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1 Meter Schnee auf den Bergen Rarität: Dezember-Schnee

Das hat schon fast Seltenheitscharakter: Schon anfangs Dezember hat es auf 2000 Metern über Meer rund einen Meter Schnee. 2015 und 2016 gab es zur gleichen Zeit kaum Schnee, und an Weihnachten war es fast im ganzen Alpenraum grün. Wird der Winter 2017/2018 zur meteorologischen Sensation?

Grafik des Schneeverlaufs an der Messstation Chüeboden.
Legende: Schneedecke Chüebodensee Auf der Messstation Chüebodensee im Glarnerland liegen momentan 108 Zentimeter Schnee. SLF

Seit Anfang November fällt in den Bergen immer wieder kräftig Schnee, und von Zeit zu Zeit schneit es sogar bis in tiefe Lagen. Das sind wir uns nicht mehr gewohnt. Im Dezember 2015 und auch im Dezember 2016 gab es kaum Schnee, und selbst in den höher gelegenen Skiorten in den Alpen feierte man Weihnachten im Grünen. Da könnte man die aktuelle Wetterlage schon fast als kleine Sensation betrachten. In den östlichen Alpen befindet man sich lokal sogar nahe am Rekord für die ersten Dezembertage.

Darstellung der Mitteltemperaturen während der Wintermonate seit 1864
Legende: Wintertemperaturen Temperaturentwicklung in den Wintermonaten (Dezember - Februar) seit 1864. MeteoSchweiz

Winter nicht immer warm

Weltweit gesehen waren die Jahre 2015 und 2016 die wärmsten seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Auch in der Schweiz waren die vergangenen Jahre, die wärmsten seit Messbeginn. 2015 lag auf Platz 1, gefolgt von 2011 und 2014. Da könnte man leicht das Gefühl haben, dass es auch im Winter Jahr für Jahr milder würde. Dem ist aber nicht so. Während im Sommer seit 1980 nur noch ein Jahr (1987) knapp unter der Referenz der Jahre 1961 bis 1990 lag, gab es im Winter immer wieder Jahre, die deutlich unter der Norm lagen. Letztmals war es im Winter 2012/13 zu kalt, aber auch 2011/12 lag unter dem Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990.

Darstellung der mittleren Temperaturen in der Schweiz während der Sommermonate seit 1864.
Legende: Sommertemperaturen Temperaturentwicklung in den Sommermonaten (Juni - August) seit 1864 MeteoSchweiz

Eisige Luftmassen von Norden

In den hohen Breiten der Nordhemisphäre erwärmt sich die Atmosphäre zurzeit am schnellsten. Dadurch werden die Temperaturunterschiede zwischen den polaren Gegenden und den mittleren Breiten immer geringer. So war in den letzten Jahren ein vermehrter Luftmassenaustausch zwischen Nord und Süd festzustellen, dies auf Kosten der allgemeinen Westwindströmung. Klimaforscher gehen davon aus, dass dadurch der Vorstoss von arktischen Luftmassen nach Süden vereinfacht werde. Umgekehrt fliesst extrem milde Luft in den Norden. So kam es im November 2016 auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen zu extremen Regengüssen bei Temperaturen von +5 Grad. Dies zu einem Zeitpunkt wo die Temperatur üblicherweise weit unter dem Gefrierpunkt liegt. Die Durchschnittstemperatur würde im November -10,3 Grad betragen!

Warmer Winter nicht zwingend schneearm

In warmen Wintern ist tendenzmässig die Schneefallgrenze höher, und entsprechend sind in der Regel solche Winter eher schneeärmer. Die Temperatur ist aber nicht der einzige massgebende Faktor. Mitentscheidend ist auch die Niederschlagsmenge. Im vergangenen Jahr war beispielsweise der Dezember im Mittelland deutlich zu kalt. Schnee gab es aber trotzdem keinen, weil der Niederschlag fehlte. Sowohl in Genf wie in Sitten betrug die Monatsniederschlagssumme 0.

Bild vom Säntis auf die apere Umgebung
Legende: November 2011 Mitte November 2011 lag auf dem Säntis nicht eine Flocke Schnee, das änderte erst am 3. Dezember. Marc Herpers

Modellwinter 2011/12

Exemplarisch führt das Winterhalbjahr 2011/2012 das Zusammenspiel von Niederschlag und Temperatur vor Augen. Bis am 3. Dezember lag am Säntis absolut kein Schnee. Vor allem in der zweiten Monatshälfte schneite es danach sehr ergiebig und so lagen Ende Monat 3 Meter 85 Schnee. Dies obwohl der Dezember 2011 zu den wärmsten überhaupt gehörte. Auch im Goms war es im Dezember und anfangs Januar mild. Trotzdem lag am 8. Januar die Rekordschneemenge von 2 Metern 55 Schnee in der Walliser Gemeinde. Trotz allem hatte der Winter 2011/12 bis Ende Januar das Potential als wärmster in die Geschichte einzugehen. Im Februar ändert sich das Wetter erneut radikal. Es wurde eisig kalt. Am 4. Februar sank die Temperatur bei der Messstation Flughafen Zürich auf -20,2 Grad und am Nachmittag bewegten sich die Höchstwerte während mehrerer Tage im Bereich um -9 Grad. Niederschlag gab es in dieser Zeit wiederum keinen.

Mannshohe Schneemauern in Ulrichen im Januar 2012.
Legende: 8. Januar 2012 In Ulrichen lagen am 8. Januar 2012 2 Meter 55 Schnee, dies obwohl der Winter bis zu jenem Zeitpunkt extrem warm war. Arnold Imsand

Wir setzen auf Nordwest

Vor allem westliche Strömungen bringen dem Alpenraum Schnee. Kommt die Luft aus Südwesten kann es zwar Niederschläge geben, es ist aber meist sehr mild. Kommt die Strömung aus Nordwesten gibt es Niederschläge, und es ist kühl. Oberhalb von 800 bis 1000 Metern fällt bei solchen Strömungslagen meist ergiebig Schnee, im Flachland wird es aber nicht zwingend weiss. Mit einem Skandinavien- oder Russlandhoch kommt zwar eisige Luft zu uns, Schnee bringen diese Wetterlagen aber wenig, falls überhaupt. Insofern dürfte es auch in den kommenden Tagen winterlich weitergehen. Am kommenden Wochenende befinden wir uns erneut in einer Nordwest- bis Nordströmung, dabei fällt beim Temperaturen um den Gefrierpunkt Schnee wahrscheinlich bis ins Flachland.

Blick über die schneebedeckten Berge des Berner Oberlandes bei wolkenlosem Himmel.
Legende: Richtig Winter Der Gipfel des Hohgant gut eingeschneit. Markus Ettlin