«Real Humans»: Mit den Augen von Robotern die Gesellschaft sehen

Wie gut oder schlecht Mensch und Maschine in Zukunft zusammenleben können, das will Drehbuchautor Lars Lundström nicht vorschreiben. In seiner Serie «Real Humans – Echte Menschen» wirft er vor allem Fragen auf. Im Interview spricht der schwedische Serien-Schöpfer über seine Zukunftsvision.

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Trailer zu «Real Humans - Echte Menschen»

0:28 min, vom 18.10.2013

Ihr Science-Fiction Drama spielt in einer schwedischen Kleinstadt von heute und die Roboter sehen beinahe aus wie «echte Menschen». Warum dieser Realitätsbezug?

Lars Lundström: Ohne wäre es langweilig. Die Stimmung, die ganze Atmosphäre in der Serie wäre unterkühlt. Und wären die Roboter nicht so menschlich, könnte man sie nur schwer mit Menschen in Beziehung bringen, sie zu Lebensgefährten oder Sex-Partnern machen. Es wäre es kaum möglich, die ganze Komplexität menschlicher Beziehungen darzustellen. Ausserdem hat das auch einen finanziellen Grund: Es ist günstiger mit Schauspielern zu drehen, als Roboter zu bauen, zu entwerfen. Das hätte unser Budget gesprengt.

Bewegung und Mimik der Hubots sind dem Menschen stark nachempfunden. Und doch sind sie anders. Haben Sie dafür mit Roboter-Experten zusammengearbeitet?

Ja, und es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir entschieden haben, wie genau die Hubots auftreten sollen. Sie sollten sich «roboterhaft» bewegen und handeln. In der Interaktion mit Menschen waren sie so aber zu kantig und langweilig. Wir haben uns dann für eine Mischung entschieden: Sie sollten nicht aussehen wie Zombies, aber auch nicht genauso wie Menschen, zum Beispiel nicht zwinkern oder sich kratzen.

Sehen Sie in «Real Humans» ein realistisches Abbild der nahen Zukunft?

Nicht wirklich realistisch. Ich glaube, die Zukunft wird ganz anders aussehen als das Heute. Aber wir wollten uns nicht darauf konzentrieren, die Welt umzuschreiben und zu gestalten. Im Fokus der Serie steht die Beziehung zwischen Hubots und Menschen. Ich denke, genau die wird in der Zukunft auch eine wichtige Rolle spielen. Wir werden sehr intelligente Maschinen und Computer haben.

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«Ich würde einen Roboter kaufen»

0:43 min, vom 11.10.2013

Ist die Serie in Ihren Augen also mehr Science-Fiction oder ein Gesellschaftsdrama?

Es ist von beidem etwas. Die meisten Menschen sehen darin vor allem Science-Fiction, aber für mich steckt da viel Drama und Gesellschaftskritik drin. Ich denke, das ist der Schlüssel zu der Serie: Es ist keine Alien-Welt, alles spielt sich in unserer Nähe ab. Auch hier spielen gesellschaftliche Themen wie Homosexualität oder Immigration eine Rolle. Ich denke, wir können durch die Augen der Hubots einen neuen Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit gewinnen.

Und Ihr Blick in die Zukunft, würden Sie den eher als Utopie oder als Dystopie bezeichnen?

Wir versuchen in der Serie nicht zu urteilen, immer beide Seiten aufzuzeigen. Ich denke, das ist die ehrlichste Art und Weise diese Geschichte zu erzählen. Wir tragen die Verantwortung für unsere Entscheidungen und für das, was wir kreieren. Was wir schaffen, das kann nicht rückgängig gemacht werden. In der Serie möchten wir nicht zeigen, ob die eine oder andere Beziehung zu einem Roboter gut oder schlecht ist. Denn: Ist es besser mit einem Roboter zu leben oder mutterseelenallein? Wir geben keine Antworten, wir stellen Fragen.

Und Sie persönlich, würden Sie sich einen Hubot zulegen?

Ich wäre froh, den Abwasch nicht mehr selbst machen zu müssen. Ich koche gern, aber da könnte ich den Hubot ja bitten, sich daneben zu setzen. Ich brauche aber sicher keinen Hubot, um mich zu verlieben oder mit ihm ins Bett zu steigen.

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«Was macht uns menschlich?»

0:43 min, vom 11.10.2013

Glauben Sie, dass Sie irgendwann durch einen Roboter ersetzt werden könnten?

Nein, ein Hubot kann mich nicht ersetzen. Er hat nicht meine Erinnerungen, meine Erfahrungen. Er kann mich ersetzen, indem er für mich Dinge trägt, aber nicht meine Person.

Was macht Sie, Lars Lundström, menschlich?

Das ist eine gute Frage. Ich kann mich schneiden und dann blute ich. Aber ja, Sie können nicht wissen, ob ich ein Mensch bin, ich könnte ein Alien sein oder ein sehr guter Betrüger. Was macht uns menschlich? Ist es unsere Seele? Haben wir eine? Ist es der Aufbau unseres Körpers? Ich weiss es nicht. Darum geht es in der Serie: Was heisst es, ein Mensch zu sein.

«Real Humans» im TV

Vier Hauptfiguren aus der TV-Serie «Real Humans»

SRF/SVT/Johan Pauli

SRF zwei strahlt die zehn Episoden von «Real Humans - Echte Menschen» aus an drei Abenden vom 18. bis 20 Oktober, jeweils ab 20.00 Uhr.