Zum Inhalt springen

Frauen berichten über Frauen «Wir wollen Frauen aus aller Welt sichtbar machen»

Die Macherinnen des Online-Magazins «Deine Korrespondentin» wollen nach eigener Aussage «die besten Geschichten von Frauen aus aller Welt» erzählen. Denn dafür sei in klassischen Medien oft zu wenig Platz.

Legende: Audio «Deine Korrespondentin» – Frauen berichten über Frauen abspielen.
3:55 min, aus Kultur-Aktualität vom 08.03.2018.

Die Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein: Mal geht es um die Entwicklerin einer Anti-Belästigungs-App für Kairo, mal um eine Modedesignerin mitten im kongolesischen Bürgerkrieg oder um Taekwondo-Kämpferinnen in Afghanistan.

Eine Journalistin hört einer Frau zu, im Hintergrund ein Demonstrationszug.
Legende: Zehn Autorinnen berichten über Frauen aus aller Welt – wie Sophia Boddenberg (l.) in Lateinamerika. Deine Korrespondentin , Link öffnet in einem neuen Fenster

Nur eines ist den Artikeln des Online-Magazins «Deine Korrespondentin» , Link öffnet in einem neuen Fenstergemeinsam: Sie handeln von Frauen – und werden von Frauen erzählt.

«Frauen sichtbar machen»

Für solche Geschichten sei in klassischen Medien oft zu wenig Platz, sagt die Berliner Chefredaktorin und Gründerin Pauline Tillmann: «Untersuchungen zeigen, dass in deutschen Medien fünfmal mehr über Männer als über Frauen berichtet wird. Das finden wir nicht zeitgemäss und möchten dem etwas entgegensetzen. Indem wir weltweit spannende, starke Frauen porträtieren und ihre Geschichten sichtbar machen.»

Pauline Tillmann

Pauline Tillmann

Chefredaktorin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Pauline Tillmann (34) hat «Deine Korrespondentin», Link öffnet in einem neuen Fenster gegründet. Zuvor hat sie von 2011 bis 2015 in St. Petersburg gelebt und als freie Korrespondentin über Russland und die Ukraine berichtet, vor allem für die ARD. Sie hat Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert.

Webseite von Pauline Tillmann, Link öffnet in einem neuen Fenster

Solche Frauen treffe sie als Korrespondentin ständig – nur finde sie selten Berichte über sie. Aus diesem Grund hat Tillmann vor zweieinhalb Jahren das Medien-Start-Up «Deine Korrespondentin» gegründet. Zehn freie Journalistinnen arbeiten heute dafür.

Skirennen in Afghanistan

An manchen Orten der Welt kommen nur Frauen überhaupt mit Frauen in Kontakt. Etwa in Afghanistan, von wo Veronika Eschbacher berichtet. Ihr Empfang sei schlecht, warnt sie mich. Denn für ihre Recherche ist sie ausserhalb der Hauptstadt Kabul, in der Provinz Bamiyan unterwegs: «Hier habe ich eine junge Frau kennengelernt. Sie ist 18 Jahre alt und die schnellste Skifahrerin Afghanistans.»

Veronika Eschbacher

Veronika Eschbacher

Korrespondentin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Veronika Eschbacher (36) pendelt als freie Korrespondentin für die USA und Afghanistan zwischen Los Angeles und Kabul. Davor war sie Redaktorin bei der «Wiener Zeitung». Sie beschäftigt sich vor allem mit politischen und sozialen Themen und Fragen der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.

Skifahrerinnen in Afghanistan? Ja, das gebe es, sagt die Journalistin. Sie hat die junge Frau und rund 70 weitere Sportlerinnen begleitet, die hier Skirennen fahren – entgegen dem Widerstand ihres Umfelds und entgegen dem Umstand, dass es an den dortigen Schneehängen weder präparierte Pisten noch Skilifte gibt. Daraus entsteht nun ein Porträt, das bald bei «Deine Korrespondentin» erscheint.

AUfnahme eines Gesprächs an einem Tisch in einem Kaffee.
Legende: Veronika Eschbacher im Gespräch mit Leonid Krawtschuk, dem ehemaligem Präsidenten der Ukraine . Deine Korrespondentin

Am unteren Ende des Interessens

Frauen mit ungewöhnlichen, inspirierenden, manchmal tragischen Lebensläufen begegnen Eschbacher in Afghanistan immer wieder: «Es gibt ein ganzes Spektrum an Frauengeschichten, nicht nur die klischeehafte Opfergeschichte.»

Berichte abseits tagesaktueller Ereignisse bringe sie in den Zeitungen, für die sie arbeite, aber kaum unter, sagt Veronika Eschbacher. «Anrufe, dass ich etwas schreiben soll, bekomme ich zu 90 Prozent nur, wenn es grosse Anschläge gab. Die Frauengeschichten sind dagegen eher auf der untersten Interessensstufe gelagert.»

Männer an der Schnittstelle

Dass es als freie Autorin oft schwer ist, solche Geschichten in die Medien – und damit an die Frau und den Mann – zu bringen, weiss auch die Chefredaktorin Pauline Tillmann aus eigener Erfahrung: «Als freie Korrespondentin in Russland und der Ukraine hatte ich wahnsinnig viel zu tun – das ist gar nicht die Frage. Aber wenn es um Porträts von Frauen ging, dann haben viele Redaktionen rasch abgewinkt.» Das sei zu speziell, hätte sie oft gehört.

Sieben Frauen sitzen und stehen vor einem Café.
Legende: Ein Teil der Korrespondentinnen – im Dezember bei einem Treffen in Hamburg. Willie Schumann

Einen Grund dafür sieht Tillmann darin, dass Frauen in Politik- und Ausland-Ressorts von etablierten Medien in der Unterzahl sind. Laut deutschen , Link öffnet in einem neuen Fensterund Schweizer Studien, Link öffnet in einem neuen Fenster arbeiten in diesem Bereich rund 70 Prozent Männer.

Und: Auch die entscheidenden Schnittstellen seien oft von Männern besetzt, sagt Tillmann. «95 Prozent aller Regionalzeitungen werden von Männern geführt und die Politik- und Auslandschefs sind fast immer Männer. Diese haben oft wenig Verständnis dafür, weshalb sie ein grosses Porträt über eine argentinische Umweltaktivistin bringen sollen, die seit 20 Jahren gegen einen Agrarriesen kämpft.»

Vernetzt statt alleine

Dabei gebe es für solche Beiträge durchaus Interesse: «Deine Korrespondentin» wird über ein Crowdfunding und Spenden finanziert. Freiwillige Beiträge von Leserinnen und Lesern – ein Drittel der Unterstützer sind Männer. Daneben ermöglicht die Zusammenarbeit mit Regionalzeitungen, dass alle Autorinnen fair bezahlt werden.

Sendehinweis

Das Schweizer Online-Magazin «Fempop» gibt Frauenthemen und Feminismus einen grellen Anstrich: «Reporter» porträtiert die drei jungen Macherinnen.

Denn das Online-Magazin soll auch den Korrespondentinnen dienen: Statt sich als Alleinkämpferin zu fühlen, sollen sie sich vernetzen und eine Plattform erhalten.

Über Skype, Facebook und jährliche Treffen tauschen sie sich untereinander aus. Den Leserinnen zeigen sie in einem Podcast, Link öffnet in einem neuen Fenster auf, wie sie arbeiten, welche Hürden sie bei einer Recherche nehmen, was sie berührt.

So macht «Deine Korrespondentin» nicht nur aussergewöhnliche Frauen aus aller Welt sichtbar – sondern auch diejenigen, die ihre Geschichten erzählen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 8.3.2018, 17.40 Uhr

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Dieser Feministinnen Hype ist doch nur eine "digitale Darstellung" von einigen Frauen, die dadurch noch etwas bekannter werden. Für die ganz normalen "Frauen" die täglich belästigt und vergewaltigt werden, gibt es doch gar keine Möglichkeit des Entrinnens. Wenn man am Schluss diesen Hype auch noch mit der Frauenquote verbindet, dann PROST. Nicht zu denken, wie es in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen gehen wird, wenn die Hälfte Feministinnen und der Rest Schwule sind. Die Welt ist verrückt!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Lili Abis (...)
      Was ist mit den Lesben und den Dunkelhäutigen? Vor denen haben Sie keine Angst? Oder sind gar nur Feministinnen und Schwule bedrohlich, weil sie endlich die Plattform erreichen, die ihnen schon lange zustehen sollte? Die Welt besteht nun mal nicht nur aus weissen heterosexuellen Männern.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von P. ride! (<PMIGBOM>)
      @ Lili Albis: Vielen Dank für Ihre Reaktion - ich selbst war gestern zu sprachlos bzw. zu wütend, als ich M. Roes Kommentar gelesen hatte, um angemessen darauf antworten zu können... @ SRF: Ich verstehe nicht, wie ein solcher Kommentar (M. Roe) durch den Filter kommt bzw. der Netiquette entspricht - wenn nicht Frauenfeindlich, dann ganz sicher homophob! Weshalb wird das als vertretbare Meinung(säusserung) hingenommen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen