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Ein Händchen für Viren
Aus Wissenschaftsmagazin vom 22.08.2020.
abspielen. Laufzeit 08:14 Minuten.
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Forscherin June Almeida 5 Fakten über die vergessene Coronavirus-Entdeckerin

Obwohl die britische Virologin June Almeida in den 1960er Jahren die ersten Coronaviren entdeckte, ist sie für viele bis heute eine Unbekannte. Zeit, das zu ändern.

Als June Almeida in den 1960er-Jahren als erste Forschende Coronaviren unter dem Mikroskop entdeckte, waren Frauen in der Wissenschaft die Ausnahme. Doch die Karriere der britischen Virologin war nicht nur in dieser Hinsicht aussergewöhnlich:

1. Bei der Entdeckung hatte sie keinen Uniabschluss

Die 1930 geborene June musste sich nach der obligatorischen Schulzeit einen Job suchen, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Sie kam aus der schottischen «working class» – ihr Vater war Busfahrer, ihre Mutter Verkäuferin. Für ein Studium reichte das Geld nicht. So begann sie eine Ausbildung als Laborantin im Spital.

Erst mit 40 Jahren – sechs Jahre nach der Entdeckung der Coronaviren – machte June Almeida neben ihrem Vollzeitjob als Forscherin einen Masterabschluss an der London University. Später erhielt sie wegen ihrer herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten einen Doktortitel.

2. Es war nicht ihre einzige wissenschaftliche Leistung

Der Virologin gelang es zum Beispiel 1967, erstmals das Rötelnvirus sichtbar zu machen. Die Erkrankung hatte in den 1960er-Jahren bei tausenden Neugeborenen Fehlbildungen ausgelöst.

Auch ihre Arbeit an Hepatitis-B-Viren half, deren Struktur aufzuklären und zu beweisen, dass es Infizierte ohne Symptome gibt. Insgesamt hat June Almeida in ihrer Karriere an über hundert wissenschaftlichen Publikationen in Journalen wie «Science» oder «Lancet» mitgeschrieben.

3. Ihre Arbeit wurde zuerst nicht ernst genommen

Als June Almeida 1964 ihre Bilder der Coronaviren in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publizieren wollte, wurde ihr Artikel zunächst abgelehnt. Die Gutachter hielten die Partikel schlicht für schlecht aufgelöste Grippeviren.

Einige Jahre später wurden die Aufnahmen dann doch veröffentlicht – notabene in einem Artikel, Link öffnet in einem neuen Fenster, den Almeida gemeinsam mit einem männlichen Kollegen verfasste.

Mikroskopaufnahme des Coronavirus.
Legende: Das Aussehen der Viren erinnerte Almeida an die Sonne mit ihrer Korona, darum gab sie ihnen den Namen «Coronavirus». Wikimedia / Microbiologyresearch

4. Ohne Auswanderung wäre aus der Karriere nichts geworden

Gemeinsam mit ihrem Ehemann zog June Almeida mit 26 Jahren nach Kanada. Dort arbeitete sie in einem modernen Krebsforschungszentrum, wo sie die Technologie kennenlernte, mit der sie später grosse Forschungserfolge in der Virologie feierte: die Elektronenmikroskopie.

June Almeida tüftelte an Methoden, um Viren im Elektronenmikroskop sichtbar zu machen und wurde schnell zu einer der besten in diesem Gebiet.

Eine solche Karriere wäre in anderen Ländern für eine Frau ohne Uniabschluss undenkbar gewesen. In Kanada hingegen wurde auf formelle Qualifikationen weniger Wert gelegt. Ein Glücksfall für June Almeida.

5. June Almeidas Methode ist bis heute aktuell

Bereits in einer der ersten Publikationen, Link öffnet in einem neuen Fenster zu SARS-CoV-2 im Januar 2020 publizierten chinesische Forschende Elektronenmikroskopie-Aufnahmen – hergestellt mit June Almeidas Methode.

Diese Bilder zeigten, dass das neue Virus den anderen Mitgliedern der Coronavirus-Familie stark ähnelt. Das Elektronenmikroskop kann auch helfen, herauszufinden wie das Virus in Zellen eindringt und welche Gewebe betroffen sind.

Aufnahme des neuen Coronavirus, gelb eingefärbt.
Legende: Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, mit Hilfe von June Almeidas Methoden sichtbar gemacht. Auf diesem Bild sind die Viren gelb eingefärbt, damit sie besser erkennbar sind. flickr / NIAID , Link öffnet in einem neuen Fenster

Radio SRF 2 Kultur, Wissenschaftsmagazin, 22.08.2020, 12:40 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Stroo  (streatcom)
    Ich dachte, dies sei ein spannender Bericht.
    Dann höre ich die einleitenden Worte... "andere, wie das neue Corona-Virus können tödlich sein" - stelle ab und denke "SCHADE".

    Wenn ein Bericht über eine Wissenschaftlerin mit einer nicht wissenschaftlichen belegten Aussage beginnt, habe ich keine Lust, weiter zuzuhören.
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  • Kommentar von Daniela Langenauer  (Daniela L.)
    Für mich ist der erste Text (Untertitel zum 1. Bild) herabsetzend.
    "Ein Händchen für Viren"
    Einen solch verhamlosenden Titel hätten Sie niemals unter ein Bild eines männlichen Wissenschafters gesetzt. Mal wieder: Frauen können nur dank mehr Gefühl in Nischen etwas erreichen.

    Bitte srf versucht doch endlich gender neutral eure Wissenschaftsartikel zu schreiben. Wir sollten die wenigen bekannten Vorbilder für Mädchen in MINT Fächern nicht verniedlichend darstellen - das ist despektierlich.
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    1. Antwort von Shane O'Neill  (Diddleydoo)
      Man kann es auch sehen, dass Händchen besser passen weil Viren ja bekanntlich ziemlich klein sind.

      Solche Wortspiele müssen nicht unbedingt despektierlich sein.

      Oof, was mache ich da? Nehme ich SRF in Schutz? Sorry, ist mir ausgerutscht.
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    2. Antwort von Marco Tobler  (Jumsin)
      Wenn sie ja schon so sehr für die Gleichberechtigung kämpfen möchte ich Ihnen eine ganz einfache Frage stellen: Waren sie in der Armee? Wenn ja: sehr gut weiter machen. Wenn nein überlegen sie sich doch mal ob man nicht bei der Gleichberechtigung und dem Genderwahnsinn auch mal die gleichen Pflichten einführen sollte.
      Ich wünsche ihnen einen schönen Abend
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    3. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Daniela Langenauer Danke für den Hinweis. «Gemäss Duden steht ‘für etwas ein [feines] Händchen haben (umgangssprachlich: für etwas Geschick haben)‘. Dieser Ausdruck wird unabhängig vom Geschlecht verwendet und soll explizit darauf abzielen, June Almeidas Fähigkeiten im Bereich der damals noch relativ neuen Technik der Elektronenmikroskopie herauszustreichen.
      Mit Beiträgen und Artikeln wie eben diesem zu June Almeida versuchen wir genau das: die oftmals unterschätzten oder vergessenen Leistungen von Wissenschaftlerinnen – insbesondere auch aus den MINT-Fächern – breiter bekannt zu machen.
      Über Hinweise auf weitere wichtige, spannende Wissenschaftlerinnen freuen wir uns jederzeit via wissenschaft@srf.ch.
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  • Kommentar von Rochus Schmid  (Rochus Schmid)
    Hätte sie nicht so genau hingeschaut könnten wir uns aktuell dem Leben statt dem C.. widmen. Denn jetzt "wissen" wir etwas und können es doch nicht richtig einordnen.
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