Sozial und ökologisch tragbare Kleidung im Netz

Mit dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh bricht wieder einmal eine Illusion in meinem Kopf zusammen: Kleidung kann nicht fair und billig zugleich sein. Wo aber kann ich schicke Klamotten mit edler Gesinnung kaufen? Eine Suche durch Labels und Siegeln – mithilfe des Internets.

Eine Bangladeshi sitzt inmitten von Stoffbergen vor einer Nähmaschine.

Bildlegende: Näherinnen arbeiten in Bangladesh über zehn Stunden pro Tag und kümmern sich danach um Haushalt und Familie. Keystone

Die Winterklamotten sind im Keller verstaut – was soll ich jetzt anziehen? In Frühlings-Shopping-Laune fahre ich den Computer hoch: «Fair trade» sollen die neuen Klamotten sein, und «biologisch», aber trotzdem nicht nach Öko-Schnitte aussehen. Mittlerweile haben viele grosse Firmen eine «grüne Linie» und versuchen ihr Image durch «Greenwashing» aufzupolieren. Wie soll ich da noch durchblicken?

Suche nach sauberer Wäsche

Die Suchmaschine spuckt mir als erstes den Firmencheck der «Erklärung von Bern» aus. Die nimmt 80 Firmen und ihre soziale Verantwortung unter die Lupe. Von «Fortgeschritten» bis «Nachlässig» bietet die Seite einen guten Überblick über Löhne, Zulieferung und Transparenz. Auch für unterwegs, mit der App «Fair Fashion». Die Daten basieren auf Befragungen der «Clean Clothes Campaign», der weltweit grössten Vereinigung von NGOs und Arbeitervereinigungen. Da ist eins schon mal klar: Bei Calida gibt es relativ saubere Wäsche. Zumindest, was die Arbeitsbedingungen angeht. Denn Bio- oder Fairtrade-Wolle gibt’s nicht im Sortiment. Aber darum geht es auf dieser Seite auch gar nicht.

Fairtrade heisst nicht bio

«Fair trade», gut, aber mein neues T-Shirt soll zudem aus reinster Bio-Baumwolle sein. Auf dem Weg dahin führt mich meine Suche zu «Grüne Mode», einer Seite der Christlichen Initiative Romero. Die Initiative kommentiert Selbstauskünfte der Unternehmen und gleicht diese mit Bewertungen von Verbänden und Kontrollstellen ab. So steht hier, dass H&M nur sehr schwammige Aussagen zu Arbeitszeiten macht, sich dafür aber mit allerlei Öko-Siegeln schmücken darf. Direkte Links führen von hier auf die «sauberen» Firmenseiten. Und siehe da, es ist durchaus Tragbares dabei - auch rein modisch betrachtet.

Siegel über Siegel

Bei all den Siegeln den Durchblick zu behalten ist nicht einfach: GOTS, Fairtrade, Naturaline. Zur Orientierung bietet die Seite «Bio-Fair.ch» der Entwicklungsorganisation Helvetas einen kurzen Überblick, einen ausführlichen gibt es auf der Homepage von Greenpeace.

Fix und fertig schaue ich am Abend auf die vielen Lesezeichen zu fairen Online-Shops und aufdie Warenkörbe, in denen hier ein Shirt, da ein Kleid liegt. Verwirrt, aber ein bisschen schlauer als zuvor kann ich mich heute nicht mehr entscheiden. Ich installiere noch flugs das Plugin «Avoid» auf meinem Rechner, das zukünftig zumindest alle Firmen aus Online-Shops filtert, die wegen Kinderarbeit ins Gerede gekommen sind. Dann schneide ich einem Longsleeve die Ärmel ab und setze mich auf den Balkon.