Zum Inhalt springen
Inhalt

Hochalpine Pflanzenvielfalt Pflanzen erobern Europas Gipfel immer schneller

Je stärker die Klimaerwärmung, desto mehr steigt die Zahl der Pflanzenarten auf Berggipfeln. Das zeigt eine neue Studie.

Der Gletscherhahnenfuss ist eine typische hochalpine Pflanze, die in den meisten Gebirgsregionen Europas vorkommt.
Legende: Der Gletscherhahnenfuss ist eine typische hochalpine Pflanze, die in den meisten Gebirgsregionen Europas vorkommt. SLF/Cajsa Nilsson

Sie sind zäh, kleinwüchsig und tragen Namen wie Gletscherhahnenfuss, Alpenmannsschild oder ladinisches Hungerblümchen. Diese Gipfelpflanzen wachsen in der stillen Natur hoch über der Waldgrenze.

Sie bekommen immer mehr Gesellschaft, sagt Sonja Wipf vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos: «Im Vergleich zu vor etwa hundert Jahren sind heute deutlich mehr Pflanzenarten auf den Gipfeln. Und diese Zunahme ist immer schneller geworden, speziell in den letzten zwanzig, dreissig Jahren.»

Beschleunigte Reaktion auf den Klimawandel

Sonja Wipf hat mit vielen anderen Forschenden die Vegetation auf 300 Berggipfeln in ganz Europa unter die Lupe genommen – dies mit eigenen Pflanzenzählungen und anderen, früheren Daten, auch aus den Schweizer Alpen. «Ein eindrückliches Beispiel ist der Piz Linard. Sein Erstbesteiger hat 1835 eine Pflanze – den Alpenmannsschild – gefunden. Und heute gibt es dort 16 Arten und viele Individuen davon.»

Heute findet man auf Berggipfeln zum Beispiel Arnika, Alpenlöwenzahn und Farne. Diese Pflanzen aus tieferen Lagen konnten sich in die Höhe ausbreiten, weil es wärmer geworden ist.

Das Alpenrispengras ist eine subalpine Art, die sich bis in die Täler fortpflanzt. Sie war früher auf 84 und ist heute auf 162 Gipfeln zu finden.
Legende: Das Alpenrispengras ist eine subalpine Art, die bis in die Täler vorkommt und zunehmend auch im Hochgebirge: Sie war früher auf 84 Gipfeln zu finden, heute sind es 162. Veronika Stöckli

Die Klimaerwärmung schreitet immer schneller voran, und entsprechend vergrössert sich die hochalpine Pflanzenvielfalt. Für einmal eine positive Nachricht von der Klimafront, doch auch die nicht ganz ungetrübt.

Die angestammten Gipfelpflanzen gedeihen zwar gut bei wärmeren Temperaturen. Aber sie seien konkurrenzschwach, sagt Biologin Sonja Wipf.

Alpen-Mannsschild ist eine typische Hochgebirgs-Art auf saurem Gestein wie Granit oder Gneis.
Legende: Alpen-Mannsschild ist eine typische Hochgebirgs-Art auf saurem Gestein wie Granit oder Gneis. SLF/Sarah Burg

«Das heisst, wenn neue Arten dazukommen, die grösser werden und schneller wachsen, treten diese in Konkurrenz mit den angestammten Gipfelarten. Das wird in Zukunft ein Problem für diese Gipfelpflanzen werden.»

Wie erfolgreich sich also etwa das seltene ladinische Hungerblümchen künftig behaupten kann, bleibt abzuwarten. Zumindest vorläufig aber werden die neuen Gipfelpflanzen den Artenreichtum im Hochgebirge weiter vergrössern.

Sendung: Radio SRF 4, Heute Morgen, 05.04.18, 06:00 Uhr

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Na, liebe Klimawandelhysteriker: was ist jetzt besser: eisige, tote Berge, oder eine sich wunderbar ausbreitende Artenvielfalt? Ich sags ja immer: man darf das Glas auch mal halb voll sehen, anstelle immer nur halbleer.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Wysshaar (Seeländer)
    Also in den nächsten Jahren sind die angestammten Pflanzenarten sicher nicht bedroht. Wipf vergisst, dass es damit in noch höheren Lagen wieder Platz geben wird, wo die neuen Planzen (noch) nicht bestehen können. Es entwickelt sich ja alles weiter, bis dann eben mal der Gipfel erreicht ist. Solange werden die bisherigen Pflanzen nicht bedroht sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Aldo brändli (aldo)
    Solche Sendungen sollten nach der Tagesschau gesendet werden und nicht Krimis. Service Public heisst Bildung vermitteln und nicht Anleittungen zu Mord und Totschlag.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen