Die letzte Mission der Cassini Russisches Roulette mit der Saturn-Sonde

20 Jahre lang war die Cassini-Sonde unterwegs. Ihre letzte Saturn-Mission ist zugleich ihre gefährlichste.

Illustration einer Raumsonde, die über Saturn schwebt.

Bildlegende: Jahrelang lieferte sie spektakuläre Bilder. Jetzt hat die letzte, dramatische Mission der Cassini-Sonde begonnen. NASA/JPL-Caltech

  • Die Weltraum-Sonde Cassini ist seit 20 Jahren auf Mission und soll nun mehrmals die Saturnringe durchfliegen.
  • Die Sonde soll herausfinden, woraus die Ringe bestehen und wie sie entstanden.
  • Cassini wird am Ende gezielt auf den Saturn abstürzen, um in seiner Atmosphäre zu verglühen.

Die Ringe des Saturns sind ein ungemütlicher Ort: ein Trümmerfeld aus Gesteins- und Eisbrocken. Die meisten Brocken sind winzig klein – andere so gross wie ein Einfamilienhaus.

Zwischen dem Saturn und der flachen Ringscheibe bleibt eine kleine Lücke und durch diese ist die Raumsonde Cassini jetzt mit 120‘000 Kilometern pro Stunde geflogen. Schon die Kollision mit einem millimeterkleinen Eispartikel könnte die Sonde ausser Funktion setzen.

Zum Schluss der Weltraummission spielen die Forscher nun russisches Roulette mit ihrer Sonde. Der erste von insgesamt 22 Durchflügen ist geglückt.

Viele unterschiedlich dicke Ringe.

Bildlegende: Von weitem bezaubernd schön, von nahem unglaublich gefährlich: Saturns Ringe aus Eis und Gestein. NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute

Das Rätsel der Ringe

Die Forscher wollen herausfinden, woraus die Ringe des Saturns bestehen. Handelt es sich um dasselbe Urmaterial aus dem der Planet selbst besteht? Oder waren das ursprünglich Monde des Saturns, die zerbrachen, oder mit Asteroiden zusammenstiessen?

Diese Theorien wollen die Forscher der NASA und der ESA überprüfen. Mit der vorbeifliegenden Sonde messen sie auch die Masse der Ringe.

Saturnringe von der Seite mit zwei Monden.

Bildlegende: Astrobiologen frohlockten: Dank Cassini weiss man, dass es auf dem Saturnmond Enceladus (oben) flüssiges Wasser gibt. NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute

Die Monde überraschten sogar Experten

Spannender als die Ringe aber war die Erforschung der beiden Saturn-Monde Titan und Enceladus. Die NASA-Raumsonde Cassini und ihre europäische Zwillings-Sonde Huygens haben im letzten Jahrzehnt tausende von Bildern und Daten dazu geliefert.

Auf dem Saturn-Mond Titan wurde eine völlig fremde Welt entdeckt. Es gibt dort Seen, Flüsse und Meere. Gefüllt sind sie allerdings nicht mit Wasser, sondern mit flüssigem Erdgas, Stickstoff und Kohlenwasserstoff. Das klingt selbst für Weltraumexperten wie Science-Fiction.

Der kleine Saturn-Mond Enceladus wiederum hat einen dichten Eispanzer. Darunter gibt es flüssiges Wasser. Astrobiologen gehen davon aus, dass in diesem unterirdischen Ozean die Voraussetzungen für Leben vorhanden sind – so wie es auch auf der Erde in der Tiefsee Leben gibt.

Saturn und seine Ringe aus der Vogelperspektive.

Bildlegende: Das Ende ist nahe. Cassini soll auf den Gasplaneten stürzen und in seiner Atmosphäre verglühen. NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute

Bakterien könnten Leben kontaminieren

Der Treibstoff der Cassini-Sonde geht nun zu Ende. Sie soll am 15. September gezielt auf den Gasplaneten Saturn abstürzen. Kurz nach Eintritt in die Atmosphäre wird sie verglühen.

Damit wird die Sonde sozusagen klinisch entsorgt. Es gibt nämlich extrem robuste Bakterien, welche die 20-jährige Mission von der Erde bis zum Saturn auf der Sonde überlebt haben könnten.

Die Forscher wollen verhindern, dass die Sonde als Weltraumschrott auf einem der insgesamt 62 Saturnmonde landet und dort mit solchen Bakterien eventuell vorhandenes Leben kontaminiert.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Wissenschaftsmagazin, 29. 4. 2017, 12.40 Uhr.

360-Grad-Video

Wenn Sie selber wissen wollen, wie es ist, zwischen dem Saturn und seinen Ringen durchzufliegen: Hier eine 360-Grad-Simulation.

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