Zum 14. Juillet feiern wir französische Kulturschaffende

Heute vor 226 Jahren wurde die Bastille gestürmt. Für Franzosen ist dieses historische Ereignis alljährlich Anlass, die «Grande Nation» zu feiern. Wir nehmen den Nationalfeiertag zum Anlass, junge und bemerkenswerte Künstler aus unserem Nachbarland vorzustellen.

    • 1.
      Edouard Louis (Schriftsteller)
      Edouard Louis trägt ein hellblaues Hemd. Er lehnt gegen einen Baum.

      Bildlegende: «Ich habe keine einzige gute Erinnerung an meine Kindheit», sagt Edouard Louis. Keystone

      «Je voulais être un dur» («ich wollte ein harter Kerl sein»), schreibt Edouard Louis in seinem autobiografischen Debütroman «En finir avec Eddy Bellegueule». Er erzählt die Geschichte von Eddy, der in einer Arbeiterfamilie auf dem Land aufwächst. Im Dorf herrschen klare Geschlechterrollen: Frau sorgt für das leibliche Wohl, Mann arbeitet in der Fabrik und gönnt sich zum Feierband ein paar Bierchen. Eddy ist ein intellektueller und feiner Junge, er passt nicht in diese Welt. In der Schule wird er «pédé» (Schwuler) geschimpft und geschlagen. Er kämpft gegen sich selbst, um dazuzugehören. Bis er entschliesst, zu fliehen.

      «En finir avec Eddy Bellegueule» («Das Ende von Eddy», S. Fischer Verlag, 2015) war in Frankreich ein Bestsellser und ist auch international ein Erfolg – zu Recht. Der Roman ist gesellschaftskritisch, berührend und in einer feinen Sprache geschrieben. Aussergewöhnlich auch: Der 23-Jährige hat Louis schon ein Buch über den Soziologen Pierre Bourdieu geschrieben und ein Buch über Michel Foucault herausgeben.

    • 2.
      Levalet (Street Artist)

      Er gilt als die französische Version von Banksy. Der 27-jährige Charles Levalet verschönert die Mauern von Paris mit seinen Schwarz-Weiss-Zeichnungen. Seine Werke – meist zeigen sie Menschen – lässt er gekonnt mit der Umwelt interagieren. Das ist manchmal witzig, manchmal gesellschaftskritisch, manchmal einfach nur schön. Falls Sie also mal durch die französische Hauptstadt spazieren: Augen auf! Auf Levalets Instagram-Account gibt’s schon mal eine kleine Auswahl seiner Werke zu sehen:

    • 3.
      Jeanne Added (Musikerin)
      Jeanne Added kneift sich die Augen zu. Sie hat kurzes blondes Haar.

      Bildlegende: Sie ist eine musikalische Allrounderin: Jeanne Added. Marikel Lahana

      «A war is coming»: Die erste Single von Jeanne Added ist eine klare Ansage. Jeanne Added ist eine Wucht. In Frankreich ist die 34-jährige Sängern in aller Ohren. Kein Wunder: Ihre Stimme zieht einen in einen hypnotischen Bann. Vor kurzem hat Jeanne Added ihr erstes Album rausgebracht: «Be sensational!». Ein Mix aus Post-Punk, Elektro, Klassik und Jazz, der seinem Titel alle Ehre macht. Die Genrevielfalt kommt übrigens nicht von ungefähr: Jeanne Added hat Cello, klassischen Gesang und Jazz studiert – unter anderem am Pariser Konservatorium und an der Royal Academy of Arts in London.

    • 4.
      Riad Sattouf (Comiczeichner, Regisseur)
      Riad Sattouf steht neben einem Mädchen.

      Bildlegende: Bissig und geistreich: Die Arbeit von Riad Sattouf überrascht immer wieder. Imago / Entertainment Pictures

      Schon als Kind war er eine kleine Sensation! Riad Sattouf hatte blonde Locken – und das in der arabischen Welt. Riad Sattouf – halb Syrer, halb Franzose – wuchs in Algerien, Libyen und Syrien auf. Im Comic «L’arabe du futur» wirft er einen satirischen Blick auf seine Kindheit – und auf die arabische Kultur. Soeben ist «L’arabe du futur 2» erschienen und schon ein Bestseller: Der Comic handelt von seinem ersten Schuljahr in Syrien. Wiederkehrendes Reizthema: seine blonde Haarpracht.

      Blond ist der 37-jährige Sattouf nicht mehr. Und mittlerweile wohnt er schon längst in Frankreich, wo er kein Unbekannter ist: Sattouf hat schon mehrere Comics herausgegeben, zeichnete unter anderem regelmässig für «Charlie Hebdo» und ist als Schauspieler und Regisseur tätig. Seinen satirischen, gesellschaftskritischen Biss lässt er in allen Genres walten: Im Film «Jacky au royaume des filles» herrscht eine Frau (Charlotte Gainsbourg), Männer tragen Schleier.

    • 5.
      Céline Sciamma (Regisseurin)
      Céline Sciamma trägt eine braune Brille. Sie steht vor einem Busch.

      Bildlegende: Identität und Anderssein spielen bei ihren Filme eine zentrale Rolle: Céline Sciamma. Imago / PanoramiC

      Wer will ich sein? Und was, wenn ich anders bin? Drei Coming-of-Age-Filme hat die 36-jährige Regisseurin Céline Sciamma schon gedreht. Im Fokus: das weibliche Geschlecht. In «La Naissance des pieuvres» verliebt sich ein Mädchen in ein Mädchen; in «Tomboy» kleidet sich ein Mädchen als Junge und in «Bande de Filles» muss sich eine Mädchengang in der rauen Pariser Banlieue durchschlagen. Ästhetik und Realismus treffen in Sciammas Filmen aufeinander – stets begleitet von der zarten, hypnotischen Musik des französischen Musikproduzenten und DJs Para One. «On s’est fout d’être normal» («wir pfeifen darauf, normal zu sein») so die Hauptdarstellerin in «La Naissance des pieuvres». Dieses Motto steht für Sciammas Filme – hoffentlich auch für die weiteren.

      Trailer von «La Naissance des pieuvres», «Tomboy» und «Bande de Filles»

    • 6.
      Salut c'est cool (Band)
      Ein Mann in Jeans sitzt auf einer Treppe. Vor ihm kauert ein Hund.

      Bildlegende: Ist das wirklich ihr Ernst? Bei den Clips von «Salut c'est cool» fragt man sich das öfter. (Foto aus «Comprendre») Youtube / Screenshot

      Wenn vier Ultra-Ober-Hipster zusammen Musik machen, dann entsteht eine Band wie «Salut c’est cool». Bei den vier Pariser Kunststudenten dreht sich ein Songtext auch mal rund um das perfekte Kartoffelpüree. In ihren Clips spielen Ameisen die Hauptrolle. Oder sie legen auch mal selbst – mit Jeans bis zum Bauchnabel, Pornobrille und Vokuhila – eine One-Man-Show hin. Das alles untermalt von Bum-Bum-Musik, wie sie im Buche steht.

      Mit «Salut c’est cool» wird man zurück in die 90er-Jahre katapultiert. Ganz ernstnehmen kann man das Ganze nicht. Egal, bei «Salut c'est cool» gilt das Motto «Vive la fête»! Auf der Bühne sind die vier schrägen Typen der Knaller. In der Schweiz waren sie dieses Jahr in Montreux und auch am Paléo Festival in Nyon zu sehen. Auf ihrer Homepage lässt – ganz im Sinne der 90er – MS Paint grüssen:

    • 7.
      Reda Kateb (Schauspieler)
      Reta Kateb trägt einen Anzug.

      Bildlegende: Realität und Kino sollten laut Reda Kateb kein unterschiedliches Paar Schuhe sein. Reuters

      Es gibt Gesichter, die man nicht so schnell vergisst. Der 38-jährige Schauspieler Reda Kateb mit französischen und algerischen Wurzeln hat so eins. Und spätestens seit seiner Nebenrolle in Jacques Audiards «Un prophète», der 2009 in Cannes mit dem Grand Prix de Jury ausgezeichnet wurde, ist es auch einem breiteren Publikum bekannt. Für seine Rolle als Arzt in der Kömödie «Hippocrates» hat er 2015 einen César bekommen. Und auch in «Qui vive» besticht er an der Seite von Adèle Exarchopoulos («La vie d’Adèle») als Security-Mann, der verzweifelt für ein besseres Leben kämpft.
      Lange war Kateb nur auf der Theaterbühne zu sehen. Mittlerweile hat er sich einem Kino verschrieben, das die Realität abbildet statt eine eigene vorzugaukeln, wie er er selbst sagt. «Ich würde nie einen Film machen, der Menschen für dumm hält», sagte Kateb gegenüber «Paris Match».

      Zurzeit dreht Kateb gerade den 3D-Film «The Beautiful Days of Aranjuez» mit Wim Wenders.

    • 8.
      Dorothée Smith (Fotografin)

      Leblos, geisterhaft, verstörend: Die Fotoporträts der 35-jährigen Dorothée Smith haben eine magnetische Anziehungskraft. Ihre Arbeit dreht sich rund um die Konstruktion der eigenen Identität: Bin ich Frau, Mann, normal oder doch anormal? «Ich will den Betrachter beunruhigen, ihn zum Denken anregen», sagt die in Paris geborene Künstlerin. Das schafft sie. Hier gibt's mehr von Smiths Werk zu sehen:

    • 9.
      Chris Esquerre (Komiker)
      Chris Esquerre trägt ein schwarzes Hemd.

      Bildlegende: Der harmlose Schein trügt. Chris Esquerre mag es gerne bissig. France Inter / Christophe Abramowitz

      «Importantissime» – «ausserordentlich wichtig» heisst die Mini-Serie des 40-jährigen Komiker Chris Esquerre, die vor kurzem auf Canal+ ausgestrahlt wurde. Die Serie blickt hinter die Kulissen einer fiktiven Fernsehsendung. In der Hauptrolle: Chris Esquerre. Er spielt einen arroganten TV-Moderator, der Praktikanten und Mitarbeiter für Untertanen hält und die Regeln des Journalismus auf ekelhafte Art und Weise beherrscht. Eine bitterböse Satire auf den Journalismus.

      Esquerre hat Wirtschaft studiert, arbeitete als Berater und war schon bei verschiedenen französischen Radiosendern und TV-Sendern als Komiker zu hören und zu sehen. Unter anderem in der Sendung «L’édition spéciale» auf Canal+, in der eine Presseschau der besonderen Art machte: von Zeitungen, «die niemand liest». Ein erfolgreiches Format, das er auch auf der Theaterbühne weiterführt. Eine neue Staffel von «Importantissime» ist auch geplant.