webdoku «Alma – ein Kind der Gewalt», die brutale und verstörende Geschichte einer Südamerikanerin, die «5 Jahre lang zu einer der gewalttätigsten Gangs in Guatemala gehörte».

Weniger schockierend, aber genauso packend ist «Bear 71», die Webdoku des «National Film Board of Canada», die den zweiten Platz gewann. Die Dokumentation zeichnet in 20 Minuten das Leben einer Grizzlybärendame nach, die 2001 im kanadischen «Banff National Park» mit einem Peilsender ausgestattet wurde. So stand sie unter der ständigen Beobachtung der Wildhüter – auch dank vieler im Nationalpark aufgestellter Kameras, deren Material für die Doku verwendet wurde.

Aus der Bären-Perspektive erzählt

Der Kniff der Doku: Es ist die Bärendame selbst, die ihr Leben «erzählt». Und auch wenn die Idee, ein Tier aus der Ich-Perspektive sprechen zu lassen, nicht neu ist, ist dieser Kunstgriff gut gelungen: Die Doku fesselt.

« That snare had a breaking strength of two tons. The dart was full of something called Telazol, brought to you by Pfizer, the same people who make Zoloft and Viagra. Next thing I know, I’m wearing a VHF collar and have my own radio frequency. They also gave me a number. I’m Bear 71. »

Wir folgen also der Bärendame, sehen immer wieder in kurzen Sequenzen, wie sie lebt, jagt und ihre Jungen grosszieht – das alles unterlegt mit einem auffällig stimmungsvollen Soundtrack. Das vorrangige Thema ist allerdings nicht das Bärenleben an sich, sondern das schwierige Verhältnis zwischen der zivilisierten Welt und der Wildnis, also die problematische Nähe der Bären zum Menschen – oder besser gesagt: die problematische Nähe der Menschen zum Bären.

Abstrakte Benutzeroberfläche

Einen kleinen Minuspunkt gibt es allerdings: die Benutzeroberfläche. Als Navigationsfläche dient eine Karte des Nationalparks. Diese ist zwar aufwendig und ansprechend designt, allerdings stark abstrahiert. Bäume, Felsen und Flüsse sind kleine grüne, braune und blaue Punkte oder Quadrate. Es gibt keine klare Navigation, keine richtige Führung: Da ist ein Pfeil, dort das «Deer 7324», hier kann man ein Foto anklicken, dort ein Video. Das ist zwar interaktiv, aber eher überfordernd und verwirrend – und kann auch dazu führen, einfach lieber nichts zu machen. Was zum Glück auch funktioniert, da ausgewählte Videos dank der Timeline automatisch gezeigt werden. Es ist hier wie so oft: Die Webseiten mit dem schönsten Design sind leider nicht die funktionellsten.