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Wer tötete die Dinos? Im einstigen Todeskrater entstand rasch wieder Leben

Vor 66 Millionen Jahren löschte ein Asteroid die Dinosaurier aus. Doch im einstigen Todeskrater entstand überraschend schnell wieder neues Leben, wie eine neue Studie zeigt. War jener Asteroid also doch nicht so tödlich?

Eine Illustration zeigt ein Dinoskelett, daneben Plankton.
Legende: Die Dinosaurier starben nach dem Meteoriteneinschlag aus. Planktonarten überlebten hingegen und vermehrten sich überraschend schnell. The University of Texas at Austin Jackson School of Geosciences/John Maisano

Fische, Dinosaurier, Insekten oder Schalentiere wie die Ammoniten – unterschiedlichste Lebewesen bevölkerten die Erde vor 66 Millionen Jahren.

Bis ein Asteroid im Golf von Mexiko einschlug und das bisher letzte grosse Massenaussterben auslöste: Drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten starben damals aus, weil aufgewirbelter Staub und Schwefelaerosole zu anhaltender Dunkelheit und einer Klimaabkühlung führten.

Im Zentrum der Katastrophe war wegen der immensen Explosion des Einschlags jegliches Leben augenblicklich tot.

Ökosystem stabilisierten sich langsam

Bis sich wieder stabile Ökosysteme mit grossen Lebewesen bilden konnten, dauerte es in manchen Teilen der damaligen Meere rund 300'000 Jahre.

Doch wie Forscher im Magazin «Nature» nun berichten, kam das Leben ausgerechnet in der mausetoten Landschaft des Einschlaggebiets sehr viel schneller zurück – für erdgeschichtliche Verhältnisse geradezu blitzschnell.

«Schon nach wenigen Jahren schwammen in dem 200 Kilometer grossen Krater wieder erste einzellige Lebewesen herum», sagt Christopher Lowery von der Universität Texas in Austin, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Genaue Datierung der Versteinerungen

Mit einem internationalen Team hat Mikropaläontologe Lowery Sedimente von Bohrkernen aus dem Krater analysiert und konnte so eine einmalig genaue Datierung der darin enthaltenen versteinerten Lebewesen vornehmen.

Ein Schiff ist mit drei grossen Pfeilern über dem Meeresspiegel aufgehängt.
Legende: Mit dem Forschungsschiff Myrtle, über dem Meeresspiegel aufgedockt, wurden die Gesteinsproben im Golf von Mexiko aus dem Boden geholt. The University of Texas Jackson School of Geosciences/ Chris Lowery.

Diesen Analysen zufolge lebten schon rund zwei, drei Jahre nach dem Einschlag sogenannte Foraminiferen im Krater, also kleine Plankton-Kreaturen mit einem Gehäuse und langen lateinischen Namen wie Guembelitria Cretacea oder Parvularugoglobigerina Eugubina.

Warum es so schnell ging

Doch warum ging es so schnell? «Der Einschlagkrater ist im Nordosten offen, er hat dort eine direkte Verbindung zu den Tiefengewässern des Golfs von Mexiko», sagt Christopher Lowery.

Die neuen Kraterbewohner wurden also mit der Meeresströmung in ihr neues Habitat hineingespült, nehmen die Forscher an. Das Pionier-Plankton Guembelitria Cretacea zum Beispiel hatte ursprünglich in seichten Küstengewässern vor Mexiko gelebt – und dort den Asteroideneinschlag überlebt.

Fehlende Konkurrenz

Weil dieses Plankton nach dem grossen Sterben keine Konkurrenz mehr hatte, verlagerte es sich ins offene Meer und gelangte dann in den Krater, nehmen die Forscher an.

Nach und nach seien weitere Planktonarten hinzugekommen, mit der Zeit auch kleine planktonfressende Krebschen und grössere Tiere bis hin zu Fischen.
30'000 Jahre nach dem Einschlag fanden die Forscher im Krater ein vollständiges, gesundes Ökosystem – wiederum viel schneller als an manchen weiter entfernten Meeresgegenden.

Ein versteinertes Plankton in Form eines verformten Brötchens.
Legende: Das Plankton Parvularugoglobigerina Eugubina (hier in versteinerter Form) war eins der ersten Lebewesen, die sich im Krater des tödlichen Asteroids wieder ansiedelten. The University of Texas at Austin Jackson School of Geosciences/Chris Lowery

War der Asteroid doch nicht so tödlich?

Interessant findet das der an der «Nature»-Studie nicht beteiligte Paläontologe Hugo Bucher.

Dass neues Leben sich im einstigen Todeskrater so rasch etablieren konnte, hat der Spezialist für Massenaussterben der Universität Zürich nicht erwartet. «Ökosysteme können sich also lokal höchst unterschiedlich entwickeln», schliesst er aus den neuen Erkenntnissen.

Noch etwas findet er interessant: Die Annahme, der Asteroid habe nach dem Einschlag seine Umgebung jahrtausendelang durch giftige Metalle verseucht, ist offensichtlich falsch.

«Der Asteroid hat das damalige Massenaussterben also vielleicht doch nicht so stark beeinflusst, wie viele meinen», so Hugo Bucher. Man müsse daher andere Faktoren wieder stärker berücksichtigen.

Waren es doch die Vulkane?

Die Vulkanausbrüche, die es zur selben Zeit in Indien gab, könnten das Klima vor 66 Millionen Jahren stärker abgekühlt haben, als man bisher dachte.

Denn jene Vulkanausbrüche waren gigantisch. Und: Vulkanausbrüche spielten bei allen fünf grossen Massenaussterben in der Geschichte der Erde eine Rolle, Meteoriteneinschläge hingegen nicht.

Es darf also nach der «Nature»-Studie wieder trefflich gestritten werden über die alte Frage, was denn nun einst die Dinosaurier aussterben und neue Kreaturen wie die Säugetiere entstehen liess.