«Ma femme est pasteure»: Vom Gefühl, mit Gott das Bett zu teilen

Wie lebt es sich als Mann einer Pastorin – und das als Agnostiker? Die Webserie «Ma femme est pasteure» erzählt humorvolle Geschichten rund um das aussergewöhnliche Paar Clara und Thomas. Die Hauptdarsteller spielen sich dabei im Grunde selbst.

Eine Frau und ein Mann nebeneinander auf einem Sofa.

Bildlegende: In ihrem Leben geht es rund: Carolina und Victor Costa als Clara und Thomas. Ataprod

«Wer hätte gedacht, dass ich eines Nachts mit Gott schlafen werde?» Das ist das Schicksal des ungläubigen Thomas. Seine Ehefrau Clara ist Pastorin. Verliebt hatte er sich aber in eine Frau, die Sängerin werden wollte – «so wie Beyoncé». Doch dann kam alles anders: Seine geliebte Künstlerin – eigentlich studierte Theologin – fühlte sich zur Pastorin berufen. Und auf einmal wurde die Kanzel zur neuen Showbühne der Gattin. Das ist die Grundgeschichte von «Ma femme est pasteure».

Die lustige Pastorin oder die religiöse Komödiantin?

Die Webserie erzählt kurze, komische Episoden aus dem Leben des Ehepaars Clara und Thomas. Seit dem 18. Februar erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge online bei «20 Minutes». In den Hauptrollen: Carolina und Victor Costa. Sie arbeitet auch im wahren Leben Teilzeit als Pastorin in Genf. Er ist auch in echt Agnostiker. Die Geschichte der Serie ist im Grunde ihre Lebensgeschichte, fiktiv erzählt. Und die ist göttlich – im humoristischen Sinne.

«Ma femme est pasteure» ist nicht die erste Serie inspiriert vom Leben des Ehepaars Costa. In «Bienvenue chez nous» erzählten die beiden die Geschichte eines Spaniers – Victor Costa ist Spanier – und seiner Integration in die Schweiz. Beide Costas arbeiten Teilzeit für die Produktionsfirma Ataprod.

«Die Idee zu ‹Ma femme est pasteure› hatte mein Mann», erzählt Carolina Costa, «er fand, dass es ziemlich atypisch sei, mit jemandem zusammenzuleben, der Menschen beerdigt, dauernd vom Tod spricht oder Liebespaare verheiratet. Er sah darin ein komisches Potenzial». Am Anfang, so Costa, wollte sie nicht in der Serie mitspielen. Auch aus Angst, die Mitglieder der Kirche zu verärgern: «Ich hatte Bedenken, dass sie die Comedienne nicht von der Pastorin trennen können.»

Die Kamera ist die neue Kanzel

Doch Carolina Costa entschied sich für das Doppelleben, denn: «Religion möchte die Menschen zusammenbringen. Humor verbindet die Menschen ebenfalls.» Man hört sie ihr an, die Pastorin. Aber sie ist eine, die etwas wagt, die der Kirche ein modernes Image verleihen will. «In meinem Amt arbeite ich oft mit jungen Menschen. Und junge Menschen kann man mit solchen Videos erreichen.»

Die Machart – die Protagonisten sprechen oft direkt in die Kamera und so zum Zuschauer – und die Erzählweise im Stil von «Ich erzähle dir aus meinem Leben» erinnern dabei stark an französische Youtube-Stars wie Norman Thavaud und Cyprien Iov, die lustige Anekdoten aus dem Leben eines Mittzwanzigers erzählen.

Schwere Themen, leicht verpackt

Bei «Ma femme est pasteure» sind die Themen ernster: der Sinn des Lebens, die Rolle der Frau, der Tod. Doch die Art und Weise, wie die Serie die Themen behandelt, nimmt ihnen die Schwere. «Der Humor hilft über existentielle Themen zu sprechen, ohne an Tiefgründigkeit zu verlieren», ist die Pfarrerin überzeugt.

Den Romands scheint diese Kombination aus religiösen Themen und Komik zu gefallen. Über 40'000 Klicks hatte die erste Folge in der Westschweiz. Und auch aus den religiösen Rängen habe sie bis jetzt nur positive Rückmeldungen erhalten. Carolina Costa sieht das vor allem als Zeichen dafür, «dass man auch in der Kirche frei sei kann. Frei, die oder der zu sein, der man sein möchte».

Amen, möchte man hier fast rufen. Doch das sei der Genfer Pfarrerin überlassen. «Ma femme est pasteure» ist eine erfrischende Serie, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringt. Und das tut sowohl dem Zuschauer, wie auch der Kirche, gut.

Sendung: RTS, 1ère, Vertigo, 18.2.2015, 16:35 Uhr