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Apps für Krebserkrankte Digitale Tools sollen bei Krebs helfen

Für jedes Zipperlein gibt es mittlerweile eine App. Der Markt ist riesig. Einiges hilft, manches kann man getrost vergessen. Wie nützlich sind die digitalen Tools aber, wenn es um eine schwerwiegende Krankheit wie Krebs geht?

Ein Spartmphone wird mit zwei Händen gehalten.
Legende: «Dank den App-Einträgen konnten Ärzte schneller auf Symptome reagieren», sagt Onkologe Ethan Basch. Keystone

In einer Smartphone-App oder am Computer können Krebspatienten täglich ihre Symptome eintragen. Das kann helfen. In einer Studie des amerikanischen Onkologen Ethan Basch lebten Patienten mit fortgeschrittenem Krebs fast ein halbes Jahr länger, wenn sie ihre Symptome elektronisch erfassten.

Der Hauptgrund lag in der besseren Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten, erklärte Basch an einem Symposium, das kürzlich in Bern stattgefunden hat. «Dank den App-Einträgen konnten die Ärzte rascher auf Symptome reagieren, bevor diese gefährlich wurden.»

Welche App bringt was?

Das ist auch für die Schweiz interessant. Aber welche Apps sind wirklich seriös? Das Angebot dieser Krebs-Apps auf dem Gesundheitsmarkt ist riesig, nur eine Handvoll dieser Apps ist wissenschaftlich untersucht worden. Die Krebsliga Schweiz wollte deshalb wissen, welche Produkte den Krebspatienten wirklich etwas bringen.

«Bei der Bewältigung einer schwerwiegenden Krankheit», sagt Krebsliga-Forschungsleiter Rolf Marti, «ist es wichtig, dass die digitale Hilfestellung seriös angeboten wird und auf Wissenschaft basiert.»

Kompetente Patienten

Bis in die 80er-Jahre hat man Krebspatienten noch entmündigt und ihnen zum Teil sogar die Diagnose vorenthalten. Heute baut die Krebsmedizin darauf, dass Patienten informiert und kompetent sind.

«Ihre sogenannte Selbstwirksamkeit wird gefördert», sagt Urte Scholz von der Universität Zürich. «Der Kern von Selbstwirksamkeit ist eine optimistische Überzeugung für die eigene Kompetenz: Dass man sich wirklich zutraut, etwas schaffen zu können.»

Feedback, das motiviert

Was tragen nun Apps oder webbasierte Hilfestellungen dazu bei? «Es sind die interaktiven Elemente, die es ausmachen», sagt Claire Foster. Die Britin forscht an der University of Southampton und ist für das Symposium ebenfalls nach Bern gereist.

«Ein häufiges Symptom bei Krebs ist etwa schwere Müdigkeit», sagt Foster. «Wenn sich nun eine Patientin Ziele setzt, wie sie die Müdigkeit überwinden könnte und diese Ziele in die App eingibt, dann bekommt sie Feedback, das sie motiviert.»

Diese digitale Interaktion vermittle Betroffenen Lebensqualität. Denn hinter den Rückmeldesystemen der Apps stünden keine Algorithmen, sondern reale Personen – Therapeuten, Ärztinnen und Pflegefachpersonen in den Spitälern, erklärt Ethan Basch.

Entwickeln, prüfen, nutzen

Ausserdem hätten digitale Hilfestellungen, wenn sie klug eingesetzt würden, auch Sparpotenzial für das Gesundheitswesen, erklärt Basch. «Die Patienten suchen seltener den Notfall auf und werden auch weniger häufig hospitalisiert.»
Deshalb hat etwa Holland für Krebspatienten den Onco-Kompass eingeführt. Rolf Marti von der Krebsliga Schweiz, ist überzeugt davon. «Beim Onco-Kompass haben auch Versicherer gemerkt, dass es kostengünstiger ist, wenn Leute diese Tools nutzen.»

Vorrang für klinisch geprüfte Tools

Marti hofft, dass auch hierzulande Versicherer auf den Zug aufspringen und solche Tools finanzieren werden. Vorausgesetzt, die wissenschaftlichen Institute würden dafür sorgen, dass die Qualität stimme, sagt Rolf Marti.

Dann würden Spitäler und Praxen nicht jene Apps einsetzen, die am lautesten vermarktet würden. Sondern jene, die klinisch geprüft sind und den Krebspatienten nützen.

Sendung: Radio SRF 4 News, Rendez-vous, 14.3.2018, 12:30 Uhr

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