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Lonzas Lachgas drückt auf die Klimabilanz. Wieso eigentlich?
Aus 100 Sekunden Wissen vom 12.02.2020.
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Korrektur der Klimabilanz Lonza-Lachgas verschlechtert die Schweizer Klimabilanz

Bei der Produktion des Vitamins Niacin der Firma Lonza entsteht Lachgas. Dies sorgt für eine Emission von rund 600'000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr – und hat ernsthafte Konsequenzen für die hiesige Klimabilanz.

Die Klimabilanz der Schweiz für die letzten Jahre wird schlechter ausfallen als bislang angenommen. Schuld daran ist ein Gas, das lustig klingt, aber die Atmosphäre ernsthaft belastet: Lachgas.

Lachgas entsteht als Abfallprodukt bei chemischen Prozessen. Etwa bei der Herstellung eines Vitamins, das Niacin heisst. Dieses wird in der Schweiz vom Chemie- und Pharmaunternehmen Lonza produziert.

1 Prozent des jährlichen Treibhausgas-Ausstosses

Bisher hat Lonza die Lachgas-Emissionen nie untersucht und deklariert, weil auch die Vorschriften des Bundes zur Luftreinhaltung, Link öffnet in einem neuen Fenster diese bis anhin nicht regelte.

Nun hat das Unternehmen bei einer Messung festgestellt, dass es eine riesige Menge Lachgas in die Luft ausstösst. Dies sorgt für eine Emission von rund 600'000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Das entspricht einem Prozent des jährlichen Treibhausgas-Ausstosses der ganzen Schweiz.

Weshalb heisst es «Lachgas»?

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Eigentlich heisst es Distickstoffmonoxid. Der umgangssprachliche Name Lachgas kommt daher, dass es betäubend und stimmungsaufhellend wirkt, wenn man es inhaliert.

Das farblose und süsslich riechende Gas ist daher vor allem in der Narkosemedizin nützlich. Jugendliche inhalieren Lachgas aus Ballons teils auch als Partydroge – etwa in Amsterdam.

Gleich wie Kohlendioxid und Methan trägt Lachgas zum Treibhauseffekt bei, indem es einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlen in Wärmestrahlung umwandelt. Je mehr Lachgas also in unserer Atmosphäre vorhanden ist, desto wärmer wird es auf der Erde (siehe Infografik am Artikelende).

Kichergas als Klimakiller

Lachgas kommt zwar nicht hoch konzentriert in der Atmosphäre vor. Es wirkt aber als Treibhausgas etwa 300 mal so stark wie CO2 – und es zersetzt sich erst nach über 100 Jahren. Das Kichergas ist ein Klimakiller.

Die Industrie ist nicht seine einzige Quelle. Lachgas kommt als natürliches Gas auch in den Ozeanen und in den Böden vor. Werden die Böden aber zu intensiv genutzt und überdüngt, dann setzen sie vermehrt Lachgas frei.

Eine Frau auf einem Feld mit einem Mess-Instrument.
Legende: Ein Zeichen von Überdüngung: Eine britische Forscherin misst 2019 die Lachgas-Menge in Schweizer Ackerböden. Keystone / Ennio Leanza

In den Werken von Lonza dürfte in Zukunft der Ausstoss an Lachgas deutlich zurückgehen. Das Chemie- und Pharmaunternehmen hat sich verpflichtet, bis zum kommenden Jahr einen Katalysator einzubauen und damit die Emissionen um 98 Prozent zu verringern.

Welchen Anteil hat Lachgas auf den Treibhauseffekt? Wie funktioniert dieser? Die Infografik von 2016 klärt auf:

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, 100 Sekunden Wissen, 12.2.2020, 6:15 Uhr

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