Eine Webserie zeigt, wie Computer unser Leben berechnen

Facebook, Twitter, Parship, Amazon werden durch Algorithmen gesteuert. Aber auch im Alltag verstecken sich computerisierte Abläufe: Computer beraten Ärzte, sprechende Computer zahlen Rechnungen, Smartphones zählen Kalorien. Eine Webvideo-Serie hilft Verbrauchern die Hintergründe zu verstehen.

Zwei Menschen schauen auf ein Smartphone.

Bildlegende: Wie verändern Maschinen und Programme unser Leben? Und wie funktionieren die Algorithmen dahinter? LIBB

Der Begriff Algorithmus wird in vielen Zusammenhängen benutzt. Meist ist er negativ besetzt: Die Filterblase der Google-Suchmaschine zeigt uns nur einen Ausschnitt der möglichen Treffer. Amazon weiss dank «Data Mining», welche Literatur uns interessiert. Facebook kennt unser privates Umfeld und Parship weiss sogar, welcher Partner zu uns passt.

Heinzelmännchen von heute

Die Macher der Webvideo-Serie «Looking into Black Boxes» widmen sich Algorithmen und Software im Alltag: «Wir wollten an alltägliche Orte gehen, die besuchbar sind, die man beobachten kann. Wo man sehen kann, wie wir Software einsetzen», so Regisseur Dirk Herzog.

Die erste Folge der Serie dokumentiert die Einbindung computerisierter Hilfen in der Notfallstation eines Krankenhauses: Ein Mensch kommt ins Krankenhaus mit grossen Schmerzen, im Rollstuhl, hat aber keine offene Wunde. Mithilfe der Triage, der Ersteinschätzung, bestimmt das Empfangspersonal der Notfallstation, wie lange jemand warten kann und welcher Patient als Erstes behandelt wird.

Versteckte Software im Alltag

Dieses Vorgehen ist Routine und die Triage ein Algorithmus aus der vorcomputerisierten Zeit. Laut Dirk Herzog macht dieser besonders gut deutlich, dass ein Algorithmus nicht per se an einen Computer gekoppelt ist, sondern einen Handlungsablauf darstellt.

Inzwischen übernehmen diese Berechnungen Computer. Darüber hinaus unterstützen Computer Ärzte auch bei der Vergabe von Medikamenten, warnen vor Nebenwirkungen und machen auf Besonderheiten im Blutbild aufmerksam. Die Webserie «Looking into Black Boxes» lenkt den Blick auf die versteckte Technik im Alltag und versucht diese zu erklären.

Die Community mischt mit …

Die zweite Folge beschäftigt sich mit einem Callcenter. Im Film wird eines vorgestellt, in dem die meisten Anrufe nicht mehr von Menschen angenommen werden, sondern von sprechenden Computern. Wie funktionieren diese Automaten? Und welchen Einfluss haben sie auf die Entwicklung unserer Sprache? Diese Fragen versucht der Film zu beantworten.

Die Köpfe hinter «Looking into Black Boxes» sind Regisseur Dirk Herzog, Reporterin Fiona Krakenbürger und Kameramann Jan Rödger. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Crowdfunding-Plattform Krautreporter – und mit viel Idealismus. Der Austausch mit der Netzgemeinde war von Anfang an wichtig, so kommt die Idee für die erste Folge von einem der Unterstützer.

Schwarz-weiss Bild mit Reporterin, Interviewpartner und Kamera im Bild.

Bildlegende: Ein Experte gibt in Folge 2 Auskunft: Dieser Wunsch nach mehr Einordnung kam aus der YouTube-Community. LIBB

… und wünscht sich mehr Hintergrund

Überraschend für die Macher ist, dass einige User gerade die Niederschwelligkeit kritisieren. Sie wünschen sich noch mehr Hintergrundinformationen und Zahlen. Dirk Herzog und seine Mitstreiter sind froh um Rückmeldungen aus der Netzcommunity. Sie nehmen den Input ernst und setzen ihn wenn möglich um.

Aufbau und Gestaltung der Filme vertragen gut etwas mehr Struktur und für ein journalistisches Format fehlt eine stärkere Hinterfragung der Themen. Es kommen nur zaghaft andere Stimmen zu Wort, die einen kritischen Blick auf das vorgeführte Beispiel werfen. Trotzdem: Es gelingt «Looking into Black Boxes» komplexe Themen einfach und visuell attraktiv aufzubereiten. Die Webfilme erinnern uns daran, wie weit die Computerisierung bereits in unseren Alltag eingedrungen ist.

Webvideo-Hinweis

Folge 1: «Algorithmen, Triage und Mobile Visite»
Folge 2: «Sprachdialogsysteme und Callcenter»

Die dritte Folge beschäftigt sich mit dem Gebrauch von Software auf dem Bauernhof. Zu sehen voraussichtlich Ende Oktober 2014. Ausserdem ist eine Staffel mit zwölf Folgen für Anfang 2015 geplant.