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Der Weltklimarat fordert dringende Kehrtwende
Aus Tagesschau vom 08.08.2019.
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Weltklimarat-Sonderbericht Die sichere Ernährung der Menschheit ist in Gefahr

In einem Sonderbericht zeigt der Weltklimarat IPCC die Zusammenhänge zwischen dem fortschreitenden Klimawandel und der Landnutzung auf der Erde auf. Die Landwirtschaft und unsere Ernährung müssen sich stark verändern, warnt der Bericht.

Fast zwei Drittel der festen und eisfreien Erdoberfläche werden in irgendeiner Form genutzt: Äcker, Weiden, bewirtschaftete Wälder. Und diese Nutzung hat stark zugenommen, sagt Edouard Davin, Mitautor des IPCC-Berichts und Forscher an der ETH Zürich.

Fleischproduktion pro Kopf hat sich verdoppelt

In den letzten 60 Jahren hat sich zum Beispiel die Fleischproduktion pro Kopf verdoppelt. Das ging nur, weil enorme Flächen an Wald abgeholzt wurden, um Platz für Weiden und Futteranbau zu schaffen.

All diese Aktivitäten machen die Land- und Forstwirtschaft zu einem der grossen Treibhausgasproduzenten: Fast ein Viertel sämtlicher Treibhausgase, die die Menschheit verursacht, stammen von diesen Branchen.

Darum sei klar: Um die Klima-Erwärmung, wie angestrebt, bei anderthalb Grad zu begrenzen, muss auch die Landwirtschaft ihren CO2-Ausstoss drastisch senken, sagt der Sonderberichts-Autor Davin.

Keine Wälder abholzen, weniger Fleisch essen

Es dürfen keine Wälder mehr abgeholzt werden. Aber das reicht nicht: die Bauern müssen die Bewirtschaftung anpassen, zum Beispiel weniger Pflügen, dadurch könnten die Böden wieder mehr CO2 speichern.

Eine Theke voller Fleischprodukten in einer Metzgerei
Legende: Weniger Fleisch essen würde den Landbedarf drastisch senken. Der Futtermittelanbau verbraucht grosse Landflächen. Keystone

Zur Reduktion von CO2 beitragen müssten aber auch wir Konsumenten, sagt Edouard Davin: Weniger Fleisch essen würde den Landbedarf drastisch senken, weil die Tierhaltung und der Futtermittelanbau viel grössere Flächen brauchen als die Produktion von Getreide und Gemüse.

Und zu guter Letzt müssten wir alle weniger Früchte, Brot oder Wurst verderben lassen – fast ein Drittel aller Nahrung wird weggeworfen, steht im neuen IPCC-Bericht – das verursache allein etwa 10 Prozent des globalen Treibhausgasausstosses.

Das Risiko für Nahrungsknappheiten steigt

Die Klima-Erwärmung wirke sich schon jetzt auf die Produktion von Nahrungsmitteln aus, sagt Edouard Davin: In den Tropen seien manche Erträge bereits gesunken. Ein Faktor sind häufigere extreme Ereignisse wie Hitzewellen oder Trockenheiten – wie sie auch hierzulande aufgetreten sind.

Auf einem sehr trockenen Feld sind Risse im Boden zu sehen.
Legende: Ereignisse wie Hitzewellen oder Trockenheiten treten immer häufiger auf – und haben Einfluss auf die Produktion von Nahrungsmitteln. Keystone

Extremerreignisse können einen Domino-Effekt auslösen: Als Russland 2010 unter einer Dürre litt und die Ernte schlecht war, stiegen auch andernorts die Getreide-Preise. Der IPCC-Bericht warnt, dass bereits bei einer Erwärmung von anderthalb Grad das Risiko ansteigt, dass in ärmeren Ländern Nahrungsknappheiten auftreten. Momentan befindet sich die Erde auf dem Kurs Richtung plus drei Grad.

Unterschiedlich drastische Zukunftsszenarien

Die Forscher haben verschiedene Szenarien für die Zukunft durchgerechnet. Im optimistischsten Fall erreicht die Weltbevölkerung bald ihr Maximum und die Wirtschaft arbeitet weit klimafreundlicher als heute.

Im pessimistischsten Fall nimmt die Erdbevölkerung deutlich zu, und wir wirtschaften weiter wie bisher. Gegenwärtig befänden wir uns auf einem Pfad irgendwo dazwischen, sagt Edouard Davin. In welchem Szenario wir bis in 50, 60 Jahren enden, sei unklar.

Die Unterschiede wären drastisch: Im optimistischen Szenario halten sich die Risiken für Landwirtschaft und Ernährung in Grenzen. Im anderen Fall aber könnte die Menschheit bereits bei einer Erwärmung von unter anderthalb Grad in Schwierigkeiten kommen und zum Beispiel die Unterernährung in ärmeren Ländern deutlich zunehmen.

Es käme dann wohl zu einer grossen Konkurrenz um Land: Die Landwirtschaft bräuchte noch grössere Flächen, um die Menschen zu ernähren – aber um die Klima-Erwärmung abzubremsen, würde man dann riesige Flächen aufforsten, weil das CO2 bindet. Im Bericht ist die Rede von einer Fläche so gross wie zweimal Indien. Die Menschheit wäre dann in ernsten Schwierigkeiten.

165 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Fazit dieser neuen Religion: Auch wenn medial hierzulande mit einem Schreckenszenario nach dem nächsten befeuert, scheint mir doch der ganze Klamauk ziemlich wirkungslos zu verpuffen, auch wenn alle Besorgten im Herbst die Grünen wählen wollen. Der Fleischkonsum ist nicht eingebrochen, die Fluggesellschaften vermelden erneut neue Rekordzahlen, es wird nach wie vor wie wild zubetoniert usw. Und nun? Ideologische Umerziehungskurse, verordnet von Klimarats wegen?
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  • Kommentar von Beat Hauser  (Bhauser56)
    Völlig polemische Diskussionen ! Die Natur wird es von selbst regeln, wenn die Menschheit nicht vernünftig wird. Dann wird es halt zu heiss werden, Kriege um Wasser und Energie, sowie Hunger werden die Menschheit drastisch reduzieren. Damit sinkt der CO2 und Methan Ausstoss. Weil mit weniger Menschen auch weniger „konsumiert“ werden wird, fällt die Industrie-/Landwirtschaft auch auf tieferes Niveau, sprich über Jahrzehnte wird sich der Planet wieder erholen. Ist fatalistisch aber wahr !
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Absolut meine Worte, aber wenn man nur schon in diesem Forum eine weltweite Familienplanung mit 2 Kindern fordert, hagelt es Daumen runter en Masse. Ein altes Sprichwort sagt wer nicht hören will muss fühlen.
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    2. Antwort von Peter Singer  (P.S.)
      Ich glaube kaum, dass es soweit kommen wird. Die weltweite Geburtenrate liegt jetzt nur noch bnbei 2.4, vor ein paar Jahren war sie noch um ein vielfaches höher. Sehr bald schon wird die Geburtenrate auf unter 2 Kinder pro Frau sinken, ab dann wird es noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Weltbevölkerung wieder sinkt. Die Natur wird weiterhin Schaden nehmen, aber die Zivilisation wird noch mindestens einige hundert Jahre gut überleben und sich weiter entwickeln.
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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Ein wichtiger Punkt geht oft vergessen: Der Planet Erde wird von der Menschheit falsch administriert. Die Aufteilung in Nationen, die in Konkurrenz stehen, muss zwangsläufig in die Katastrophe führen.
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