«Ruin Porn» boomt in Detroit

Einst war Detroit eine blühende Autostadt. Heute zerfallen ganze Stadtteile, die Stadt ist so gut wie pleite. Nur etwas boomt: «Ruin Porn», der Web-Foto-Trend im Internet.

Zerfallenes Haus in Detroit

Bildlegende: «Ruin Porn», ein Web-Foto-Trend für den Detroit besonders viele Sujets bietet. Keystone

Vor der Krise war Detroit mit über zwei Millionen Einwohnern die viertgrösste Stadt der USA. Heute leben dort nur noch 700'000 Menschen. Tourismusbüros bieten Ruinen-Touren durch die Stadt an.

Fotos von den verlassenen Bürgerhäusern und Fabriken landen im Netz. «Ruin Porn» heisst dieser Trend, bei dem Verfallenes ins beste Licht gerückt wird. Es gibt ihn auch in anderen Städten, aber in Detroit finden sich Sujets en masse.

Profi-Fotografen und Detroit-Gegenbewegung

Auch Profi-Fotografen haben Detroit entdeckt. Die Fotostrecke der französischen Fotografen Yves Marchand und Romain Meffre wurde weltweit in Magazinen abgedruckt und ist zur Zeit in Zürich ausgestellt. Theater, Hotelhallen, Banken, Zahnarztpraxen: Alles im Verfall begriffen und sehr ästhetisch eingefangen.

Das gefällt nicht allen, in Detroit formiert sich Gegenwehr. «Can't Forget The Motor City» ist ein Blog, der sich zum Ziel setzte, die Menschen, die noch in Detroit leben, ins Zentrum zu setzen. Der letzte Eintrag stammt von Mitte 2012 – die Fotos bleiben.

Symbol für die Krise

Die aktuellen Beschlüsse auf poltischer Ebene sind der letzte Versuch, Detroit vor dem totalen Ruin zu bewahren. Der US-Bundesstaat Michigan übernimmt jetzt offiziell die Finanzkontrolle über die einst stolze Autostadt. Ab sofort hat ein Insolvenzanwalt das Sagen über die maroden Finanzen der Metropole. Detroit ist damit die grösste Stadt der USA, in der ein Bundesstaat die Finanzhoheit übernimmt. Detroit befindet sich seit Jahrzehnten im Niedergang und hat alles in allem über 14 Milliarden Dollar Schulden.

Detroit ist das Symbol für die Krise in den USA. Der Niedergang setzte bereits in den 1980er Jahren ein, als vermehrt japanische Konkurrenten den US-Produzenten General Motors, Ford und Chrysler das Leben schwer machten.