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Legende: Audio Der neue Umgang mit Allergien abspielen. Laufzeit 06:51 Minuten.
Aus Wissenschaftsmagazin vom 23.02.2019.
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Knacknuss Allergie Erdnuss-Genuss als Therapie

Allergiker können aufatmen: Wird ihr Körper schrittweise an Lebensmittel gewöhnt, kann er diese tolerieren.

Für Lebensmittelallergiker kann jeder Restaurantbesuch gefährlich werden. Denn Spuren von Erdnüssen oder Eiern, auf die viele Menschen allergisch reagieren, können sich in vielen Gerichten verstecken.

Schon winzige Mengen können dazu führen, dass der Körper mit einem Asthma-Anfall reagiert oder sogar mit einem anaphylaktischen Schock.

Gewöhnung statt Vermeidung

Lange wurde Lebensmittelallergikern daher geraten, sich strikt von allem fernzuhalten, wogegen sich ihr Immunsystem so heftig wehrt.

Doch mittlerweile denken viele Allergologen um und setzen darauf, das Immunsystem an Allergene zu gewöhnen, also an die Stoffe, gegen die sich der Körper wehrt. Dabei wagen sie sich sogar an besonders gefährliche Allergene wie Erdnüsse.

Legende: Video Nahrungsmittelallergien können tödlich sein abspielen. Laufzeit 08:02 Minuten.
Aus gesundheitheute vom 10.03.2018.

Auch am Kinderspital St. Gallen und Zürich versucht die Allergologin Caroline Roduit, allergische Kinder schrittweise an die Nuss zu gewöhnen. Die Forscherin verabreicht ihren kleinen Patienten geringe Erdnussmengen über den Mund. «Die Dosis wird dann jeweils im Abstand von zwei Wochen gesteigert», erklärt die Forscherin.

«Die Dosis wird dann jeweils im Abstand von zwei Wochen gesteigert», erklärt die Forscherin.

Training für das Immunsystem

Die winzigen Erdnussportionen sorgen dafür, dass das körpereigene Abwehrsystem der Kinder trainiert wird. Es lernt ganz allmählich, diese Stoffe zu tolerieren, also Erdnüsse nicht als gefährlich einzustufen und anzugreifen.

Diese Gewöhnungstherapie funktioniert tatsächlich: In einer Studie mit 500 Teilnehmern konnten 80 Prozent der Kinder später zumindest eine Erdnuss problemlos essen. Damit sind Erdnussriegel zwar noch immer tabu. Doch es lauert keine Gefahr mehr in Speisen, die womöglich winzige Spuren davon enthalten.

Ganz ungefährlich ist die Gewöhnungsstrategie aber nicht: «Insgesamt wird die Therapie zwar sehr gut vertragen. Doch manche Patienten reagieren mit schweren allergischen Reaktionen, die man mit einer Injektion von Adrenalin behandeln muss», erklärt Caroline Roduit.

Ein weiterer Nachteil: Die Therapie dauert mehrere Monate und möglicherweise müssen die Patienten die winzigen Erdnussmengen sogar dauerhaft einnehmen, um die Toleranz des Immunsystems zu erhalten.

Je früher, desto besser

Inzwischen wissen Ärzte auch, dass das Immunsystem möglichst frühzeitig an Lebensmittel wie Nüsse, Milch oder Eier gewöhnt werden sollte, um Allergien zu verhindern.

«Schon werdende Mütter sollten ihr ungeborenes Baby im Mutterleib immer wieder mit möglichen Allergenen konfrontieren. Also indem sie selbst diese Lebensmittel konsumieren», sagt Harald Renz, der an der Universität Marburg über Allergien forscht.

Je früher das Immunsystem mögliche Allergene kennenlernt, umso besser: Denn nur durch den Kontakt lernt der Körper, sie als ungefährlich einzustufen und zu tolerieren.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Nicola Harrison  (Nicola Harrison)
    Erdnüsse, Erdnussöl, Erdnussbutter und Cashewnüsse enthalten 26 verschiedene Mykotoxin produzierende Pilze. Außerdem sind gebrochene und geschliffene Nüsse (egal welcher Art) ein Ziel für Luftschimmelsporen und werden schnell ranzig. Menschen, die sie schließlich einnehmen, essen auch die Pilze und ihren Giftmüll und impfen ihren Verdauungstrakt mit negativen Mikroformen an.
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    1. Antwort von P Muster  (Gogool)
      Es sind die Schimmelpilze die eine Vorliebe haben für Nussprodukte, insbesondere Erdnüsse. Entsprechend sind die Höchstwerte für Mykotoxine sehr gering bei Erdnüssen. Die Tatsache dass weltweit mind. 20% der Lebensmittel mit Mykotoxinen befallen sind lässt fasst die Frage zu ob hier nicht eine neue Pest heranbricht? Sogar im heiss geliebten Kaffee ist der aspergillus flavus allseits bekannt und der Herstellungsprozess ladet den Schimmelpilz nur dazu ein, sein Gift in die Umwelt zu setzen!
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Vielleicht gilt es auch zu mal bedenken, dass es nicht die Milch, das Erdnüsschen, der Weizen an sich sind, die starke allergische Reaktionen verursacht, sondern deren naturferne Produktionweise, das Basteln am Genom, die Agro-Chemische-Dauerberieselung solcher modifizierter Nahrung? Könnte der Anstieg der Allergien sowohl mit Agrochemie, wie auch mit der impferei im Zusamenhang stehen? Denn die Wissenschaft tut sich schwer Additionseffekte von mehr als 2-3 Noxen genau prüfen zu können.
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    1. Antwort von P Muster  (Gogool)
      Tatsache ist, dass man nicht weiss warum es allergische Reaktionen gibt. Man versteht zwar das Symptom mit der Ausschüttung von Histamin usw, aber nicht die Ursache. In Israel gibt es praktisch keine Kinder die Erdnussallergien haben. In den USA aber schon. In beiden Ländern gibt es eine Landwirtschaft mit Erdnüssen. Wo liegt hier der Unterschied? By the way, Allergische Reaktionen gibt es immer auf Proteine, deshalb ist es keine Seltenheit dass man auch auf Fleisch allergisch sein kann!
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    2. Antwort von Willi Meier  (wm)
      @Gogool: Es stimmt nicht, dass nur Proteine Allergien auslösen. Das Thema ist aber sehr komplex.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Dass arme Immunsystem, was es alles muss. Liebe Mammas, esst worauf ihr Lust hat, lasst weg was Euch ekelt. Nehmt Euch viel Raum und Zeit, um so vor Euch hin schwanger zu sein. Die moderne Medizin, der Heroen und Wissenschaftler, kann eins sehr gut, verunsicheren und Angst machen. Weder im Alter noch in der Schwangerschaft sollt frau essen, was ihr nicht schmeckt. Schon gar nicht literweise Milch trinken, nur weil eine kuhdespektierliche Viehwirtschaft überproduziert, ausser sie mag Milch.
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