Ein virtuelles Auschwitz soll NS-Verbrecher überführen

Unser Netzthema des Tages: Das bayrische Landeskriminalamt arbeitetet seit Jahren an einer detaillierten virtuellen Rekonstruktion des Konzentrationslagers Auschwitz. Damit sollen bei Prozessen Kriegsverbrecher überführt werden.

Tablet, auf dem eine Computergrafik von Auschwitz zu sehen ist.

Bildlegende: Detailgetreue Nachbildung: Für das 3D-Modell des Konzentrationslagers Auschwitz wurden umfassend Daten gesammelt. SRF

Worum geht's?

Das bayrische Landeskriminalamt hat mit grossem Aufwand ein detailgetreues, virtuelles Modell von Auschwitz entwickelt. Für das Modell wurden über 1000 Fotos sowie historische Pläne verwendet, ausserdem wurden die Gebäude mit Laserscannern neu vermessen.

Das Modell lässt sich mit einer Virtual-Reality-Brille anschauen. Die Simulation ist aber nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern soll bei den Ermittlungen gegen Kriegsverbrecher helfen.

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Ausschnitt aus dem 3D-Modell (ohne Ton)

0:26 min, vom 3.10.2016

Warum ist's interessant?

Eine wichtige Frage bei Prozessen gegen NS-Kriegsverbrecher ist oft, was der Angeklagte genau wusste über die Verbrechen, die im Lager begangen wurden. Mit der Simulation können Aussagen von Verdächtigen überprüft werden.

Das Modell zeigt ganz genau, was eine Person von einem bestimmten Ort aus sehen konnte. Selbst ob ein Schatten oder die Blätter eines Baumes die Sicht verdeckten, lässt sich der Jahres- und Tageszeit entsprechend überprüfen.

Frühere Versionen dieses Modells kamen bereits bei zwei Fällen zum Einsatz, in einem der Fälle kam es zu einem Prozess und zur Verurteilung. Im anderen Fall kam es nicht zum Prozess, weil der Verdächtige vorher verstarb.

Das hohe Alter der Verdächtigen ist der Hauptgrund, warum das Modell nicht mehr oft zum Einsatz kommen wird. Es gibt in Deutschland aber noch mehrere lebende Verdächtige. Der Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen spricht von einer «zweistelligen Zahl» Verdächtiger, die noch vor Gericht kommen könnten.

Screenshot

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