Extremes Wochenende: 20 Grad, Schnee, Orkan und Gewitter

An diesem Wochenende erlebten wir die komplette Wetterpalette. Am Samstag fegte Föhn über die Alpen und brachte Windspitzen bis 181 Kilometer pro Stunde. Dabei stiegen die Temperaturen auf über 20 Grad. Nach Gewittern am Samstagabend schneite es am Sonntagmorgen stellenweise auf 400 Meter herunter.

Auf der Vorderseite eines Tiefdruckgebietes über den Britischen Insel spielte das Wetter im Alpenraum ein ganzes Wochenende lag verrückt. Kaum ein Wetterphänomen blieb uns dabei erspart.

Wenn der Föhn den Schnee aufwirbelt geht die Sicht gegen 0 und das Atmen fällt schwer.

Bildlegende: Föhnsturm Auf der Kleinen Scheidegg tobte der Föhn auch mit Böen gegen 180 Kilometer pro Stunde. Philippe Gyarmati

Grosser Druckunterschied führte zu extremem Föhn

Am Samstagmorgen war der Luftdruck im Tessin rund 13 hPa höher als in Zürich. Die Folge war eine extreme Südföhnströmung über den Alpen. Auf den Bergen kam es dabei verbreitet zu Orkanböen. Der Höchstwert wurde am Samstagmorgen kurz vor 10 Uhr auf dem Gornergrat mit 181 Kilometern pro Stunde gemessen. Mehr als 160 Kilometer pro Stunde wurden aber auch auf dem Gütsch ob Andermatt und auf dem Jungfraujoch verzeichnet.

Am Seeufer des Ägerisees wurde alles nass, so stark blies der Föhn.

Bildlegende: Föhn am Ägerisee Der Föhnsturm peitschte am Samstag das Seewasser des Ägerisee auf die Strasse in Unterägeri. Markus Bachmann

Der Föhnsturm tobte aber nicht nur auf den Bergen sondern er stürzte auch in die Täler. Bereits am frühen Samstagmorgen erreichte er den östlichen Bodensee und sorgte in Altenrhein mit 122 Kilometer pro Stunde für eine Orkanböe. Aber auch sonst schaffte es der Föhn bis weit ins Mittelland. Zum Teil wurden Föhnböen im Kanton Schaffhausen und auf den Höhenzügen des Kantons Zürich gemessen. Auf dem Üetliberg wurden 99 Kilometer gemessen, in Wädenswil am Zürichsee sorgte die stärkste Böe sogar für einen Wert von 108 Kilometern pro Stunde. In den Föhntälern gab es verbreitet Spitzenwerte um 110 Kilometer pro Stunde, so in Sevelen, Altdorf, Engelberg, Giswil und Oberägeri. Ganz extrem tobte der Föhn auch auf dem Urner Boden mit einem Höchstwert von 150 Kilometern pro Stunde.

Mehr als 20 Grad

Am östlichen Bodensee war es mehr als 20 Grad warm. Altenrhein meldete am frühen Nachmittag einen Wert von 20,3 Grad. Auch andere, private Stationen, zeigten Werte von mehr als 20 Grad. Sehr mild war es aber auch sonst. Im St. Galler Rheintal bewegten sich die Höchsttemperaturen um 19 Grad, in Aarau wurden 18,8 Grad gemessen, in Luzern waren es 18,6 Grad und im untersten Aaretal 18,5 Grad. Ohne Sonne und Föhn war es dagegen andernorts frisch. In Genf lag die Höchsttemperatur am Samstag nur bei 10 Grad, in Chiasso im Südtessin sogar nur bei 9,1 Grad.

Am Sonntagmorgen fiel in Vaduz auf 450 Metern über Meer etwas Schnee.

Bildlegende: Flockentanz Am Sonntagmorgen fiel in Vaduz auf 450 Metern über Meer etwas Schnee. Daniela Ospelt

Auch Kaltfront hatte es in sich

Am Samstagabend brach der Föhn allmählich in sich zusammen. Damit war der Weg für eine Kaltfront frei. Auch diese Kaltfront brachte heftige Böen. Auf dem Chasseral wurden 111 Kilometer pro Stunde registriert, auf dem Bantiger ob Bern war es mit 109 Kilometern pro Stunde nur unwesentlich weniger. Im Kanton Freiburg führten umgestürzte Bäume zu Strassensperrungen. Die Kaltfront wurde zum Teil sogar von Blitz und Donner begleitet und führte zu einer markanten Abkühlung. Sie blieb in der Nacht auf Sonntag und am Sonntagmorgen über der Ostschweiz und Graubünden liegen. Am Sonntagmorgen schneite es bis ins St. Galler Rheintal, notabene an Orten, die am Samstagnachmittag noch Temperaturen von rund 19 Grad erreichten.

Stauniederschlag im Süden

Während im Norden der Föhn tobte wurde im Süden Feuchtigkeit an die Alpen gestaut. Von Freitagabend bis Sonntagmorgen fielen in Bosco/Gurin und im Val Bavona mehr als 80 Millimeter Niederschlag. Gleichzeitig wurden in Locarno 68 Millimeter Regen verzeichnet. Grössere Niederschlagsmengen gab es aber auch in den angrenzenden Gebieten. In Binn fielen 40 Millimeter, auf der Göscheneralp 45 Millimeter und in Trun in der Surselva 27 Millimeter Niederschlag. Dies führte zum Teil zu Strassensperrungen, so im Urserental. Auch der Julier musste am Samstagnachmittag zeitweise gesperrt werden. Generell waren die Strassenbedingungen auf den Alpenpässen prekär. Am Sonntagmorgen wurden in Sils im Engadin 15 Zentimeter Neuschnee gemessen, insgesamt waren es 59 Zentimeter. In Arosa lagen am Sonntagmorgen 72 Zentimeter und in Ulrichen im Goms 75 Zentimeter.

Am Schiffssteg in Biel spritzte das Wasser über das Ufer.

Bildlegende: Neuer Sturm Am Sonntagnachmittag sorgte ein Weststurm für hohe Wellen auf dem Bielersee. Beat+Silvia Wyss-Rufer

Nächster Sturm steht schon bereit

Schon am Sonntagmittag gab es am Genfersee wieder Böen mit 80 Kilometern pro Stunde. Am Abend und in der kommenden Nacht muss vor allem auf dem Jura wieder mit Orkanböen gerechnet werden, und auch dem Jura entlang bis zur Aaremündung dürften die stärksten Böen bei rund 80 Kilometern pro Stunde liegen. Bis am Dienstagabend bleibt es windig, und es gibt immer wieder Niederschlag. Die Schneefallgrenze liegt im Norden meist bei 600 bis 1000 Metern. Einzelne Schneeflocken dürften dabei den Weg ins Mittelland finden.