Am 30. September endet das Hydrologische Jahr

Die Wasserwirtschaft begeht heute (Dienstag) Silvester. Grund für die Verschiebung des Jahres ist der Niederschlag, der im Hochgebirge zwischen Oktober und Dezember meist in Form von Schnee liegen bleibt und erst im kommenden Frühjahr oder Sommer abfliesst.

Verschneites Finsteraarhorn an Pfingsten 2014.

Bildlegende: Schnee im Hochgebirge Selbst am 8. Juni lag noch viel Schnee am Finsteraarhorn, der noch in der Bilanz fehlte. Joël Rominger

Im Gegensatz zum Kalenderjahr, das bekanntlich vom 1. Januar bis zum 31. Dezember dauert, geht das Jahr der Hydrologen vom 1. Oktober bis zum 30. September. Verantwortlich für diese Verschiebung ist der Schneefall in den Alpen in den Monaten Oktober bis Dezember. Weil dieser Schneefall in den Hochalpen erst im Frühling zum Teil sogar erst im Sommer zum Abfluss kommt, kalkuliert der Wasserwirtschaftler von Herbst bis Herbst. Für den Wasserwirtschaftler lautet die wichtigste Formel: Niederschlag minus Verdunstung gleich Abfluss. Würde der Wasserwirtschaftler das Kalenderjahr als Grundlage nehmen, hätte er noch ein kompliziertes Restglied, nämlich die im Gebirge deponierte Wassermenge in Form von Schnee. Diese deponierte Wassermenge nennt der Hydrologe Wasseräquivalent.

Schneeteufel im Sonnenlicht.

Bildlegende: Schneewirbel Der Wind verwirbelt den Schnee. Entsprechend gibt es grosse Unterschiede in der Schneehöhe. FB

Das Kreuz mit dem Wasseräquivalent

Die Bestimmung des Wasseräquivalentes in grösseren Gebirgsgegenden ist sehr komplex. Schon die Bestimmung der Schneehöhe ist im Gebirge nicht einfach, da Wind den Schnee stark verfrachtet. Weil die Schneedecke zudem eine sehr unterschiedliche Dichte aufweisen kann, ist die Bestimmung des Wasserwertes oder des sogenannten Wasseräquivalentes nahezu unmöglich.

Auch der Glaziologe ist in Champagnerlaune!

Heute Abend muss der Hydrologe nicht alleine feiern, denn auch die Glaziologen schliessen heute ihr Jahr ab. Die Gletscherforscher rechnen ihre Bilanzen ebenfalls von Oktober bis Ende September des Folgejahres. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Gletscher seine maximale jährliche Schmelze erreicht, und in der Regel fällt vor dem 1. Oktober noch wenig Neuschnee oder er schmilzt nochmals ab. Ebenfalls in diesen Tagen werden die sogenannten Totalisatoren entleert. Es sind Niederschlagsmesser die nur einmal im Jahr entleert werden. Solche Niederschlagsmesser kommen meist in sehr abgelegenen Gebieten im Hochgebirge zum Einsatz. Ihre Messgenauigkeit ist nicht über alle Zweifel erhaben, aber auch hier gilt: Besser wenig als gar nichts.

Leicht angezuckertes Gipfelgebäude am 24. August auf dem Pilatus.

Bildlegende: Neuschnee am Pilatus Bereits am 24. August gab es am Pilatus wieder Neuschnee, der schmolz aber rasch wieder dahin. Trudi Haas

Hydrologen in Deutschland feiern erst am 1. November

Im Gegensatz zur Schweiz und zu Österreich dauert in Deutschland das hydrologische Jahr vom 1. November bis zum 31. Oktober. Auf Grund der tieferen Meereslage und dem entsprechend späteren Einschneien, wird in Deutschland der Gleichgewichtszustand um den 1. November erreicht. In Ländern ohne nennenswerten Schneefall dauert aber auch für die Hydrologen das Jahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember.

Einer feiert immer!

Auch am 1. Dezember wird in der Branche gefeiert. In der internationalen Meteorologie wird häufig die Periode 1. Dezember bis 30. November zur Berechnung der Bilanzen verwendet. Dies hat den Vorteil, dass alle drei Wintermonate dem gleichen Jahr zugerechnet werden. Sehr oft folgt auf einen schneereichen und kalten Dezember auch ein schneereicher Januar, eventuell auch noch ein schneereicher Februar. Bei der Verwendung des klassischen Kalenderjahres, wie beispielsweise in der Schweiz, werden solche Ereignisse nicht in der gleichen Jahresstatistik berücksichtigt, obwohl es eine statistische Abhängigkeit gibt.