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Mensch-Maschine Mit dem Chip im Gehirn ein Auto lenken

Mit Chips unter der Haut können wir die Tür eines Autos öffnen – und mit Chips im Gehirn vielleicht bald eines lenken.

Zwei Finger halten Microchip
Legende: Das geht unter die Haut: Mit Microchips kann man Türen öffnen oder Kontaktdaten austauschen. Getty Images / David Friedman

Die Medizin ist froh darum: Wenn ein Mensch nicht mehr gesund ist, kann die Technik weiterhelfen. So kennen wir das von Herzschrittmachern oder künstlichen Hüftgelenken.

So weit, so bekannt. Heute lassen sich Menschen freiwillig Hightech einbauen und werden so freiwillig zu einer Mischung aus Mensch und Maschine – zu einem Cyborg.

Nie mehr den Hausschlüssel verlieren, denn er steckt unter der Haut. Keine Visitenkarte mehr drucken, denn sie ist unter der Haut gespeichert. Solche Anwendungen sind heute problemlos möglich, mit einem in der Hand implantierten Chip.

In zehn Jahren können wir uns mit Gehirnimplantaten direkt mit dem Internet verbinden.
Autor: Patrick Kramervertreibt Chip-Implantate

Die Zukunft sieht aber noch ganz andere Anwendung vor. «Ich gehe davon aus, dass wir in spätestens zehn Jahren die ersten Gehirnimplantate sehen, mit denen wir uns direkt mit dem Internet verbinden können», sagt Patrick Kramer.

Der Chip im Gehirn

Kramer vertreibt mit seiner Hamburger Firma Chip-Implantate und weiss: Die Forschung im Bereich der Gehirnimplantate geht voran. Wie realistisch die Einschätzung Kramers ist, lässt sich aber nur schwierig abschätzen.

Die Grundidee: Das Gehirn und der Chip sollen miteinander verbunden sein, sodass der Chip die Befehle des Gehirns erkennen kann.

So liesse sich ein Auto lenken, ohne dass effektiv gelenkt werden muss – der Chip überträgt die Befehle des Hirns direkt an das Auto. Was nach Science-Fiction klingt, ist eventuell gar nicht mehr so weit weg.

Die Frage nach der Sicherheit

Patrick Kramer ist überzeugt, dass die Implantate unser Leben einfacher und sicherer machen werden. Denn wer Daten von einem Chip ablesen möchte, muss das Lesegerät direkt an die Haut halten. Dies könne man nicht, ohne dass es das Gegenüber bemerkt. Das Hacken eines Chips sei also sehr schwierig.

Wenn ich in ein Haus will, hacke ich die Hand ab.
Autor: Oliver BendelEthiker und Roboterphilosoph

Oliver Bendel sieht das kritischer. Der Maschinenethiker und Roboterphilosoph unterrichtet an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er findet es gefährlich, sich biometrische Daten, die Kreditkarte oder den Hausschlüssel unter die Haut setzen zu lassen.

Bendel nennt ein Extrembeispiel: «Wenn ich in ein Haus will, hacke ich die Hand ab.» Sicherheit bringen solche Chips also nicht unbedingt, warnt Bendel.

Die Angst vor dem Zwang

Weltweit rechnet man mit etwa 60’000 bis 70'000 Menschen, die sich einen oder mehrere Chips haben implantieren lassen. Noch können sich viele Menschen allerdings nicht vorstellen, den eigenen Körper mit Technik zu erweitern. Wer sich einen Chip implantieren lässt, macht das freiwillig.

Es sei wichtig, dass das auch so bleibe, meint Oliver Bendel. Für ihn sei die grösste Gefahr, wenn «die Wirtschaft, der Arbeitgeber oder der Staat sagen, du musst dir aus bestimmten Gründen etwas in den Körper einsetzen lassen.» Dies wäre ein immenser Eingriff in den Körper, in die eigene Identität.

Sind 100 Prozent Mensch genug?

Ob Chip in der Hand oder im Hirn, der Cyborg ist längst mehr als nur Science-Fiction. Die Frage ist, wie weit die Technik gehen soll, wo eine Grenze erreicht ist. Ist der eigene Körper nicht gut genug, so wie er ist?

Es ist eine Frage, die weder Patrick Kramer noch Oliver Bendel generell beantworten können. Denn hier muss jeder Mensch seine eigene Antwort finden.

10 Kommentare

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