Negative Schlagzeilen, positive Inhalte

Das «Institut du Monde Arabe» in Paris macht negative Schlagzeilen. Der französische Rechnungshof wirft dem Institut «anhaltende Missstände» in Verwaltung, Organisation, Finanzierung, Programmatik und beim Personal vor. Inhaltlich aber bietet das «IMA» trotzdem einiges – auch im Netz.

Die Website des imarabe.org

Bildlegende: So nah und doch so fern: Das Pariser «Institut du monde arabe» lädt zum virtuellen Rundgang ein. SRF

Geografisch wie zeitlich decken die fünfzehn Online-Ausstellungen des «Institut du Monde Arabe» sehr vieles ab. Um Andalusien geht es dabei ebenso wie um die Geschichte des Libanons. Man kann sich durch die Welt der ägyptischen Pharaonen klicken, von der ersten Dynastie, die ums Jahr 3800 v. Chr. begann bis zum Ende mit der letzten ägyptischen Königin Kleopatra im Jahr 30 v. Chr., als Kaiser Augustus Ägypten dem Römischen Reich einverleibte.

Französischer und arabischer Blickwinkel

Zu sehen ist auch, wie französische Maler von Delacroix bis Renoir im 19. Jahrhundert Algerien malten, das am 14. Januar 1830 von französischen Truppen besetzt und erst 1961 in die Selbstständigkeit entlassen wurde. Dem Sudan gilt eine Ausstellung, eine andere Jordanien, eine weitere dem Marokkoaufenthalt des Malers Henri Matisse in den Jahren 1912/13.

Technik à gogo

Das «Institut du monde arabe» setzt bei seinen elektronischen Ausstellungen die ganzen Möglichkeiten der Technik ein: Videos, Audios, Zoom-Funktionen, Text.

Ein schönes Beispiel einer virtuellen Ausstellung ist die Schau über islamische Kunst, die im von Jean Nouvel 1987 gebauten Gebäude an der Seine 2009/10 stattfand.

Mit der Maus kann man sich durch die Ausstellungsräume bewegen. Wer zu schnell mit dem Cursor auf dem Bildschirm herumfährt, riskiert allerdings, seekrank zu werden, weil der ganze Raum bedrohlich zu schaukeln beginnt.

Wer etwas geduldiger ist, bekommt einen Eindruck der Ausstellungsarchitektur, der Ausstellungsstücke – Gefässe, behauene Steine mit Schriftzeichen, Masken, ornamentale Teppiche. Audioerklärungen (auf französisch) ordnen die Exponate ein.

Ein Nachteil der elektronischen Präsentation ist, dass die Zoom-Funktion wenig Gewinn bringt. Wer zu nah heranzoomt und Details genauer betrachten will, stösst bald an die Grenzen: Sehr Kleines lässt sich mit dieser Bildauflösung nicht mehr deutlich erkennen.

Guter Einstieg in arabische Kulturwelt

Wer eine halbe Stunde übrig hat, kann sich mit den virtuellen Ausstellungsrundgängen des «Institut du Monde Arabe» einen guten Eindruck über das Ausstellungsangebot der hochverschuldeten Institution verschaffen. Ihr Ziel ist es ja, kulturelle Brücken zwischen Frankreich und der arabischen Welt zu bauen. Inhaltlich und online funktioniert das sehr gut.