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Legende: Audio Die modernen Knechte und Mägde in der Landwirtschaft abspielen. Laufzeit 12:32 Minuten.
Aus Kontext vom 27.08.2019.
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Roboter in der Landwirtschaft Wenn der Traktor von alleine fährt

Roboter sollen die Landwirtschaft revolutionieren. Doch die Äcker und Felder erweisen sich als schwieriges Terrain.

Florian Gut schiebt das Tor seiner Scheune auf und ein grosser, ganz normaler grüner Traktor taucht vor mir auf – so scheint es auf den ersten Blick. «Von aussen sieht man nicht viel», gibt Florian Gut zu und deutet auf das Dach des Traktors. Dort oben sitzt eine grün-gelbe Box, etwa so gross wie eine Schuhschachtel.

«Dieses Teil empfängt mit zwei Antennen die GPS-Standortangaben», erklärt der Landwirt. «Das Besondere daran ist, dass es die Position auf zwei Zentimeter genau erkennt.» Das gelingt, weil die GPS-Angabe durch das lokale Handynetz verfeinert wird.

Ein Traktor, auf dem Dach ist eine grün-gelbe GPS-Box mit zwei Antennen montiert.
Legende: Die grün-gelbe Box auf dem Traktordach empfängt Positionsangaben via GPS und Handynetz und kann die Position des Fahrzeugs so auf zwei Zentimeter genau orten. SRF / Cathrin Caprez

Unscheinbarer Helfer

Florian Gut ist gelernter Landmaschinenmechaniker und hat vor einigen Jahren den Hof seiner Eltern übernommen: 35 Hektaren Land im Zürcher Weinland, wo er nebst Wein auch Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais anbaut.

Ich bin hier, um mir Florian Guts neuste Errungenschaft anzuschauen, in die er zusammen mit einem Kollegen investiert hat: «Parallelfahrsystem» heisst die unspektakuläre Box auf dem Traktordach mit dazugehörigem Rechner und Bildschirm in der Führerkabine.

Sechs Tonnen auf zwei Zentimeter genau

Florian Gut führt mir gleich vor, wie dieses System funktioniert. Er fährt den Traktor aus der Scheune, ich klettere in die Führerkabine hoch – und Florian Gut fragt mich: «Wollen Sie fahren?»

Diese Gelegenheit will ich mir nicht entgehen lassen. Zu meiner Überraschung ist es überhaupt nicht schwierig, das sechs Tonnen schwere Gerät über den schmalen Feldweg zu steuern.

Sparsam dank Präzision

Doch dann drückt Florian Gut einen Knopf seitlich am Lenkrad und deutet mir, das Lenkrad loszulassen. Ein Steuerungsmotor, gekoppelt mit dem Empfänger auf dem Dach des Traktors, übernimmt das Lenken. Auf dem Bildschirm neben mir erscheinen die im System gespeicherten Fahrspuren.

Blick aus dem inneren eines computerassistierten Traktors. Man sieht einen kleinen Bildschirm, auf dem digital die Spuren zu sehen sind, denen der Traktor automatisch folgt.
Legende: Der Traktor folgt automatisch den gespeicherten Fahrspuren. So lässt sich ein Feld sehr effizient bearbeiten. SRF / Cathrin Caprez

Das Parallelfahrsystem lenkt den Traktor nun mit hoher Genauigkeit entlang dieser Spuren. Florian Gut kann sein Feld dadurch effizienter bearbeiten. Er legt eine Fahrspur ganz genau neben die nächste. Mit einem normal gesteuerten Traktor hingegen arbeiten die Bauern mit Überlappungen, damit auf dem Feld auch sicher jede Fläche bearbeitet wird.

Mit Bedacht in die Zukunft

«Das System spart Benzin, Saatgut, Pestizide – und ich steige abends weniger müde vom Traktor», sagt Florian Gut. Zusammen mit seinem Kollegen Mathias Nägeli denkt er bereits weiter: Sie planen den Kauf einer Einzelkornsämaschine, die ganz genau aussäen kann.

Diese Maschine, in Kombination mit einem automatischen Hackgerät, könnte ihnen bis zu 60 Prozent an Pestiziden einsparen. Das spart Geld und schont die Umwelt.

Zwei Männer und ein Hund stehen auf einem Feld.
Legende: Nicht alle haben den Mut und die Geduld, eine neue Technik auszuprobieren. Zu zweit ist es aber einfacher: Florian Gut und Mathias Nägeli. SRF / Cathrin Caprez

Dennoch: Jede Anschaffung will genau überlegt sein. Im Milchkuhstall stehen Roboter bereits auf vielfältige Art und Weise im Einsatz. Sie melken, misten und füttern. Auf den Feldern und Äckern hingegen sieht es anders aus.

Zwar tüfteln Hochschulen und Start-ups an Jätrobotern mit Solarantrieb, an Drohnen mit automatischer Bilderkennung, an Sensoren, die automatisch den Nährstoffbedarf von Pflanzen erkennen – wirklich marktreif und bezahlbar ist bis heute aber kaum etwas davon.

Die wachsamen Blicke der Berufskollegen

27'000 Franken haben die beiden Bauern in die neue Anschaffung investiert. Bei der Inbetriebnahme und Einarbeitung unterstützt sie der Kanton Zürich mit einem Ressourcenprogramm.

Neben dem finanziellen Risiko gibt es noch einen anderen Stolperstein: die wachsamen Blicke der Berufskollegen. «Es braucht jeweils Mut, eine neue Technik auszuprobieren. Wenn die sich nicht als gut erweist, ist man halt der Loser», sagt Mathias Nägeli.

Und so sind sich Florian Gut und Mathias Nägeli nicht nur gegenseitig Stellvertretung – auch gegen allfällige Sticheleien der Kollegen seien sie zu zweit besser gerüstet.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Nic Grund  (Gruendeli)
    Diese Entwicklung kann nicht schnell genug kommen. Fendt experimentiert mit ca Hund-Grossen Robotern die kleingliedriges Ackerland bewirtschaften können. Die Roboter sähen, verhacken Unkraut mechanisch und ernten.

    Das führt zu weniger Pestiziden, weniger Düngemittel, keine Bodenverdichtung und keine sklavenähnliche Ausbeutung von Hilfskräften aus armen Ländern...
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    1. Antwort von Tom Duran  (Tom Duran)
      Wer's glaubt. Aber träumen darf ja erlaubt sein.
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  • Kommentar von Chruti Da Goya  (Νικος)
    27'000.-- für die kleine Kiste?
    Was wohl der Traktor gekostet hat, der muss plug and play fähig sein, oder habe ich was verpasst?
    Was ich damit schreiben will, 27k reichen wohl kaum ;-)
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    1. Antwort von Marc Ursprung  (Andi Schlatter)
      Finde es auch sehr günstig. Wollte für die Firma eine normale Nass-Trocken-Kehrmaschine kaufen, zum drauf sitzen. Von der Marke mit Kä.. => 30.000 Franken... ich strenge mich wirklich an, aber ich finde nicht im Geringsten den Grund für diesen utopischen Preis.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Schwere Landmaschinen können dazu führen, dass sich der Boden verdichtet, wenn das Gewicht landwirtschaftlicher Maschinen die Tragfähigkeit des Bodens übersteigt.Das sind nicht nur Böden, auf denen Gemüse angebaut wird, sondern immer öfter auch Böden, die für den Ackerbau genutzt werden. Die Bodenverdichtung ist primär eine Folge der immer schwereren Maschinen. Die Bodenstruktur kann in wenigen Minuten zerstört werden und damit alle Lebewesen auf- und unter dem Boden. Die Bioversität adé.
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    1. Antwort von Beno Trütsch  (benotruetsch)
      So haben Grundsätzlich schon recht aber es ist nicht das Gewicht, das den Boden verdichtet sondern der Druck der auf den Boden ausgeübt wird. Der Druck ist wiederum abhängig vom Gewicht aber auch von der Auflagefläche. Schwere Maschinen haben in der Regel sehr Breite und Gross Reifen, welche das Gewicht verteilen. Die kleinen Traktoren von Früher waren daher gar nicht besser, vor allem musste man damit auch in deutlich kleinere Abständen durch den Acker fahren, da die Arbeitsbreite geringer war.
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    2. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Fakt ist und bleibt, dass die sensiblen Böden und damit deren Bodenlebewesen zerstört werden durch Verdichtung! Die LW der MINI-Schweiz, braucht absolut keine sündhaft teuren (Volks-Steuergelder) "Monster-Traktoren und Landmaschinen" für die weiter schwindenden "Mini-Felder"!! Lächerlich daher ein "GPS", etc....- als faule Ausrede, bringen gewissenlose AGRAR-Leute und ebensolche Bauern, dass mit diesem "Monster-Traktor" Pestizide eingespart werden könnte...! KEIN Pestizid, ist notwendig!
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    3. Antwort von Marc Ursprung  (Andi Schlatter)
      @Casagrande, ich denke das können nur Personen beurteilen, welche dies beruflich ausüben. Wenn diese sagen dass sie damit Zeit, Geld und Pestizide sparen, dann gehe ich mal schwer davon aus dass das auch stimmt. Erstens sind sie das Kompetenzzentrum, nicht Sie und nicht ich. Zudem werden sie nicht 27'000.- investieren, wenn kein Payback da ist.
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    4. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Marc Ursprung: Glauben und Wissen, sind klare Unterschiede. Betreffend Wissen, wo die Unterschiede zwischen: industrialisierter Chemie-LW und "nachhaltig öko-logischer LW ist, können sie sich einerseits vor Ort bei den verschiedenen Bauern informieren, beobachten. Es gibt sehr viel gute Informationen im Internet über die Unterschiede in der LW. Sinn der LW, welche verantwortungsbewusst wirtschaftet! Verantwortungsloser Wahnsinn der industrialisierten Chemie-LW = Vergiftung, Zerstörung...!!
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