Schweizer Essgewohnheiten Die Milch kämpft gegen ihren schlechten Ruf

Für die wenigsten Schweizerinnen und Schweizer gibt es gesundheitliche Gründe, auf Milchprodukte zu verzichten. Im Gegenteil.

EIn Mädchen mit einem Glas Milch in der Hand.

Bildlegende: Nicht nur für Kinder: Ernährungsexperten empfehlen drei Portionen Milch oder Milchprodukte pro Tag. Colourbox

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer Konsumenten nehmen weniger Milchprodukte zu sich, als von Ernährungsexperten empfohlen.
  • Milch enthält wichtige Nährstoffe wie Proteine, Kalzium und Vitamine.
  • Für die meisten Schweizerinnen und Schweizer gibt es keine gesundheitlichen Gründe, auf Milchprodukte zu verzichten.

Die heute veröffentlichte Ernährungserhebung zeigt: Schweizerinnen und Schweizer konsumieren zu wenig Milch und Milchprodukte – nämlich nur zwei statt der empfohlenen drei Portionen pro Tag.

Proteine, Vitamine, Mineralstoffe

Dabei enthalten Milchprodukte viele wichtige Nährstoffe, wie Barbara Walther von der Forschungsanstalt Agroscope betont: «Milch und Milchprodukte sind unter anderem wertvolle Protein-Lieferanten.» Daneben sei Milch die beste Quelle für Kalzium und liefere auch viele andere Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente.

«  Die Fetthysterie ist heute überholt. »

Barbara Walther
Wissenschaftlerin, Agroscope

Aber was hält die Konsumenten davon ab, Milch zu trinken? Dass Milch dick machen könnte, hält die Ernährungswissenschaftlerin jedenfalls für unbegründet: «Die Fetthysterie, welche die Milchprodukte lange wegen ihres angeblich hohen Fettgehalts in Verruf brachte, ist heute überholt», so Walther, die seit 20 Jahren in diesem Bereich forscht.

«Der Energiegehalt von einem Glas Vollmilch entspricht zwei Täfelchen Schokolade. Jener von Milch-Drink einem Täfelchen. Die zahlreichen wertvollen Nährstoffe, die wir damit aufnehmen, stehen dazu in keinem Vergleich.»

Insgesamt decken die drei empfohlenen Milchprodukte-Portionen etwa 15 Prozent des täglichen Energiebedarfs eines Mannes. Eine Portion entspricht dabei zum Beispiel zwei Dezilitern Milch oder 30 bis 60 Gramm Käse.

Laktoseintoleranz wenig verbreitet

Laut der Forscherin gibt es keine wissenschaftliche Grundlage dafür, dass Milch generell ungesund sei: «Einzig für Menschen mit einer Laktoseintoleranz kann der Konsum von Milch zu unangenehmen Symptomen wie Blähungen, Krämpfen oder Durchfall führen.»

In der Schweiz sind schätzungsweise 15 Prozent der Erwachsenen davon betroffen. Aber auch sie können problemlos Milchprodukte wie Käse oder Joghurt konsumieren.

Laktoseintoleranz – eigentlich der Normalfall

Dass Erwachsene Milch vertragen, ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Denn 75 Prozent der Weltbevölkerung können den Milchzucker, die Laktose, nur im Kindesalter verdauen. Als Erwachsene verlieren sie diese Fähigkeit.

Nur bei Menschen mittel- und nordeuropäischer Abstammung, und in gewissen Gebieten Afrikas und Asiens, bleibt sie erhalten – dank einer Genmutation. Diese trat vor etwa 10'000 Jahren auf und verbreitete sich in Europa schnell.

Für Wissenschaftlerin Barbara Walther ein Hinweis, dass Milchverträglichkeit Vorteile brachte: «Wenn Milch für den Menschen ungesund wäre, wäre diese Mutation schnell wieder verschwunden.»

Milchprotein-Allergie im Kindesalter

Ganz auf Milch verzichten muss nur, wer an einer Milchprotein-Allergie leidet. Diese Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Proteine ist nicht mit der Laktoseintoleranz zu verwechseln.

Die Allergie tritt bei drei bis fünf Prozent aller Kinder auf, verschwindet in der Regel aber wieder.

Kein Grund für einen Milch-Verzicht

Für die meisten Schweizerinnen und Schweizer ist Milch also nicht ungesund. Im Gegenteil, wie Milchforscherin Walther meint: «Wer nicht an einer Milchprotein-Allergie leidet, hat keinen Anlass, aus gesundheitlichen Gründen Milch und Milchprodukte zu meiden – beziehungsweise auf so wertvolle Lebensmittel zu verzichten.»

Sendung: SRF 1, Einstein, 16.3.2017, 21 Uhr

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