Metropolitan Museum: spannende Entdeckungen per Mausklick

Ob virtuelle Ausstellungsräume oder Apps – immer mehr Museen entdecken das Internet für sich. Das Metropolitan Museum of Art in New York geht nochmals einen anderen Weg: In einer Webserie rücken 100 Kuratoren je ein Objekt ins Rampenlicht. Ein simples Konzept mit überraschenden Einsichten.

Ein offenes Notizbuch mit handgeschriebenem Text, daneben sind schwarz-weiss Fotos eingeklebt.

Bildlegende: Museumsobjekt im Fokus: Das Notizbuch «Girls I have known» eines Teenagers von 1916. zvg

Viele kennen das Gefühl: Ein Museumsbesuch ist zwar spannend – die schiere Menge an Objekten kann einen aber auch erschlagen. Im Falle des Metropolitan Museums in New York ist diese Gefahr besonders gross: Über drei Millionen Werke umfasst dessen Sammlung.

Abhilfe bietet die Webserie «82nd & Fifth», die das Metropolitan Museum dieses Jahr ins Leben rief: 100 Kuratoren des Museums stellen darin je ein Objekt vor – eines, so die Bedingung, das ihren Blick auf die Welt verändert hat.

Die Palette der Objekte ist gross: Ein Rembrandt ist genauso darunter wie ein Haute Couture-Kleid des Designers Alexander McQueen oder ein antikes Essbesteck der alten Römer.

Einfache Navigation: «Watch» und «Explore»

In kurzen Videoessays werfen die Kuratoren einen persönlichen Blick auf das ausgesuchte Werk. «Watch» heisst dieser Bereich, in dem der User zunächst einmal zusieht: In aufwändig produzierten Videos mit Bildern von hausinternen Fotografen erklären die Kuratoren die Faszination des ausgewählten Objekts. Klingt simpel – und ist es auch. Doch die Begeisterung der Experten vermag auch Laien mitzureissen.

Im zweiten Bereich «Explore» kann der User auf Entdeckungsreise gehen - und den Blick auf das Objekt vertiefen: Details von Gemälden heranzoomen wie bei einem El Greco-Bild ist die einfachste Variante. Schon spannender ist es, ein Anwesen des Architekten Frank Lloyd Wright per interaktiver Karte zu erkunden.

Liebesbriefe eines Teenagers

Wie das Metropolitan Museum selbst beschränkt sich die Webserie «82nd & Fifth» nicht auf Hochkultur – und gerade hier bietet das Projekt ungewöhnliche Entdeckungen: Etwa ein Notizbuch eines jungen Teenagers von 1916. «Girls I have known» steht handgeschrieben auf dem Titel. Das Heft gehörte einem jungen Mann, der offensichtlich vom anderen Geschlecht fasziniert war. Er hat darin Fotos von Schulfreundinnen gesammelt, Steckbriefe von Mädchen erstellt, Liebesbriefe eingeklebt – per Mausklick taucht man ein in die Befindlichkeiten eines Teenagers vor 100 Jahren.

Das Projekt «82nd & Fifth» – der Name leitet sich von der Adresse des Metropolitan Museums in New York ab – dauert noch bis Ende 2013. Jeden Mittwoch kommen zwei weitere Objekte hinzu, bis Ende Jahr alle 100 Objekte online sind.