Der eisige Februar 1956

Der Winter 1955/56 war in Sachen Temperatur eine einzige Talfahrt: Der Dezember war 3 Grad zu mild, der Januar noch 2 Grad wärmer als im Mittel. Darauf folgte ein 11 Grad zu kalter Februar - der kälteste seit Messbeginn.

Leuchtende Eiszapfen, im Hintergrund verschneite Landschaft mit Sonnenuntergang.

Bildlegende: Eiszapfen leuchten beim Sonnenuntergang. Ursula Armbruster

Der Februar 1956 bleibt unvergessen! Noch heute erinnern sich viele an diesen bitterkalten Monat vor genau 60 Jahren, wie diverse Zuschriften an SRF Meteo zeigen.

Winter 1955/56: Milder Dezember und Januar

Eindrücklich zeigt sich der Verlauf dieses speziellen Winters an den Messwerten von Basel - dort wird die Temperatur seit 1755 aufgezeichnet. Im Dezember war es rund 3 Grad milder als im langjährigen Mittel. Im Januar lag die Temperatur 2 Grad über der Norm. Sogar Ende Januar gab es noch mildes Westwindwetter mit 8 Grad in Basel und einer Schneefallgrenze zwischen 1200 und 1500 Metern.

«  Es war sehr warm, bis am 13. Januar flogen alle Tage die Bienen. Nachher wurde es kälter. Am 26. Januar bekamen wir unseren zweiten Sohn. Als ich aus dem Spital heim konnte, war es eisig. Man konnte nicht recht warm machen in den alten Bauernhäusern. Im Schlafzimmer war es ein paar Tage 2 Grad minus am Morgen. Unser Büblein schüttelte es manchmal als ich ihn wickelte auf der kalten Windel. Mit Ach hat man das erlebt. »

Frau Leimgruber
aus Wölflinswil/AG

Zum Monatswechsel massiver Temperatursturz

Am 31. Januar drehte der Wind von West auf Nordost. Eisige Bise sorgte in kurzer Zeit für einen markanten Temperatursturz: In Basel lag die Tiefsttemperatur am 1. Februar bei -16 und am 2. Februar bei -20 Grad.

«  Im Februar kam die Extremkälte. Es war fast den ganzen Monat zwischen -15 und -20 Grad kalt und als Folge davon barsten speziell die Nuss- und Quittenbäume, weil sie bereits so stark im Saft waren. »

Herr Bucher
aus Bäretswil/ZH

Kältester Februar seit 1755

Der Höhepunkt der Kältewelle war in Basel am 10. Februar: Nach -22 Grad am frühen Morgen gab es tagsüber maximal -14 Grad. Am 13. Februar musste nach gut zwei Wochen eisiger Kälte die Rheinschifffahrt eingestellt werden. Bis am 27. Februar stieg die Temperatur nur an 3 Tagen auf knapp über 0 Grad. An 24 Tagen blieb es ganztags frostig. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel gibt es in Basel im Februar nur drei Eistage. Die Monatsmitteltemperatur dieses aussergewöhnlichen Februars lag bei -9 Grad. Dies bedeutet Kälte-Rekord in der 261 Jahre langen Messreihe seit 1755. Im Vergleich zum Mittel der Jahre 1961 bis 1990 war dieser Februar über 11 Grad zu kalt!

«  Ich bin am 6. Februar 1956 geboren worden und meine Eltern erzählten mir, wie kalt es damals war. Am 11. Februar waren wir zur Taufe in die Kirche getragen worden (Autos waren da noch selten...) und wir Kleinen (ich habe noch einen Zwillingsbruder) mussten ganz fest in dicke Decken eingepackt werden, um nicht kalt zu haben. »

Herr Bischof
aus Ursy/FR

«  Ich war in der RS vor 60 Jahren...dann kam die grosse Kälte bis weit in den Frühling mit fast minus 30 Grad und starker Bise. Bieler- und Neuenburgersee waren gefroren. In Yverdon mussten wir die am Eis festgefrorenen Schwäne und Enten mit Pickel und warmem Wasser befreien, an den Infanteriekanonen blieb man mit den Händen am Metall kleben. Eine schlimme Zeit in ganz Europa! »

Herr Jaggi
aus Lyss/BE

Erwärmung zum Monatsende

So schnell wie die Kälte gekommen war, verschwand sie Ende Monat wieder: Am 28. Februar wurde es in Basel 6 Grad mild. Am 29. Februar stieg die Temperatur auf 7 Grad. Als Folge des Tauwetters konnte die Rheinschifffahrt den Betrieb wieder aufnehmen.

Bilder vom Februar 1956?

Haben Sie Bilder von dieser aussergewöhnlichen Kältewelle im Februar 1956? Werden Sie SRF Augenzeuge und schicken Sie uns diese:

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Quellen: Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, Buch Wetternachhersage von Christan Pfister, Chronik des Kantons Basel-Landschaft

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