Fund aus den Alpen 4000 Jahre alte Körnli nahe dem Lötschenpass entdeckt

Forscher haben in den Berner Alpen eine prähistorische Proviantbox gefunden. Darin enthaltene Körnerreste geben Aufschluss über das Leben in den Alpen in der Bronzezeit.

Lötschenpass

Bildlegende: Gefunden wurde die Box in der Nähe des Lötschenpasses. Flickr/Jonty Sewell

In einer bronzezeitlichen Proviantbox aus den Berner Alpen haben Forscher Getreidereste entdeckt. Die etwa 4000 Jahre alte Holzdose enthalte Substanzen, wie sie heute in Vollkornbrot zu finden seien, teilte das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena mit. Getreidefunde aus der Bronzezeit seien von Höhlen bekannt, bisher jedoch nicht aus derartigen Gefässen.

Querschnitt der Proviantbox

Bildlegende: Prähistorisches Picknick: die 2012 gefundene Proviantbox. Archäologischer Dienst des Kantons Bern / Badri Redha

Der Fund gebe Anhaltspunkte, wie Getreide in dieser Zeit genutzt und verbreitet wurde. Zudem haben die Forscher auch neue Wege zum Nachweis von Getreide entwickelt. Das internationale Team mit Beteiligung Berner und Basler Expertinnen berichtet darüber in der Fachzeitschrift «Scientific Reports».

Gerste, Dinkel und Emmer

Die Holzdose wurde 2012 auf rund 2700 Metern Höhe in den Berner Alpen nahe des Lötschenpasses gefunden. Sie hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern und stammt aus der frühen Bronzezeit.

Auf dem Boden der Dose wurden nun Reste von Gerste, Dinkel und Emmer entdeckt, darunter Samenschalen und Spreu. Unklar sei, ob das Gefäss auf Handelsrouten hinweise, auf Viehhaltung in höheren Lagen oder auf Jäger.

Archäologischer Fund

Bildlegende: Holzboden des Gefässes aus Kiefer (Nahtmaterial aus Lärche) mit Speiseresten. Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Johanna Klügl

Wie lebten Menschen in den Bergen?

«Auf jeden Fall wirft die Entdeckung neues Licht auf das Leben in den prähistorischen Gemeinschaften innerhalb der Alpenregion und auf den Umgang der Menschen mit den extremen Höhenverhältnissen», sagte Studienautor Francesco Carrer von der britischen Universität Newcastle.

«Die Leute haben auf ihrem Weg über die Berge Proviant mitgenommen, wie heutige Wanderer auch. Unsere Forschung trägt dazu bei, zu verstehen, welche Lebensmittel sie dafür nutzten.»

Auch Keramikgefässe sollen untersucht werden

Das Gefäss enthalte zudem Alkylresorcine, die auch in heutigen Vollkornprodukten vorkämen. Von keinem archäologischen Fundstück sei bisher über diese Stoffe berichtet worden. Sie seien etwa in Weizen- und Roggenkleie vorhanden.

Nun wollen die Forscher auch Keramikgefässe auf die Stoffe untersuchen. Das könnte helfen, die Anfänge des Ackerbaus zu erforschen, so die Jenaer Forscherin Jessica Hendy.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kulturnachrichten, 26.07.2017, 16:30 Uhr