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Optimist Hans Rosling «Die Welt ist viel besser als wir denken»

Früher war alles besser? Nein, heute ist die Welt wohlhabender und gesünder. Das mit Zahlen zu beweisen, war das Anliegen des verstorbenen Hans Rosling. Posthum ist sein Buch «Factfulness» erschienen.

Legende: Audio Unbeugsamer Aufklärer: Hans Rosling abspielen.
9:22 min, aus Wissenschaftsmagazin vom 07.04.2018.

Schwarz, tiefschwarz sehen die meisten von uns die Welt. Das ist keine leere Behauptung. Hans Rosling hat sie mit zahlreichen Befragungen untermauert.

Mit Fakten und Statistiken gegen den weit verbreiteten Pessimismus angehen: Das war die Mission des schwedischen Statistikers und Epidemiologen.

Hans Rosling

Hans Rosling

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Hans Rosling, 1948 im schwedischen Uppsala geboren, verstarb Anfang letzten Jahres an Krebs.

Nach seinem Medizin- und Statistikstudium war er lange als Arzt in Mosambik, später als Berater von NGOs und der Weltgesundheitsorganisation tätig. Zuletzt leitete er die renommierte Medizin-Hochschule Karolinska Institutet bei Stockholm.

Mit seinem Sohn Ola und seiner Schwiegertochter Anna gründete er die Stiftung «Gapminder», Link öffnet in einem neuen Fenster, die Statistiken verständlicher und interaktiver gestalten will. Das war auch das Ziel seiner Reden und Vorträge, die er weltweit hielt.

Verzerrtes Bild der Welt

Hans Rosling ist vor einem Jahr gestorben. Posthum ist sein Buch «Factfulness» erschienen, das er mit seinem Sohn Ola und dessen Frau Anna geschrieben hat. «Factfulness» ist ein Kunstwort der Roslings für «die stress-vermindernde Gewohnheit, nur Meinungen zu haben, die von zuverlässigen Fakten gestützt sind.»

Buchhinweis

Anna, Hans und Ola Rosling: «Factfulness. Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist», Ullstein, 2018.

Im Sinne seines Credos liess Hans Rosling zu seinen Lebzeiten 12'000 Menschen ein Dutzend Testfragen beantwortet: Wie viele extrem arme Menschen es auf der Welt gebe, wie hoch die globale Impfrate von Kindern sei, wie es um die wirtschaftliche Entwicklung stehe.

Obwohl Rosling jeweils drei Antworten zur Auswahl vorgab, lag die grosse Mehrheit bei allen Fragen falsch. Sie sah die Welt zu düster.

Hätten Sie es gewusst?

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Eine von Hans Roslings Fragen:

Wie viele der einjährigen Kinder auf der Welt sind geimpft? 20, 50 oder 80 Prozent?

Die richtige Antwort ist: 80 Prozent. Von insgesamt 12'000 Befragten gaben aber nur 13 Prozent die richtige Antwort.

«Wir haben ein verzerrtes Bild der Welt. Wenn wir etwas nicht wissen, tippen wir auf die schlechteste Möglichkeit», sagte Hans Rosling einmal vor Publikum.

Er hielt unzählige Vorträge, vor der Öffentlichkeit und vor den Eliten, wie Verwaltungsräten oder Gremien der Uno. Die Welt ist viel besser, als die meisten glauben, beteuerte er stets.

Vieles wird besser

Mit animierten Grafiken demonstrierte Hans Rosling, wie sich die Welt seit den 1960er-Jahren zum Positiven verändert hat. Ein Beispiel ist die Geburtenrate. In den 1960ern gab es zwei Gruppen: die Industrieländer mit tiefen und der Rest der Welt mit hohen Geburtenraten. Seither ist die Rate überall massiv gesunken.

Mit Roslings Worten: Wir leben in einer komplett neuen Welt – in einer besseren Welt, in der es viel weniger arme Menschen gibt, in der die grosse Mehrheit aller Kinder geimpft wird, selbst in den ärmsten Ländern, und in der die Lebenserwartung generell stark gestiegen ist.

Roslings Vorträge

Hans Rosling war ein begnadeter Redner – wie etwa seine TED-Talks zeigen.

Nur haben das die meisten Menschen nicht mitbekommen, sagt Anna Rosling, die Schwiegertochter und Mitstreiterin von Hans Rosling. Denn: «Die Welt ist unübersichtlich und sie verändert sich nur langsam.» Viele Entwicklungen bleiben unter dem Radar, weil nur die plötzlichen, dramatischen Ereignisse für Schlagzeilen sorgen.

Es gelte bei all dem herrschenden Pessimismus auch die Erfolge zu sehen, sagt Anna Rosling: «Wir müssen die Dinge, die wir erreichten, auch wertschätzen.»

Die negative Weltsicht setze die Menschen unter unnötigen Stress, sagt Anna Rosling. Und vor allem: «Wenn wir das grosse Bild aus den Augen verlieren, führt das zu falschen Entscheidungen.»

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Ein eindrückliches Beispiel dafür stammt aus Hans Roslings Leben. Mit Anfang 30 arbeitete Rosling als Arzt im ländlichen Mosambik. In der abgelegenen Region Memba kam es zu einer rätselhaften Epidemie.

Ein Beamter drängte Rosling dazu, Memba unter Quarantäne zu stellen. Rosling stimmte zu, obwohl er vollkommen unsicher war, ob es sich tatsächlich um eine ansteckende Krankheit handelte.

Hans Rosling blickt über den Rand seiner Brille.
Legende: Mehr Optimismus braucht die Welt: so das Credo von Hans Rosling. Keystone

Kurz danach starben Dutzende Frauen, Kinder und Fischer – aber nicht an der Krankheit. Sie ertranken, als ein Fischerboot auf dem Weg von Memba zur nächsten Stadt unterging. Die Frauen fuhren normalerweise mit dem Bus in die Stadt, um ihre Waren zu verkaufen. Wegen der Quarantäne baten sie Fischer um Hilfe.

Angst, gefördert durch unser allzu dramatisches Bild der Welt, ist ein schlechter Ratgeber, schlussfolgert Anna Rosling.

Unbequeme Wahrheiten

Unwissenheit erzeuge diese Angst, betonte Hans Rosling stets. Mit empirischen Fakten hielt er dagegen. Zum Beispiel, was Terrorismus angeht. Der hat in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen, wie es viele glauben. Allerdings betraf der Anstieg an Terrortoten nicht Europa oder die USA, sondern Länder wie Afghanistan, Nigeria und Pakistan.

Hans Rosling: 200 Jahre erfreuliche Weltgeschichte

Hans Rosling scheute sich nicht, auch politisch unbequeme Statistiken bekannt zu machen, wie während der Flüchtlingskrise in Europa. Damals rechnete er vor, Link öffnet in einem neuen Fenster, wie viele syrische Flüchtlinge in der Region blieben und wie viele nach Europa gelangten.

Nur 2 Prozent schafften es nach Europa, sagte Hans Rosling. Dass es danach wütende Kommentare auf seinem Blog, Link öffnet in einem neuen Fenster hagelte, stoppte seinen Drang zu informieren nicht. Hans Rosling war ein Aufklärer durch und durch.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Der Trick ist, dass Roseling nie von Vermögen und Schulden spricht. Er spricht immer vom Einkommen. Vor 20 Jahren gab es in Europa nur einen Arbeitsmarkt. Jetzt haben wir die Welt in eine globale Fabrik umgebaut. Jeder ist mit jedem im wirzschaftlichen Existenzkampf. Mit Hartz IV haben wir nun den Arbeitsmarkt segregiert in einen ersten, zweiten und dritten Arbeitsmarkt.
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    1. Antwort von Tom Duran (Tom Duran)
      Schon. Aber vor 60 Jahren gab es noch nicht mal ein Hartz IV oder dergleichen. Da mussten die 60% Arbeitslosen Grass fressen. Ich bin ja auch nicht mit allem einverstanden, vor allem unsere Politikerelite und Führungskräfte haben den Bezug zur Realität verloren und denken wir alle verdienen mindestens 10000.-! Was aber nicht so ist. Da müsste was getan werden. Allerdings zweifle ich daran, dass die Schweizer das hinbekommen.
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    2. Antwort von Alex Terrieur (Imfeld)
      ...aber vor genau 100 Jahren, den CH-Generalstreik, DEN hat's gegeben!
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  • Kommentar von Marco Müller (Marco P. Müller)
    Die übliche linke Schönfärberei von unserer zwangsfinanzierten Staatspropagandamaschine. Die Argumente von Rosling sind typisch für den egozentrischen Unmenschen und beziehen sich nur auf den Homo sapiens, die schlimmste Krankheit, die diesen Planeten jemals heimgesucht hat. Wenn die Erde seit Jahrzehnten von einer explodierenden Zahl von Menschen zerstört und vergiftet wird und fast täglich eine Art ausstirbt, muss man schon ziemlich beschränkt sein, um von einer besseren Welt reden zu können.
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    1. Antwort von Lukas Hasler (Lukas Hasler)
      Natürlich beziehen sich Roslings Argumente nur auf den Homo sapiens. Auf was sollten sie sich denn sonst beziehen? "Besser" oder "schlechter" sind menschliche Begriffe. Es geht hier um die menschliche Welt. Und glauben Sie etwa, vor dem Erscheinen des Homo sapiens seien keine Arten ausgestorben?
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    2. Antwort von Tom Duran (Tom Duran)
      Quatsch mit Sosse. Vor 50 Jahren wurde noch Gift pur aus den Schornsteinen geblasen. Mord und Totschlag gab es damals auch schon. Heute wird halt alles sofort in einer App gepostet oder per TV den Leuten untergejubelt. Was meinen Sie war wohl während dem 1. und 2. Weltkrieg los? Die Grausamkeiten von damals stellen auch heute noch alles in den Schatten. Wir werden so alt wie noch nie, sind gesünder den je und haben alle im Überfluss zu essen. Das gab es so noch nie.
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    3. Antwort von Marco Müller (Marco P. Müller)
      Schätzungsweise 75% der Menschen (Hasler, Duran etc.) sind nicht intelligent genug, um ganzheitlich und langfristig zu denken. Völlig egozentrisch und überheblich denken sie scheinbar, dass der Mensch im luftleeren Raum überleben kann und Wasser und Nahrungsmittel aus der Fabrik kommen. Dass das Artensterben noch nie dagewesene Ausmasse angenommen hat und das Verschwinden von Lebewesen wie z.B. der Biene auch Einfluss auf den Menschen hat, können sie sich gar nicht vorstellen.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Klar, je nach dem auf "welcher Seite man steht"!
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