Soziale Bedeutung von Frisuren Pharaonen, Perücken, Popper: Eine haarige Zeitreise

Frisuren unterliegen einem ständigen Wandel. In jeder Epoche zentral: Was wollen wir mit unseren Haaren ausdrücken? Sie sind Lustobjekt, Statussymbol und Rebellion.

Ägypten: Färben mit Rinderblut

Relief mit zwei ägyptischen Figuren.

Bildlegende: Vielleicht wurde sie so geboren, vielleicht ist es Rinderblut: Die Ägypter halfen bei der Haarpracht auch mal nach. Getty Images

Bereits den alten Ägyptern lagen ihre Frisur am Herzen. In Gräbern fanden Archäologen Spiegel, Kämme und Haarnadeln. Graue Haare färbten die Pharaonen mit Henna oder eingekochtem Rinderblut. Auch Perücken gab es bereits bei den Ägyptern – in Bienenwachs getauchtes Menschenhaar mit Schafwolle.

Griechenland: Strafe für ungepflegte Haare

Antike Illustration mit drei Personen

Bildlegende: Die antiken Griechen legten Wert auf gepflegte Haare. Getty Images

Wohlgepflegtes Haar war auch bei den Griechen ein wichtiges Accessoire. Wer zerwühlte Haare hatte, musste eine Geldstrafe zahlen. Für die schönen Locken erfanden die Griechen den ersten «Lockenstab», den Calamistrum. In der griechischen Hochkultur galt blond als die Farbe der Götter und Helden – so flochten sich viele Frauen Goldfäden ins Haar.

Mittelalter: Volles Haar dank gekochtem Maulwurf

Mittelaterliche Zeichung: Mehrere Personen mit bunten Gewändern.

Bildlegende: Haare und Hauben: Miniatur aus dem 14. Jahrhundert. Getty Images

Im Mittelalter bestimmte die Kirche über die Frisuren. Verheiratete Frauen mussten ihre Haare unter einer Haube verstecken – daher die Redewendung: «unter die Haube kommen». Haare galten als Objekt der Lust und Verführung. Bei den Männer galt: je voller, desto besser. Haarausfall war das grösste Übel. Angepriesene Heilmittel: Brennnesseln, gekochter Maulwurf und Bärenfett.

Das Frankreich des Sonnenkönigs: Puder, Parfüm, Perücke

Gemälde mit Louis XIV

Bildlegende: Adel verpflichtet auch bei der Perückenwahl: Louis XIV. Wikimedia/Louis XIV Collection

Frankreich, Mitte des 17. Jahrhunderts: Adelige entdeckten die Perücke. Sie kaschierte ihren Haarausfall. Die gepuderte und parfümierte Perücke wird zum Symbol von Macht, Würde und Autorität – wie beim Sonnenkönig Louis XIV. Die Frisur war vor allem eins: Statussymbol. Die Elite grenzte sich so vom Bürgertum ab. Damit begann der Siegeszug der Perücke: Juristen, Ärzte und Minister in ganz Europa liessen sie sich anfertigen. In Grossbritannien gehört sie bis heute zur Arbeitskleidung der Richter.

Frauen im 20. Jahrhundert: Revolution und Haarspray

Schwarzweissbild, eine Frau mit kurzen Haaren

Bildlegende: Schauspielerin Louise Brooks mit Kurzhaarfrisur: Das war 1926 der letzte Schrei. Getty Images

Im 20. Jahrhundert gab es einige Haar-Revolutionen: Frauen experimentierten in den 1920er-Jahren mit dem Bubikopf. Der Kurzhaarschnitt war ein Bruch mit dem gängigen Frauenbild und Zeichen der Emanzipation. In den 1970er-Jahren entdecken Frauen das lange Haar wieder. In den 1980er-Jahren ist Auffallen die Maxime: mit viel Haarspray und Accessoires.

Männer im 20. Jahrhundert: Wachsen lassen!

Zwei Männer mit längeren Haaren und Bärten. Jagger trägt einen Mantel mit langem Fell.

Bildlegende: Sogar der Mantel hat Haare: Mick Jagger und Brian Jones 1968. Getty Images

Während bei den Frauen die Haare kürzer wurden, trugen sie die Männer immer länger. Inspiriert von Rock'n'Roll, Elvis und den Beatles liessen die Jugendlichen ihre Haare wachsen. Die langen Haare waren Provokation für die Elterngeneration. Auch die 68er rebellierten mit ihren langen Haaren gegen die Mainstream-Gesellschaft. Mit ihrer natürlichen Haarpracht unter dem Motto «let it grow» propagierten die Hippies ihre Ideologie.

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