Musikkompass für Anfänger und Fortgeschrittene

Längst vorbei sind die Zeiten, als sich die Rockmusikliebhaber in vier Kategorien einteilen liessen: «Beatles»-, «Rolling Stones»-, «Kinks»- und «The Who»-Fans. Eine Übersicht hat heute niemand mehr. Doch es gibt Datenbanken, die zumindest etwas Orientierungshilfe bieten.

Konzertaufnahme aus dem Jahr 2011.

Bildlegende: James Hetfield (rechts) von «Metallica» und Lou Reed, zwei von unzähligen Namen in der Musikdatenbank «allmusic.com». Reuters

Zum einen ist «allmusic.com» ein Online-Lexikon für Musik. Klassik, Jazz, World Music, Rock und Pop, alle möglichen Richtungen sind vertreten. Hier findet sich eine riesige Menge von Daten. Informationen zu Musikern und Bands lassen sich nachlesen, garniert mit Fotos und sehr oft mit dreissigsekündigen Musikausschnitten. Da kann man in Erinnerungen schwelgen oder sein Wissen auffrischen. Die Inhalte sind redaktionell kuratiert.

Neuheiten entdecken

Zum anderen ist diese Plattform natürlich auch Teil der Musik-PR-Maschine: Sie stellt Neuerscheinungen vor. Die Redaktion bespricht durchaus kritisch neue CDs. Auf Englisch natürlich.

Besonders interessant – und zeitraubend, weil die Wege der Elektronik verästelt sind – ist die «Explore»-Funktion der Plattform. Die führt einerseits zu Entdeckungsexpeditionen auf einer Liste von Musikstilen und andererseits aufs Vertonen von «Stimmungen» – eine lange Adjektivliste von «aggressiv» bis «witzig». Bei «aggressiv» etwa tauchen dann «repräsentative Alben» von «Iron Maiden» bis «Metallica» und passende Stücke auf, zum Beispiel «Suffragette City» von David Bowie und «Clash City Rockers» von «The Clash».

Aber auch die Unterrubrik «populäre Motive» lädt zum Stöbern ein: Unter «Late Night» finden sich z.B. «Emotional Rescue» von den «Rolling Stones» oder «On Green Dolphin Street» von Miles Davis. Die Seite kann einem also helfen, den richtigen Soundtrack zum aktuellen Lebensmoment zu finden.

Herzschlag der Redaktion

In der Rubrik «Blog» schlägt das Herz der Redaktion: Hier finden sich Themen- Schwerpunkte, jetzt gerade «Britpop» und die Musik von 1967: Jimi Hendrix, Velvet Underground, Aretha Franklin …

Die Plattform ist stark, aber nicht ausschliesslich angelsächsisch orientiert. Sie bietet Orientierung und mit den erwähnten kurzen Audiomüsterchen erste Höreindrücke. Dass eine Redaktion all diese Informationen betreut, bedeutet, dass wir hier – nicht wie auf tausenden von Band- und Plattenfirmenseiten – platte Werbetexte bekommen. Sondern Einordnung.

Kollaterale Nutzniesser

«Allmusic.com» existiert seit 1991. Domiziliert ist die Firma in Michigan, USA. Seit 2007 gehört sie zum US-Konzern «Rovi Corporation», der die Musikindustrie, Filmfirmen und Hersteller von Unterhaltungselektronik mit Daten, mit Medienmanagement-Technologie und mit Kopierschutz-Knowhow beliefert.

Die Freundlichkeit, uns musikinteressierten Nutzerinnen und Nutzern viele Informationen zur Verfügung zu stellen, hat also durchaus einen geschäftlichen Hintergrund.

Philanthropie ist es also nicht, dass wir all diese Informationen kostenlos abrufen können. Wir sind eher die Kollateral-Nutzniesser dieser businessorientierten Datensammlung.

Link zum Thema