«Wired» – die Stimme der digitalen Revolution wird 20

Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, als die erste Ausgabe von «Wired» gedruckt wurde. 20 Jahre ist das her, aber eines blieb bis heute gleich. Auf dem Cover des Magazins finden sich Menschen, nicht Maschinen: Untersucht wird nie nur Technik, sondern immer auch ihre Auswirkungen.

Grossraumbüro, auf allen Tischen stehen Comupter. Es herrscht kreatives Chaos (neben vielen Tischen stehen Fahrräder).

Bildlegende: 1996 vergrösserte sich die «Wired»-Redaktion und zog in ein Grossraumbüro in San Francisco. wired.com

Die digitale Revolution bahnte sich erst an, aber die «Wired»-Gründer spürten Anfang der 90er-Jahre bereits, dass sie tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen würde. «Vermutlich nur vergleichbar mit der Entdeckung des Feuers», schrieben Louis Rossetto und Jane Metcalfe in der ersten «Wired»-Ausgabe. Die beiden Geschäfts- und Lebenspartner sollten ein gutes Gespür beweisen.

In seiner Berichterstattung setzte «Wired» konsequent auf Köpfe und Ideen. Immer wurde untersucht, welche Auswirkungen technologische Entwicklungen auf Gesellschaft, Politik und Alltag der Menschen haben könnten. «Das war vorher genau umgekehrt», erklärt SRF-Digitalredaktor Guido Berger, «Wired hat den Technologiejournalismus aus der Nische geholt.»

Für SRF-Digitalredaktor Guido Berger war das Magazin eine Art Initialzündung. Sein erstes «Wired» las er 1994. Der Artikel über die Tiefseekabel («das waren sicher 60 Seiten!»), die das World Wide Web eben weltweit spannen, hatte ihn so nachhaltig fasziniert, dass er sich Jahre später selbst auf Reportage-Reise begab.

Jubiläumsausgabe im Netz

«Wired» erfasste über die Jahre nicht nur alle wichtigen Trends, es etablierte für gewisse Webphänomene sogar die Namen. Dazu gehört zum Beispiel der Begriff des «crowdfunding», also der Idee der Schwarmfinanzierung, wo viele Leute kleine Beträge zahlen, um grosse Projekte zu finanzieren.

Das Jubiläumsspecial auf der «Wired»-Website liest sich wie das «Who-Is-Who» und «What-Is-What» rund um die Netzkultur der letzten 20 Jahre. Von der Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, die kürzlich mit dem feministischen Karriere-Ratgeber «Lean in» für Aufsehen sorgte, bis zu den Emoticons. Auch die Geschichte des Silicon Valleys gibt es nachzulesen und die Wikileaks-Fakten werden zusammengetragen. Einzigartig auch die Porträt-Reihe von lauter 1993 Geborenen, dem Jahr der Magazin-Gründung.

Pflichtlektüre für Spezialisten und Nerds

1998, fünf Jahre nach der Gründung, wurde «Wired» Teil des amerikanischen Verlagshauses Condé-Nast («GQ», «Vanity Fair», «Vogue»). Damit, und mit drastischen Budget-Kürzungen nach der Dot-Com-Blase im Jahr 2000, verflog der revolutionäre Geist des Magazins etwas. Es hielt aber den Web-2.0-Entwicklungen stand und steckte auch die jüngste Rezession weg. Bis heute wird das Magazin auch gedruckt.

Für die SRF-Digitalredaktion gehört das Magazin nach wie vor zur Pflichtlektüre. «Thematisch hat ‹Wired› noch immer die Nase vorn», sagt Guido Berger. Über die neuste Entwicklung, die 3-D-Drucker, seien schon vor drei Jahren die ersten Artikel erschienen.

«Wired»

Erstausgabe: Januar 1993
Modus: Monatlich
Auflage: ca. 800 000
Leser: 3 Millionen

Quelle: wired.com

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