Unterirdisch bauen 5 gute Gründe, in den Untergrund zu gehen

In Australien ist es die Hitze, in Kanada die Kälte, die die Menschen in der Untergrund treibt. Früher waren es Bedrohung und Verfolgung, heute eher Platzmangel. Fünf Beispiele von unterirdischen Bauwerken – und weshalb sie in der Tiefe liegen.

Schutz vor der Hitze: Wohnhöhlen in Down Under

Wohnzimmer in einer Höhle mit Sofa und Fernseher

Bildlegende: Wohnen unter der Wüste: Ein Museum im australischen Coober Pedy zeigt, wie die örtlichen Wohnzimmer aussehen. Imago

Im australischen Stadt Coober Pedy steigen die Temperaturen im Sommer auf über 40 Grad. Der Hitze entfliehen die Einwohner in unterirdischen, aus dem Fels gesprengten Wohnungen. Hier bleiben die Temperatur erträglich – und das auch ohne Klimaanlagen.

Der Kälte entfliehen in Montreals Underground City

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Underground City Montreal

6:24 min, aus Einstein vom 16.2.2017

In Montreal ist es die Kälte, die die Menschen in den Untergrund treibt. Die Winter in der kanadischen Metropole sind lang und hart. Bei eisigen Minusgraden finden die Einwohner der Stadt Zuflucht in der «Underground City»: Unter der Innenstadt verbindet ein Netz aus Fussgängertunnels, Ladenpassagen und Metrostationen über 60 Gebäude miteinander – von Büros über Einkaufzentren und Wohngebäuden bis zum Eisstadion.

Verstecke für Verfolgte im mittelalterlichen Kappadokien

Höhle mit Durchgängen und Treppen und Gitter über Öffnungen auf dem Boden

Bildlegende: Unterirdisch leben ohne dicke Luft: Ein Belüftungssystem sorgte in der Untergrund-Stadt Derinkuyu in Kappadokien für Luftzirkulation. Colourbox

Unterirdische Städte sind aber keine Erfindung der Neuzeit. In der türkischen Region Kappadokien entdeckten Archäologen tausende Jahre alte Untergrund-Städte. Weshalb sie in den Fels gehauen wurden, ist nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Wohnhöhlen-Systeme über Jahrhunderte verfolgten Menschen als Versteck und Schutz dienten.

Kein Platz: Untergrund-Lager im Inselstaat

Hohe hölenartige Kaverne mit Bauarbeitern

Bildlegende: Unterirdische Lagerräume für Erdöl: Die «Jurong Rock Caverns» unter Singapur sind höher als ein neunstöckiges Gebäude. Reuters

In den Städten von heute ist es meist Platzmangel, der Gebäude in den Untergrund verbannt. So zum Beispiel in Singapur. Auf einer Fläche, die nur wenig grösser ist als der Kanton Glarus, leben über 5,5 Millionen Menschen. Bisher baute man hier vor allem in die Höhe. Nun erschliesst Singapur neuen Raum in der Tiefe. Erdöl und Munition werden hier bereits im Untergrund gelagert. Zudem ist ein unterirdisches Forschungszentrum geplant.

Physik-Experimente vor kosmischer Strahlung abschirmen

Grosse Röhre verläuft durch einen leicht gekrümten Tunnel

Bildlegende: Large Hadron Collider (LHC) des Cern: Der Teilchenbeschleuniger befindet sich 50 - 175 Meter unter Schweizer und französischem Boden. Keystone

Auch in China geht man tief unter die Erde, um neues Wissen zu Tage zu fördern. Das «Jinping Underground Laboratory» in der Provinz Sichuan liegt 2'400 Meter unter einem Berg. Die dicke Gesteinsschicht schirmt das Labor gegen kosmische Strahlung ab. Die Partikel aus dem All würde sonst die empfindlichen physikalischen Experimente stören. Aus demselben Grund befindet sich auch der LHC-Teilchenbeschleuniger des Forschungszentrums Cern am Genfer See unter dem Boden. Zudem ist überirdisch einfach kein Platz für eine 27 Kilometer lange Maschine.

Sendung: SRF 1, Einstein, 16.2.2017, 21 Uhr

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