Wenn man per SMS plötzlich Teil einer Grossfahndung wird

Bei der Suche nach dem möglichen Täter vom Anschlag vom 17. September in New York setzte die Polizei ein ungewöhnliches Mittel ein: Über ein Warnsystem verschickte sie eine Push-Nachricht auf die Smartphones der New Yorker Bürger. Nur: Dafür war das Warnsystem nie gedacht.

Hand hält Handy mit einer Pushmeldung.

Bildlegende: Das Warnsystem wurde für akute Notfallsituationen geschaffen. Nun setzten die Behörden es bei der Fahndung ein. srf

Worum geht’s?

«Gesucht: Ahmad Khan Rahami. Alter 28», stand in der Push-Meldung, die Smartphone-Benutzer in New York am Morgen des 19. Septembers erhielten. Absender war die Polizei. Wer den Verdächtigen sehe, solle 911 anrufen, schrieb sie dazu. Ein Bild konnte sie nicht schicken. Sie verwies auf die Medien.

Als die Benachrichtigung verschickt wurde, waren viele Menschen in der U-Bahn unterwegs zur Arbeit. Die Meldung traf gleichzeitig auf den Smartphones ein. Ein Twitter-User schrieb, dass Pendler ohnehin schon angespannt gewesen seien. Die Nachricht habe durch den ganzen Zug geklingelt.

Das Warnsystem, das die Polizei verwendete, wurde eigentlich für akute Notfallsituationen entwickelt. Bei Unwetter oder Anschlägen können die Behörden die Bevölkerung warnen und über die Sicherheitslage informieren.

Warum ist es interessant?

Das Warnsystem wurde zum ersten Mal benutzt, um nach einem Verdächtigen zu suchen. Es war keine Warnung vor akuter Gefahr: Mit diesem Push wurden Millionen Pendler und Fussgänger plötzlich Teil einer Grossfahndung.

In der «New York Times» kritisierte eine Professorin der University of Southern Mississippi, dass Unschuldige ins Visier von überengagierten Bürgern geraten könnten.

Ein Mann mit pakistanischen Wurzeln erzählt, er habe als erstes geprüft, ob der Verdächtige ihm ähnlich sehe. Da es sich um einen muslimischen Namen handelte, fürchtete er, dass man ihn wegen seiner Herkunft verdächtigen könnte.

Eine Benachrichtigung auf dem Handy ist persönlicher und unmittelbarer, als ein Fahndungsposter an der Wand oder ein Bild in den Nachrichten. Als Empfänger ist man emotional betroffen, da ist die Angst vor Überreaktionen verständlich. Vor allem in einer Zeit, in der unbeteiligte Muslime und dunkelhäutige Menschen schnell unter Generalverdacht geraten.

Screenshot

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