Tanzphänomen «Harlem Shake» sorgt für Konflikte in Tunesien

In der U-Bahn, im Museum, auf öffentlichen Plätzen: Der Bass setzt ein, die Kontrolle aus. Tausende Videos zum Song «Harlem Shake» kursieren im Web. In Tunesien versuchen Islamisten das Phänomen, das sie als gefährlich westlich ansehen, zu unterbinden.

Gruppe von Leuten, zum Teil verkleidet, tanzen auf einem Platz

Bildlegende: Tunesische Jugendliche tanzen den «Harlem Shake». still aus youtube Video

Das Internetphänomen «Harlem Shake» hat in Tunesien zu Polizeieinsätzen und einer Intervention des Erziehungsministers geführt. Jugendliche Tunesier filmten sich beim freizügigen Tanz zum Song «Harlem Shake», worauf es zu heftigen Zusammenstössen kam. Islamisten halten solche Happenings für unmoralisch und als Zeichen einer gefährlichen Verwestlichung.

Gestern versuchten in Tunis gar bewaffnete junge Islamisten ein solches Happening zu verhindern. Der Graben zwischen dem islamisch-konservativen und dem säkularen, eher weltoffenen Lager ist auch in der jüngeren Generation unübersehbar. Für heute war ein «Harlem Shake» vor dem Erziehungsministerium in Tunis geplant.

Ein Song, ein Tanzstil, ein Youtube-Video

Seit Februar 2013 ist die Anzahl an «Harlem-Shake» Videos auf Youtube förmlich explodiert. Die Formel ist immer die selbe: In einer Menschenmenge tanzt eine Person zuerst ziemlich dezent, dann plötzlich tanzen und bewegen sich alle wild durcheinander, oft verkleidet.

Ganz am Anfang stand der Song «Harlem Shake» des US-Musikproduzenten Baauer (Harry Rodrigues), der bereits im Frühjahr 2012 herauskam. Im Januar erschien das erste Video dazu im Netz: Vier Typen in Ganzkörper-Outfits stehen in einem kleinen Zimmer beieinander und schieben zum Song die die Hüften vor und zurück. Mit der Textzeile «Do the Harlem Shake» setzt nach 15 Sekunden der Bass ein und die vier kennen kein Halten mehr.

Nachahmen, übertrumpfen, toppen

Das Video fand schnell Nachahmer. Bekannt sind vor allem jene, die den «Harlem Shake» an spektakulären Orten inszenierten. In der U-Bahn zum Beispiel, unter Wasser im Hallenbad, im Altersheim, oder in der Game-Welt. Andere setzten auf harte Videoschnitte bei Sekunde 15: Das Bild springt und aus dem Armee-Zug, der noch eben stramm gestanden hat, wird ein wilder Après-Ski-Haufen oder aus der Universitätskantine ein Flash Mob, der ausser Kontrolle gerät. Auch Unästhetisches und Lächerliches findet seine Fans: Hauptsache, es wird wild getanzt.